Der 89-jährige Filmemacher Woody Allen zeigt sich unbeeindruckt von seiner Verbindung zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. „Ich bin Schriftsteller, ich lasse mich nicht so leicht abschrecken“, erklärte Allen in einem Gespräch mit der britischen Zeitung The Sunday Times. Die gemeinsamen Abendessen beschreibt er als „faszinierend“ und fügt hinzu, dass die spätere Enthüllung von Epsteins Verbrechen für ihn als Autor besonders interessant gewesen sei – „schließlich hatte man es mit einer ruchlosen Figur direkt vor der eigenen Haustür zu tun.“
Der New Yorker Regisseur schildert im Interview, wie er und seine Frau Soon-Yi Previn erstmals im Dezember 2010 durch einen Publizisten zu einer Abendgesellschaft in Epsteins Haus eingeladen wurden. „Wir kannten Jeffrey damals überhaupt nicht“, so Allen. „Aber wir sahen all die Leute dort, und sie begegneten ihm herzlich – also dachten wir: ‚Okay, er ist wohl eine wichtige Persönlichkeit.'“ Auf Nachfrage bestätigte Allen die Anwesenheit von Prinz Andrew unter den rund zwanzig Gästen, vermied jedoch weitere Namen zu nennen.
Zum Zeitpunkt dieses ersten Treffens hatte Epstein bereits eine 13-monatige Haftstrafe wegen Anbahnung von Prostitution mit Minderjährigen verbüßt und war wieder in Freiheit. Allen berichtet, Epstein habe seine Gefängniszeit erwähnt, jedoch behauptet, zu Unrecht verurteilt worden zu sein und sich nun sozial zu engagieren. „Er hätte nicht netter sein können.“ Der systematische Missbrauch Minderjähriger durch Epstein endete 2019, als der damals 66-Jährige laut offiziellen Angaben in seiner Gefängniszelle Suizid beging.
Regelmäßige Treffen
In den darauffolgenden Jahren waren Allen und seine Frau nach eigenen Angaben regelmäßig bei Epsteins Abendessen zu Gast – zusammen mit angesehenen Persönlichkeiten wie Professoren, Komikern und Nobelpreisträgern. „Wir haben Jeffrey nie, wirklich nie, mit minderjährigen Mädchen gesehen.“ Er hatte immer eine Freundin, aber nie eine minderjährige.“ Die Frage, ob es sich dabei um Ghislaine Maxwell gehandelt habe, verneinte Allen.
Dokumente belegen, dass zwischen 2014 und 2015 nahezu monatliche Treffen zwischen Allen und Epstein geplant waren, darunter gemeinsame Filmabende, Atelierbesuche und Dinner. In einem privaten Brief beschrieb Allen Epsteins New Yorker Anwesen als „Castle Dracula“ mit „jungen weiblichen Vampiren, die das Haus bedienen“ – eine Anspielung auf die auffällige Präsenz junger Frauen bei den Dinnerpartys.
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Der mehrfach mit dem Oscar ausgezeichnete Filmemacher, bekannt für Werke wie „Der Stadtneurotiker“, „Hannah und ihre Schwestern“ und „Midnight in Paris“, veröffentlicht laut The Sunday Times nun seinen ersten Roman. „What’s with Baum?“ handelt von einem jüdischen Mann mittleren Alters, dessen Karriere als Romanautor und Ehe gleichzeitig scheitern.
Allens Vergangenheit
Ende November wird Woody Allen 90 Jahre alt. Seine eigene Vergangenheit ist ebenfalls von Missbrauchsvorwürfen geprägt. Seine jetzige Ehefrau Soon-Yi Previn ist die Adoptivtochter seiner früheren Partnerin Mia Farrow, die von der Beziehung erfuhr, als sie Nacktfotos ihrer Tochter auf Allens Kaminsims entdeckte. Farrow und die gemeinsame Adoptivtochter Dylan beschuldigten Allen des sexuellen Missbrauchs. Der Regisseur hat diese Anschuldigungen stets zurückgewiesen, und ein Gericht gab ihm bereits vor Jahrzehnten weitgehend Recht.
Dylan Farrow sprach 2018 erstmals in einem Fernsehinterview beim Sender CBS über die Vorwürfe und behauptete, Allen habe sie als Siebenjährige im Elternhaus an ihren Geschlechtsteilen berührt. Diese Anschuldigungen waren bereits 2014 in einem Beitrag der New York Times öffentlich gemacht worden. Mia Farrow hatte die Vorwürfe schon 1992 nach der Trennung von Allen in einem Sorgerechtsstreit erhoben.
Obwohl die Polizei damals ermittelte, kam es zu keiner Anklage. Allen verlor jedoch das Sorgerecht für die drei gemeinsamen Kinder Dylan, Moses und Ronan.