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Arbeitskräftemangel

120.000 Arbeitskräfte fehlen: AMS-Chef setzt auf Flüchtlinge

120.000 Arbeitskräfte fehlen: AMS-Chef setzt auf Flüchtlinge
FOTO: iStock, wikimedia/BMF/Dunker
3 Min. Lesezeit |

120.000 fehlende Arbeitskräfte bis 2050 – und das Potenzial liegt längst im Land. AMS-Chef Kopf fordert ein radikales Umdenken.

Österreichs Arbeitsmarkt steht vor einer demografischen Herausforderung erheblichen Ausmaßes: Bis zum Jahr 2050 könnte dem Land laut AMS-Chef Johannes Kopf ein Fehlbestand von 120.000 Erwerbspersonen drohen. Eine Gruppe, deren Arbeitskräftepotenzial bislang kaum erschlossen wird, rückt dabei in den Fokus des AMS-Chefs: jene Flüchtlinge, die bereits in Österreich leben. Derzeit sind 40.000 von ihnen beim AMS registriert, mehr als ein Viertel davon unter 25 Jahre alt.

Dass gleichzeitig hohe Arbeitslosenzahlen und ein wachsender Fachkräftebedarf nebeneinander bestehen, erklärt Kopf gegenüber den Salzburger Nachrichten mit einem strukturellen Mismatch. Ende Juli waren beim AMS 79.770 offene Stellen gemeldet; insgesamt schätzt Kopf die Zahl unbesetzter Positionen auf rund 160.000. Erschwerend kommt hinzu, dass jede zweite beim AMS gemeldete arbeitssuchende Person lediglich einen Pflichtschulabschluss vorweisen kann und damit häufig nicht den Anforderungen der Betriebe entspricht.

Hinzu kommen ausgeprägte regionale Ungleichgewichte: Während offene Stellen sich vor allem in Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Teilen der Steiermark konzentrieren, leben besonders viele Arbeitssuchende in Wien.

Kopfs Kurswechsel

In einem Interview mit den Salzburger Nachrichten plädiert Kopf deshalb für einen grundlegenden Kurswechsel. Anstatt sich allein auf die Anwerbung qualifizierter Fachkräfte über die Rot-Weiß-Rot-Karte zu verlassen, müsse Österreich verstärkt in die Ausbildung jener Menschen investieren, die bereits im Land sind. Die Rot-Weiß-Rot-Karte wird in Österreich derzeit pro Jahr in rund 12.900 Fällen (inklusive EU-Blauer Karte) bewilligt – eine Zahl, die angesichts des prognostizierten Fehlbestands von 120.000 Erwerbspersonen die Grenzen dieses Instruments aufzeigt. „Wenn es uns gelänge, ausreichend viele und qualifizierte Arbeitskräfte, im Idealfall noch mit Deutschkenntnissen, nach Österreich zu bringen, würde ich sagen: Wunderbar, machen wir es so. Aber da das nicht der Fall ist, muss ich andere Potenziale nutzen“, sagt Kopf.

Gerade bei jungen Flüchtlingen ortet der AMS-Chef konkrete Chancen: „Trotzdem sollten wir die Jungen fördern, weil mindestens die Hälfte einen Lehrabschluss machen könnte.“ Auch im Umgang mit Zuwanderung insgesamt mahnt er zu einem anderen Blickwinkel. „Momentan teilen wir, Verzeihung, in gute Ausländer und in böse. Die einen sind die, die wir wollen und die wir nach Österreich holen, und die anderen sind die, die wir eigentlich nicht wollen und die müssen sich integrieren. Aber auf die Idee, dass es Arbeitskräfte sind, kommt niemand“, sagt der AMS-Chef den SN.

Qualifikation statt Zertifikat

Bei erwachsenen Flüchtlingen spricht sich Kopf dafür aus, die individuell vorhandenen Fähigkeiten stärker in den Vordergrund zu rücken, unabhängig davon, ob ein formaler Abschluss vorliegt. Als anschauliches Beispiel nennt er einen Flüchtling mit langjähriger Berufserfahrung als Mechaniker ohne entsprechendes Zertifikat. Kopf weiter: „Jemanden, der 15 Jahre in Syrien Autos repariert, aber keinen Zettel als Automechaniker hat, kann ich auch rasch zum Reifenumstecken vermitteln. Aber gescheiter wäre, wir bringen ihm Deutsch besser bei und führen ihn zum Lehrabschluss, dann ist er Automechaniker.“

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KO KOSMO-Redaktion
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