Ein Drama in der Hitze von Monterrey: Marokko schockt Europa erneut – und schreibt weiter an seiner WM-Geschichte.
Marokko marschiert weiter. Die Nordafrikaner haben die Niederlande aus dem Turnier geworfen – nach einem nervenaufreibenden Elfmeterschießen, das die Europäer mit 2:3 verloren. Das Endergebnis nach Verlängerung lautete 1:1, nach regulärer Spielzeit ebenfalls 1:1, nach der ersten Hälfte 0:0. Damit scheidet mit Oranje eine weitere europäische Topnation frühzeitig aus – nach Deutschland das nächste große Ausrufezeichen dieses Turniers.
Den entscheidenden Elfmeter verwandelte Ismael Saibari. Vor 51.243 Zuschauern im mexikanischen Monterrey sicherte er Marokko den Einzug ins Achtelfinale. Die Niederländer hatten das Spiel schon so gut wie gewonnen geglaubt: In der 72. Minute brachte Cody Gakpo sein Team in Führung. Der Liverpool-Angreifer, der kurz zuvor den Tod seines ungeborenen Sohnes verkraften musste, zeigte nach seinem Treffer sichtlich bewegte Reaktionen – seine Teamkollegen eilten sofort zu ihm.
Gakpos persönliches Drama
Nationaltrainer Ronald Koeman hatte sein Team nach einer überzeugenden Vorrunde taktisch umgebaut und auf ein 3-5-2-System umgestellt. Trotz dieser Anpassungen fand Oranje nie wirklich in die Spur. Koeman sprach nach dem Spiel mit großem Respekt über Gakpos Entscheidung, trotz seines persönlichen Schicksalsschlags beim Turnier zu bleiben: „Es war eine sehr traurige Nachricht. Wir haben das getan, was in unserer Macht stand, um ihn zu unterstützen.“ Und weiter: „Das zeigt, was ihm die Elftal bedeutet.“
In der Hitze von Monterrey dominierten die Niederländer zwar den Ballbesitz, doch die klareren Torchancen im ersten Durchgang gehörten den Marokkanern. Neil El Aynaoui und Achraf Hakimi scheiterten jeweils an Bart Verbruggen, der im niederländischen Tor einen starken Auftritt zeigte. Marokko war das aktivere, gefährlichere Team – wie bereits beim WM-Auftakt gegen Brasilien, als die Nordafrikaner beim 1:1 überzeugt hatten.
Elfmeter-Drama in Monterrey
Die Elftal stand defensiv kompakt und nutzte 18 Minuten vor Schluss ihre Chance: Crysencio Summerville legte auf Gakpo ab, der abzog und traf. Doch Marokko steckte nicht zurück. Diop erzwang in der Nachspielzeit mit seinem Ausgleichstreffer die Verlängerung. Auch dort blieben die Nordafrikaner das drängendere Team – Verbruggen musste gegen Soufiane Rahimi glänzend parieren, um das Elfmeterschießen überhaupt zu ermöglichen.
Im Shootout selbst trafen die Niederländer dreimal Aluminium. Das war zu viel. Saibari verwandelte den letzten Elfmeter, und Marokko jubelte.
Vor vier Jahren hatten die Nordafrikaner als erstes afrikanisches Team überhaupt ein WM-Halbfinale erreicht. Im Achtelfinale treffen sie nun am Samstag, dem 04.07.2026, im NRG Stadium in Houston auf Kanada.