In Bosnien-Herzegowina haben schwere Unwetter und heftige Regenfälle am vergangenen Freitag zu verheerenden Überschwemmungen und Erdrutschen geführt. Besonders betroffen ist die Ortschaft Jablanica, die von einer massiven Schlammlawine begraben wurde. Den Behörden zufolge kamen mindestens 16 Menschen ums Leben, während weitere Personen als vermisst gemeldet sind.

Heftige Regenfälle verwandelten in Jablanica, etwa 70 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Sarajevo, kleine Bäche in reißende Ströme. Ganze Häuser wurden von den Fluten mitgerissen, und ganze Stadtteile standen komplett unter Wasser.
Laut Berichten von „Avaz“ kamen in Jablanica mindestens 17 Menschen ums Leben, während in Fojnica zwei Leichen, eine Frau und ein Mann, geborgen wurden. In Buturović Polje entdeckten die Rettungskräfte am Samstag eine weitere leblose Person, für die jedoch jede Hilfe zu spät kam.
Seit Freitag hat der starke Regen Bosnien-Herzegowina in den Ausnahmezustand versetzt. Landesweit wurden Städte durch die Wassermassen zerstört, und wichtige Verkehrsverbindungen, darunter Straßen und Brücken, sind vollständig blockiert. Insgesamt starben 18 Menschen durch das Unwetter, und es werden weitere Personen vermisst.
Untersuchungen zu illegalem Steinbruch im Fokus
Die Ursache der Tragödie scheint in einem illegal betriebenen Steinbruch oberhalb von Jablanica zu liegen. Lokale Medien bezeichnen ihn bereits als den „Steinbruch des Todes“. Anwohner sollen seit Jahren Beschwerden über die Gefahren des Abbaus geäußert haben – ohne dass seitens der Behörden Maßnahmen ergriffen wurden. Es wird vermutet, dass sich im Steinbruch ein Wassersee gebildet habe, dessen Damm schließlich brach und eine verheerende Lawine auslöste.
Auf die erhobenen Vorwürfe reagieren die Behörden nun mit einer umfassenden Untersuchung. Eine Sonderkommission wurde eingerichtet, um unter Aufsicht der Staatsanwaltschaft sämtliche Umstände des Vorfalls zu klären. Der Fokus liegt dabei auch auf der möglichen Verantwortung menschlichen Handlungsfehlers, insbesondere im Zusammenhang mit dem Betrieb des Steinbruchs. Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft haben sich bereits ein Bild vor Ort in den betroffenen Ortschaften Donja Jablanica und Konjic gemacht.
Regierung im Einsatz – Kosten für Wiederaufbau enorm
Marija Buhač, die Premierministerin des Kantons Herzegowina-Neretva, hat erklärt, dass keine Genehmigung für den Betrieb des Steinbruchs erteilt wurde, der eigentlich seit Jahren stillgelegt sein sollte. Dennoch sei der Betrieb offenbar illegal weitergeführt worden. Die Premierministerin fordert nun die lückenlose Aufklärung und hat alle relevanten Dokumente angefordert.
Die kantonale Regierung hat zudem eine Schadensbewertungskommission ins Leben gerufen, um die Kosten für die nötige Sanierung zu ermitteln. Priorität hat dabei die schnelle Hilfe für die betroffenen Anwohner sowie die Wiederherstellung der Straßenverbindung zwischen Mostar und Jablanica. Buhač betonte, dass die Kosten für den Wiederaufbau erheblich seien und die Unterstützung des Staates erforderlich machen werden.
Unterdessen setzen Rettungskräfte, mit Unterstützung aus den Nachbarländern Serbien, Kroatien und Slowenien, die Suche nach den Vermissten fort.