Shein wagt den Sprung aufs Börsenparkett – doch der Zeitpunkt könnte kaum heikler sein.
Shein plant seinen lange erwarteten Börsengang für September in Hongkong und strebt dabei Erlöse von bis zu 1,77 Milliarden US-Dollar an. Seit Montag läuft die Zeichnungsfrist für insgesamt 280 Millionen Aktien, wie aus dem veröffentlichten Börsenprospekt hervorgeht. Der Ausgabepreis je Papier wurde auf eine Spanne zwischen 47,60 und 49,50 Hongkong-Dollar festgelegt, was einem Gegenwert von rund fünf Euro entspricht.
Auf dieser Basis würde die Marktkapitalisierung des Fast-Fashion-Konzerns bei bis zu 26,81 Milliarden Dollar liegen – ein Wert, der noch vor vier Jahren um das Vierfache übertroffen wurde. Im April 2022 hatte Shein in einer Finanzierungsrunde eine Spitzenbewertung von rund 100 Milliarden US-Dollar erreicht und zählte damit zu den weltweit am höchsten bewerteten privaten Unternehmen. Die endgültige Festlegung des Ausgabepreises ist für den 31. August vorgesehen, der erste Handelstag soll der 1. September sein.
Ungünstige Vorzeichen
Das Unternehmen befindet sich zum Zeitpunkt des Börsengangs in einer Phase nachlassenden Wachstums. Das Umsatzwachstum hat sich verlangsamt, die Kerngewinne sind rückläufig, und die Margen stehen unter Druck. Beobachter sehen darin Anzeichen dafür, dass die aggressive Expansion des Konzerns durch gestiegene Handelskosten, zunehmende regulatorische Anforderungen und einen intensiveren Wettbewerb im globalen Online-Handel an Grenzen stoßen könnte.
Verlust im Quartal
Im jüngsten Quartal wies Shein einen Verlust von 99 Millionen Dollar aus. Ausschlaggebend dafür war der Wegfall einer US-Zollbefreiung für Kleinsendungen, die das Geschäftsmodell des Unternehmens bislang begünstigt hatte. Auch verschärfte EU-Zollregelungen für Pakete drücken auf die Bestellzahlen, und eine Sonderabschreibung von 328 Millionen Dollar im Zusammenhang mit einer Änderung der Bilanzierungsmethoden belastete das Ergebnis zusätzlich.