Tritte, Schläge, Rudelbildungen – das WM-Achtelfinale zwischen Frankreich und Paraguay hatte wenig mit Fußball gemein.
Ilgiz Tantashev hat sich mit seiner Pfeife im WM-Achtelfinale zwischen Frankreich und Paraguay keinen Gefallen getan. Der mühsam erkämpfte 1:0-Sieg der Équipe Tricolore war arm an Torchancen, reich an harten Zweikämpfen und gespickt mit Aktionen, die weit jenseits der Grenze des Erlaubten lagen. Tritte, Schläge, Rudelbildungen – Paraguay fiel über weite Strecken durch gezielte Provokationen auf. MagentaTV-Kommentator Wolff-Christoph Fuss fand dafür ein treffendes Bild: Das Spiel erinnerte ihn an eine „Kneipenschlägerei“.
Look at the Paraguayan hitting Kylian Mbappe right in front of the ref and not even a yellow card issued. Nah! FIFA IS FAACKING BIASED AND WAS ON A MISSION TO ELIMINATE FRANCE FOR WHATEVER REASON. This is ridiculous pic.twitter.com/WLTJPvVPUu
— GBEMISOLA CFC💙 (@QUEENOFDBLUES1) July 5, 2026
Der Aufreger schlechthin ereignete sich in der 39. Minute. Paraguays Matias Galarza schlug Kylian Mbappé abseits des Balls an die Schulter – eine Aktion, die Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich bei MagentaTV unmissverständlich einordnete: „Es ist ein astreiner Schlag. Er hat nichts anderes vor, als den Spieler zu schlagen.“ Tantashev ließ die Szene ungeahndet – für Ittrich ein klarer Beleg für den „Kontrollverlust“ des Unparteiischen. Dass ausgerechnet Galarza nach dem WM-Aus in der Interviewzone in Tränen ausbrach, dürfte auf französischer Seite auf wenig Mitgefühl gestoßen sein. Trainer Gustavo Alfaro sah das Auftreten seiner Mannschaft derweil als Programm: „Unsere Haltung ist es, auf dem Platz wie Löwen zu kämpfen.“
This is one of the worst things I’ve ever seen.
— Gain of Fauci (@DschlopesIsBack) July 5, 2026
Mbappe could have lost his entire career and maybe even his life from this savage and brutal light kick against his shin guard. pic.twitter.com/bSFdl5XI2i
Tantashevs Kontrollverlust
Ittrichs Gesamturteil über Tantashev fiel vernichtend aus: „Die Spieler aus Paraguay sind sehr forcierend in Richtung Unsportlichkeiten. Der Schiedsrichter hat viel, viel zu lange alles schleifen lassen. In Sachen Gelbe Karten und Rote Karten war der Schiri in diesem Spiel überfordert. Das war die schlechteste Leistung bei dieser WM.“ Und weiter: Im Fußball werde stets Respekt eingefordert – „Respekt vor dem Spiel, Respekt vor dem Gegner, Respekt vor dem Schiedsrichter. Das ist alles nicht gegeben bei Paraguay.“
Looks like these defenders came to purposely provoke Mbappe yet he keeps laughing 😭 pic.twitter.com/IasuAnYbov
— Miss ADEL🦋🦚🌹 (@a_derll) July 5, 2026
Tantashev blieb seiner nachsichtigen Linie über 90 Minuten treu. Ein Nachtreten gegen das Schienbein, ein Ellenbogencheck gegen Dayot Upamecano in die Magengrube – der Referee ließ weiterlaufen. Beide Szenen wären zumindest mit Gelb zu ahnden gewesen, eine Rote Karte wäre ebenfalls vertretbar gewesen. Selbst das klare Foul an Desire Doue im Strafraum erkannte Tantashev erst nach Eingriff des VAR als Elfmeter an. Ittrich vermutete, der Kontakt könnte aus Sicht des Video-Assistenten zunächst als zu gering eingestuft worden sein – und stellte klar: „Er touchiert ihn nur. Regeltechnisch ist das egal. Auch eine versuchte Tätlichkeit ist eine Tätlichkeit.“
Frankreichs Reaktion
Frankreichs Trainer Didier Deschamps ließ nach dem Abpfiff Dampf ab: „Wir haben drei Gelbe Karten bekommen, die anderen haben endlos gefoult. Jede Mannschaft spielt so, wie sie es für richtig hält, wobei ich auf einige Beleidigungen der Gegenseite hätte verzichten können.“ Rayan Cherki fand noch knappere Worte: „Wie viele Fouls gab es, 30, 40? Wie viele Gelbe Karten gab es? Dazu habe ich nichts mehr zu sagen.“ Die offizielle Spielstatistik verzeichnete insgesamt 27 Fouls – 20 von Paraguay, 7 von Frankreich. Bei den Karten zeigte Tantashev insgesamt 9 Gelbe Karten: 7 für Paraguay und 2 für Frankreich. Rote Karten blieben aus. Ittrich pflichtete bei: „Dass Paraguay ohne Gelbe Karte aus diesem Spiel herausgeht, ist unfassbar.“
Mbappé, dem selbst die eine oder andere Gelbe Karte hätte blühen können, wählte eine Sprache, die wenig Interpretationsspielraum ließ: „Wenn wir unsere Hände in die Scheiße stecken müssen, werden wir unsere Hände in die Scheiße stecken. Wir haben kein Problem damit. Sie dachten, dass wir kommen würden, um im Smoking zu spielen, dass wir nur kommen würden, um schöne Aktionen zu machen. Wir wissen auch, wie man schmutzigen Fußball spielt.“
Am 9. Juli um 22 Uhr wartet im Viertelfinale Marokko auf die Franzosen.