Nach dem Verlust des Vaters geriet sein Leben aus den Fugen. Nun steht der 21-Jährige vor Gericht, weil er seine Mutter mit einem Fleischklopfer tötete.
Ein 21-Jähriger hat vor dem Landgericht Rottweil eingeräumt, seine Mutter mit einem Fleischklopfer getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft klagt ihn wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen an. Während seiner Aussage verlas der junge Mann ein selbst verfasstes Schreiben, wobei er mehrfach in Tränen ausbrach. Er schilderte, wie er am Tattag eine Mahlzeit zubereitet hatte, als seine Mutter von der Arbeit heimkehrte.
Nach Gesprächen über die prekäre finanzielle Situation der Familie habe er ihr gestanden, keine Ausbildungsstelle zu haben. Seine Mutter sei daraufhin wütend geworden, habe ihn angeschrien und ihm zwei Ohrfeigen gegeben. Daraufhin habe er zum Fleischklopfer gegriffen und zugeschlagen.
Später habe er die Leiche seiner Mutter zusammen mit ihrer Handtasche in eine Dachbox gelegt, ihr Gesicht mit einer Plastiktüte verdeckt und die Box ins Kellergeschoss transportiert. „Ich habe jeden verraten, belogen, getäuscht. Mein Leben ist zerstört. Ich wollte nicht lügen, dass sich die Balken biegen.“ Er habe den Tod seiner Mutter nicht beabsichtigt und sei von Angst und Panik überwältigt gewesen.
Finanzielle Misswirtschaft
Die Anklage beschuldigt den jungen Mann, seine 54-jährige Mutter im Jänner in Schramberg ermordet zu haben. Nach dem Ableben seines Vaters 2022 hatte der 21-Jährige die Finanzverwaltung der Familie übernommen und verfügte über eine Vollmacht. Als seine Mutter entdeckte, dass er sämtliche Gelder verschwendet und die Konten geleert hatte, soll er sie getötet haben.
Laut Staatsanwältin befanden sich auf dem Familienkonto nur noch wenige Euro, während die Kreditkarte mit mehreren tausend Euro überzogen war. Der Angeklagte sei angesichts drohender Lohnpfändungen wegen nicht bezahlter Mieten verärgert und wütend gewesen. Um zu verhindern, dass seine Lügen aufgedeckt würden, habe seine Mutter sterben müssen.
Die Frau verstarb infolge von Blutverlust nach mindestens zehn Schlägen gegen Kopf und Gesicht, wobei der Fleischklopfer durch die Wucht der Schläge zerbrach.
Persönlicher Abstieg
Der Angeklagte erklärte, er habe sich nach dem Tod seines Vaters 2022 grundlegend verändert. „Es war wie eine Spirale der Fehler nach dem Tod des Vaters.“ Er habe den Schulbesuch eingestellt, mehrere Ausbildungen begonnen und wieder abgebrochen. Viele Tage habe er im Bett verbracht und nur gelegentlich mit Freunden Videospiele gespielt.
„Ich habe jede Motivation verloren“, beschrieb er seinen damaligen Gemütszustand. Mit der Zeit sei das Geld immer knapper geworden. Er habe über seine Verhältnisse gelebt und Geld für Computer, Mobiltelefone und Streaming-Dienste ausgegeben. „Wie konnte es so weit kommen?“, frage er sich bis heute.
Die Leiche in der Autodachbox wurde bei der Durchsuchung des Mehrfamilienhauses entdeckt, in dem Mutter und Sohn gemeinsam wohnten. Die Polizei wurde alarmiert, nachdem die Frau nicht zur Arbeit erschienen war. Der Sohn wurde in der gemeinsamen Wohnung festgenommen.
Neben dem Mordvorwurf wird dem Angeklagten auch die Verbreitung und der Besitz kinder- und jugendpornografischer Dateien zur Last gelegt. Laut Staatsanwältin habe sich der Angeklagte für Jungen interessiert. Der junge Mann befindet sich seit dem 21. Jänner in Untersuchungshaft und gilt nach einem Sachverständigengutachten als schuldfähig.
Für den Prozess sind noch drei weitere Verhandlungstage angesetzt.
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