Flamingos als Funke, Korruption als Treibstoff: Albanien erlebt eine Protestwelle, die das Land in seinen Grundfesten erschüttert.
Zum wiederholten Mal sind in Albanien Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen ein geplantes Luxusresort zu demonstrieren, das Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, im Land errichten will. Die sogenannten „Flamingo-Proteste“ hatten ihren Ursprung in einer Umweltbewegung, die sich gegen den Bau des Ferienresorts im Naturschutzgebiet Zvernec an der albanischen Südwestküste richtet – einem Gebiet, das als wichtiges Bruthabitat für Flamingos gilt.
Der Bau des Luxusresorts im Naturschutzgebiet Vjosa-Narta war bis zu einer Gesetzesänderung durch die Regierung von Ministerpräsident Edi Rama im Jahr 2024 ausdrücklich verboten – erst die Verwässerung des Naturschutzgesetzes ermöglicht die touristische Erschließung des Vjosa-Deltas für Projekte wie das Kushner-Resort. Rama selbst erklärt in öffentlichen Stellungnahmen, dass für das Luxusresort noch keine Baugenehmigung vorliege, obwohl Ende Mai bereits Baumaschinen auf dem vorgesehenen Gelände aufgefahren sind und Zäune mit Stacheldraht rund um das Baugelände errichtet wurden.
Inzwischen haben sich die Kundgebungen, die täglich stattfinden, zu einer breiteren politischen Bewegung ausgeweitet: Die Demonstrierenden prangern Korruption an und fordern den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama. Auf Transparenten war die Botschaft „Albanien steht nicht zum Verkauf“ zu lesen, während Teile der Menge „Lasst die Männer frei“ skandierten – ein Verweis auf 19 Demonstranten, die nach Ausschreitungen am Donnerstag festgenommen worden waren und sich zum Zeitpunkt der Proteste noch immer in Polizeigewahrsam befanden.
Eskalation in Tirana
Bereits am Donnerstag hatten sich Demonstrierende zum zweiten Mal innerhalb einer Woche vor dem Parlament in Tirana versammelt, mit dem erklärten Ziel, den Abgeordneten den Zugang zum Gebäude zu versperren. Die Lage eskalierte: Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, während aus den Reihen der Demonstranten Eier, Steine und andere Gegenstände geworfen wurden und Versuche unternommen wurden, die Polizeiketten zu durchbrechen.
Nach Angaben der Behörden wurden dabei 15 Polizisten verletzt und 25 Personen festgenommen.
Die Kundgebung in der Hauptstadt war laut AFP die bislang größte seit dem Beginn der Proteste Ende Mai.