Ein privates Grundstück, 32 Gräber, eine Leichenhalle – und der Eigentümer wusste von nichts. Dalmatien erlebt einen beispiellosen Friedhofsskandal.
In der dalmatinischen Gemeinde Marina nahe Trogir ist ein illegaler Friedhof auf privatem Grund aufgeflogen – mit einer Leichenhalle und 32 Grabstätten, die ohne jede behördliche Genehmigung errichtet wurden. Grundstückseigentümer Josko Smoljic zeigt sich fassungslos: Er habe weder die Errichtung der Leichenhalle genehmigt noch überhaupt davon gewusst. „Das hier ist mein Grundstück, auf dem vor etwa eineinhalb Jahren eine Leichenhalle gebaut wurde – ohne meine Zustimmung, ohne meine Genehmigung. Das ist, meiner Meinung nach, schlicht absurd“, so Smoljic.
Bekannt wurde die Sache auf denkbar skurrile Weise: Ein lokaler Unternehmer begann, offen damit zu prahlen, Grabstellen zu verkaufen – woraufhin sich die Neuigkeit unter den Anwohnern rasch herumsprach. „Die Leute erzählten ganz ungeniert, dass sie sich eine Grabstätte gekauft hätten. Wir fragten uns, wie das überhaupt möglich sein soll – aber es wurde tatsächlich verkauft. So haben wir erfahren, dass dort ein illegaler Friedhof entstanden ist“, schilderte Anwohnerin Helena in der Sendung Poziv Dnevnika auf Nova TV.
Drohungen & Distanzierung
Als ein Reporterteam derselben Sendung versuchte, den Vorgängen auf den Grund zu gehen, schlug ihnen statt Gesprächsbereitschaft offene Einschüchterung entgegen. Der Unternehmer drohte den Journalisten unverhohlen: „Ich lasse die Hunde auf euch los.“
Gemeinderatsvorsitzende Mirjam Radic bestätigte, dass keinerlei Projektunterlagen für das Vorhaben vorliegen – und verwies auf mögliche Unregelmäßigkeiten bei den Geldflüssen. Grabstellen dürfe ausschließlich das kommunale Unternehmen vergeben, nicht eine Privatperson. Das örtliche Kommunalunternehmen wiederum distanziert sich in aller Deutlichkeit von dem Fall. Direktor Dragan Jakus ließ keinen Zweifel daran, wie er die Angelegenheit bewertet: „Mir wird buchstäblich schlecht, wenn mich Leute nach der Erweiterung des Friedhofs Mitlo fragen. Die Leute haben Grabstätten erworben, auf einer privaten Parzelle wurde gebaut – damit haben wir rein gar nichts zu tun.“
Möglicher Abriss
Wie das Portal Dnevnik.hr berichtet, hat das zuständige Ministerium klargestellt, dass es in Kroatien keine privaten Friedhöfe gibt und die Vergabe von Grabstellen ausschließlich lokalen Selbstverwaltungen und deren Kommunalbetrieben vorbehalten ist. Eine dringende Kontrolle wurde angekündigt. Sollte keine Legalisierung möglich sein, droht sowohl der Leichenhalle als auch den Grabstätten der Abriss.