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Demokratieappell

Van der Bellen mahnt: „Puls unserer Heimat“ braucht aktive Demokratie-Verteidiger

Van der Bellen mahnt: „Puls unserer Heimat“ braucht aktive Demokratie-Verteidiger
FOTO: EPA-EFE/Dumitru Doru
3 Min. Lesezeit |

Zum Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung erinnert Van der Bellen an den „Geist der Lagerstraße“ und mahnt zur aktiven Verteidigung demokratischer Werte.

Der Bundespräsident beschwor anlässlich des Jahrestags der österreichischen Unabhängigkeitserklärung vom 27. April 1945 die Bedeutung des demokratischen Zusammenhalts. „Der Puls unserer Heimat schlug wieder“, erklärte Van der Bellen in seiner Ansprache und würdigte jene Menschen, die auch während der NS-Diktatur den Glauben an Freiheit, Unabhängigkeit und Demokratie bewahrten.

Dabei hob er besonders die Widerstandsgruppe O5 (österreichische Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus) sowie Persönlichkeiten wie die Sozialdemokratin Antonia Bruha und den Priester Heinrich Maier hervor.

Die Widerstandsgruppe O5 bestand aus einem breiten Netzwerk von Vertretern unterschiedlicher politischer Richtungen, die ab 1944 eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung der Wiedererrichtung der Republik spielten. Sie waren maßgeblich an der Kontaktaufnahme mit den Alliierten beteiligt und legten damit einen wichtigen Grundstein für das Nachkriegsösterreich.

Im Rahmen des Staatsakts, der vom ORF live übertragen wird, folgt auf die Rede des Bundespräsidenten die Festansprache des Historikers Christopher Clark. Neben Regierungsmitgliedern rundet ein Gespräch zwischen einer Schülerin und einem Zeitzeugen das offizielle Programm ab.

Geist der Lagerstraße

In seiner Rede erinnerte Van der Bellen an den „Geist der Lagerstraße“ – jene bemerkenswerte Versöhnung zwischen ehemals verfeindeten politischen Lagern wie Sozialdemokraten, Christlichsozialen und Kommunisten, die in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten zueinanderfanden. Der Bundespräsident betonte die bleibende Bedeutung des „manchmal in Verruf geratenen, guten alten Kompromisses“ und die Notwendigkeit gemeinsamer Lösungen auf Basis gegenseitigen Respekts als Grundpfeiler für den Erhalt von Demokratie und Freiheit.

Der Begriff „Geist der Lagerstraße“ beschreibt den in nationalsozialistischen Konzentrationslagern entstandenen parteiübergreifenden Zusammenhalt zwischen politischen Gegnern. Was in den dunklen Jahren der Gefangenschaft begann, diente nach 1945 als wichtiges Leitbild für die Zusammenarbeit der einst verfeindeten Parteien bei der Gründung der Zweiten Republik. Dieser historische Kompromiss ermöglichte einen Neuanfang jenseits der tiefen ideologischen Gräben der Ersten Republik.

Für die Gegenwart leitete Van der Bellen daraus die Mahnung ab, über bloßes Kommentieren hinauszugehen und „mit Taten für das Richtige einzustehen – auch wenn es nicht unbedingt große Erfolgschancen geben mag.“ Der österreichische Weg des Kompromisses habe dem Land letztlich Wohlstand und anhaltenden Frieden beschert. Diese Erfahrung sowie die europäische Integration gäben ihm Zuversicht, „dass es uns gelingen wird, auch die aktuell anstehenden Probleme zu bewältigen.“

Bablers Würdigung

Auch Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) hatte bereits am Vortag die historische Bedeutung des gesamtstaatlichen Schulterschlusses gewürdigt. „Die Errichtung der Republik und der Wiederaufbau Österreichs nach den Schrecken des NS-Terrorregimes wären ohne einen gesamtstaatlichen Schulterschluss und den großen Einsatz der Bevölkerung nicht möglich gewesen“, erklärte Babler. Er betonte die Notwendigkeit, einen starken Rechtsstaat, die Menschenrechte, den Respekt vor den Institutionen und ein solidarisches Miteinander täglich aufs Neue zu stärken.

„Wir treten Hass und Extremismus entgegen und stehen für eine offene, gerechte und vielfältige Gesellschaft“, so der Vizekanzler.

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KO KOSMO-Redaktion
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