Österreichs Kindergärten suchen händeringend Personal – und ein neuer Vorschlag könnte die Lösung grundlegend verändern.
Der steigende Bedarf an Kindergartenplätzen und längeren Betreuungszeiten macht eine Kapazitätserweiterung in Österreichs Kinderbetreuungseinrichtungen unausweichlich. Dem stehen jedoch erhebliche Personalengpässe gegenüber, die eine rasche Umsetzung dieser Vorhaben erschweren. Als Reaktion darauf wurden zuletzt mehrere neue Ausbildungslehrgänge für Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen ins Leben gerufen. Die Regierung hat dafür 32 Millionen Euro bereitgestellt, um bis 2028/29 zusätzliche 4.000 Ausbildungsplätze zu schaffen – allerdings blieb der erhoffte Anstieg bei den Auszubildenden bisher aus.
Assistenzen aufwerten
Führende Kindergartenbetreiber plädieren allerdings für einen anderen Weg. Statt vorrangig auf die Ausbildung neuer Pädagoginnen und Pädagogen zu setzen, wäre es aus ihrer Sicht sinnvoller und finanziell nachhaltiger, die Kindergartenassistenzen gezielt aufzuwerten und deren Ausbildung bundesweit zu vereinheitlichen. Wie die APA berichtet, sind von den rund 71.000 in Kindergärten beschäftigten Personen etwa 56,5 Prozent ausgebildete Kindergartenpädagoginnen – der verbleibende Anteil entfällt auf Assistenzkräfte.
Die Trägerorganisationen fordern daher ein einheitliches, österreichweit gültiges Ausbildungsmodell für Assistenzen sowie die Einführung eines klar definierten neuen Berufsbildes. Darüber hinaus sollen diese Fachkräfte künftig von hauswirtschaftlichen Aufgaben wie Reinigung und Küchendienst freigestellt werden.
„Leute, die putzen und Essen verteilen, finde ich leichter als Leute, die mit den Kindern arbeiten können“, sagte Hilfswerk-Österreich-Vizegeschäftsführer Roland Wallner. Reinigungspersonal könnten etwa die Gemeinden bereitstellen, wie sie es schon jetzt an Pflichtschulen tun.
Duales Ausbildungsmodell
Als konkretes Modell schlagen die Trägerorganisationen eine duale Ausbildungsschiene vor, die sowohl zur Tätigkeit als Tagesmutter oder Tagesvater als auch zur Kindergartenassistenz qualifiziert. Der ausgearbeitete Vorschlag sieht eine praxisnahe Ausbildung mit verbindlichen Theorie- und Praxisanteilen vor, die bestehende Qualitätsstandards nicht unterschreitet und – je nach Ausgestaltung – innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden kann.
Ergänzend dazu soll ein eigenes Modell für Quereinsteiger geschaffen werden, wie Hilfswerk-Fachreferentin Isabella Ecker erläuterte.