Über 6.000 junge Geflüchtete, ein Bildungsprogramm – und Zahlen, die aufhorchen lassen.
Insgesamt 6.129 junge Erwachsene haben bislang das Wiener Jugendcollege durchlaufen – ein Bildungsprogramm, das junge Geflüchtete gemeinsam von der Stadt Wien und dem AMS Wien auf den Einstieg in Ausbildung und Berufsleben vorbereitet. Eine aktuelle Bilanz des Programms zeigt: 4.702 Teilnehmerinnen und Teilnehmer schlossen die Kurse regulär ab oder waren durchgehend anwesend, während 1.427 vorzeitig ausschieden. Ein Teil der Abbrüche erklärt sich allerdings dadurch, dass die Betroffenen bereits während des Programms eine Arbeitsstelle gefunden hatten.
Drei Monate nach Programmende befanden sich 51 Prozent der Absolventinnen und Absolventen in Beschäftigung oder Ausbildung – ein Wert, der vergleichbare Projekte um zehn bis zwanzig Prozentpunkte übertrifft. Auch beim Bezug der Wiener Mindestsicherung zeichnet sich eine positive Entwicklung ab: 2.980 ehemalige Teilnehmende, das entspricht 57 Prozent, sind nicht mehr auf diese Leistung angewiesen. Seit dem 1. Jänner 2026 gilt zudem eine geänderte Regelung, wonach subsidiär Schutzberechtigte keinen Anspruch mehr auf die Wiener Mindestsicherung haben.
Kursangebot & Prüfungen
Das Jugendcollege richtet sich vorrangig an Asylberechtigte sowie subsidiär Schutzberechtigte und umfasst 30 Wochenstunden über einen durchschnittlichen Zeitraum von sechs Monaten. Das Kursangebot beinhaltet neben Deutsch, Mathematik und Englisch auch digitale Grundkompetenzen, Berufsorientierung, Finanzbildung, Bewerbungstraining und Praktika. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Pflichtschulabschluss: Von 989 abgelegten Teilprüfungen wurden 863 positiv abgeschlossen, was einer Erfolgsquote von 87 Prozent entspricht. Bei den ÖIF-Deutschprüfungen auf den Niveaus A1 bis B2 wurden 3.380 Prüfungsantritte verzeichnet, von denen 1.949 mit einem positiven Ergebnis abschlossen – eine Erfolgsquote von knapp 60 Prozent.
Wissenschaftliche Begleitung
Eine wissenschaftliche Begleituntersuchung der Wirtschaftsuniversität Wien ergab Verbesserungen sowohl im Kontakt zur deutschsprachigen Bevölkerung als auch im Wissen über die Anforderungen des Arbeitsmarkts. „Unsere Analyse zeigt, dass das Jugendcollege zentrale Voraussetzungen für den Übergang in den Arbeitsmarkt stärken konnte“, so Hauptautor Julian Kettl. „Intensive Bildungsprogramme wie das Jugendcollege bereiten insbesondere junge Geflüchtete mit niedrigem Bildungsniveau besonders effektiv auf den Arbeitsmarkt vor.“
Sozialstadtrat Peter Hacker betont: „Im Zuge ihrer Teilnahme am Jugendcollege haben viele junge Menschen ihre Kompetenzen ausgebaut, Selbstvertrauen gewonnen und nicht zuletzt ihre Deutschkenntnisse massiv verbessert. Damit haben sie deutlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Das stärkt nicht nur jede einzelne Perspektive, sondern bringt auch nachhaltigen gesellschaftlichen Mehrwert. Die Maßnahme, die Wien hier gemeinsam mit dem AMS setzt, hat Signalwirkung weit über unser Bundesland hinaus und gilt als Vorbild für erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt!“
Die Finanzierung des Jugendcolleges tragen das AMS Wien und die Stadt Wien gemeinsam. Für das College 25+ kommen darüber hinaus der Fonds Soziales Wien sowie der Europäische Sozialfonds als weitere Geldgeber hinzu.