Kerzenprozessionen, Osterbrot und ein uralter Kalender: Für über 130.000 Wiener:innen beginnt das höchste Fest des Jahres heute Nacht.
Auch Tausende orthodoxe Wienerinnen und Wiener begehen an diesem Sonntag das Osterfest. Welche Bräuche dabei eine Rolle spielen, wie das Fest gefeiert wird und wie groß die orthodoxe Gemeinschaft in Wien ist – ein Überblick.
Das Osterfest fällt auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond des Frühlings. Orthodoxe Kirchen ermitteln diesen Frühlingsvollmond auf Basis des julianischen Kalenders und halten zudem daran fest, dass das Osterfest zeitlich nach dem jüdischen Pessachfest liegt – eine Verbindung, die historisch mit der Passion Christi zusammenhängt. Zur orthodoxen Gemeinschaft zählen vor allem serbisch- und russisch-orthodoxe sowie orientalisch-orthodoxe Gläubige, die sowohl Weihnachten als auch Ostern nach dem julianischen Kalender begehen. In diesem Jahr fällt das Fest auf den 12. April.
Kalender & Bräuche
Der julianische Kalender ist der Vorläufer des gregorianischen Kalenders, der heute in der westlichen Welt – und damit auch in Wien – maßgeblich ist. Die orthodoxen Ostkirchen haben den gregorianischen Kalender im 20. Jahrhundert übernommen. Eine Ausnahme bilden die ukrainischsprachigen Orthodoxen: Sie gehören zur griechisch-orthodoxen Metropolis, richten ihre Feiertage jedoch weiterhin nach dem julianischen Kalender aus.
Die Osternacht ist von ausgedehnten, feierlichen Liturgien, Kerzenprozessionen und dem Wechselruf „Christus ist auferstanden!“ – „Wahrhaftig, er ist auferstanden!“ geprägt. Im Mittelpunkt steht der Gottesdienst in der Nacht auf den Ostersonntag, bei dem das Osterlicht symbolisch in die Dunkelheit getragen wird. Ähnlich wie in der westlichen Fastenzeit bereiten sich viele Familien in einer 40-tägigen Phase des Verzichts auf das Fest vor. Zum Festmahl gehören Osterbrot, gefärbte Eier, „Pas’cha“, Lammgerichte sowie andere Festbraten.
Das Osterbrot – je nach Tradition „Kulitsch“ oder „Tsoureki“ genannt – wird häufig süß gebacken, ist rund oder hoch geformt und mit christlichen Symbolen verziert. Es gilt als Sinnbild für Fülle, Gemeinschaft und das Leben. Die gefärbten Eier sind in der Regel rot gehalten, eine Farbe, die das Blut Christi und die Auferstehung symbolisiert. „Pas’cha“ bezeichnet eine süße Topfenspeise in Pyramidenform, die besonders in Russland verbreitet ist und mit Rosinen, Mandeln sowie Vanille zubereitet wird.
Orthodoxes Wien
Wie viele Menschen orthodoxen Glaubens tatsächlich in Wien leben, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Eine einige Jahre zurückliegende Schätzung der jeweiligen Pfarren beziffert die Zahl für das Jahr 2022 auf rund 133.970 Personen. Den größten Anteil stellen mit etwa 70.000 die Serbisch-Orthodoxen, gefolgt von 24.000 Griechisch-, 17.970 Rumänisch-, 12.000 Russisch- sowie 10.000 Bulgarisch-Orthodoxen.
Wien-Innere Stadt, Salzgries 3: Griechisch-orthodoxe Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit
Wien-Innere Stadt, Griechengasse 5: Kirche zum Heiligen Georg
Wien-Leopoldstadt, Engerthstraße 158: Kirche Christi Auferstehung
Wien-Landstraße, Jauresgasse 2: Russisch-orthodoxe Kathedrale der heiligen Dreifaltigkeit
Wien-Landstraße, Veithgasse 3: Serbisch-orthodoxe Kathedrale zum Heiligen Sava
Wien-Simmering, Haidäckerstraße 31: Bulgarisch-orthodoxe Kirche Heilige Petka
Wien-Meidling, Lichtensterngasse 4a: Serbisch-orthodoxe Kirche, Tempel der Jungfrau
Wien-Ottakring, Neulerchenfelderstraße 47: Kirche zur Geburt der Allerheiligsten Gottesgebärerin
Wien-Donaustadt, Wagramer Straße 175: Rumänisch-orthodoxe Gemeinde Die Heiligen Väter