Eine Stimme der kroatischen Literatur ist verstummt – und hinterlässt ein Werk, das weit über Grenzen hinaus wirkte.
Der kroatische Schriftsteller Slobodan Šnajder ist im Alter von 78 Jahren verstorben. Seine Tochter bestätigte die Nachricht auf seiner Facebook-Seite.
„Mit gebrochenem Herzen teile ich mit, dass mein Vater, hier allen als Šac bekannt, gestern verstorben ist“, schrieb seine Tochter Tena in ihrem Abschiedspost. Er habe sich um Beiträge bemüht, sich über Kommentare gefreut und viele seiner Follower nicht als bloße Leser, sondern als Freunde betrachtet.
Frühe Karriere
Slobodan Snajder wurde am 8. Juli 1948 in Zagreb geboren. An der dortigen Philosophischen Fakultät studierte er Philosophie und Anglistik. Als Mitinitiator der Theaterzeitschrift „Prolog“ und deren langjähriger Chefredakteur prägte er bereits früh die kroatische Theater- und Kulturlandschaft.
Seit den 1960er-Jahren veröffentlichte er Dramen, Essays und Prosatexte. Zu seinen bekanntesten Bühnenwerken zählen „Kamov, smrtopis“, das 1978 am Zagreber Nationaltheater uraufgeführt wurde, sowie „Hrvatski Faust“, dessen Uraufführung 1982 beim Spliter Sommer stattfand. „Hrvatski Faust“ wurde 1982 beim Spliter Sommer uraufgeführt und entwickelte sich später auch international zu einem seiner bekanntesten Stücke. 1987 inszenierte Roberto Ciulli das Werk am Theater an der Ruhr, 1993 folgte eine Inszenierung von Hans Hollmann am Wiener Burgtheater.
Spätes Schaffen
In seiner späteren Schaffensphase wandte sich Snajder verstärkt dem Roman zu. Sein 2015 erschienener Roman „Doba mjedi“ erzählt anhand einer Familiengeschichte von Krieg, Migration und dem Schicksal der Volksdeutschen in Slawonien. Das Werk wurde mit mehreren bedeutenden Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter 2016 mit dem Meša-Selimović-Preis.
2023 folgte mit ‚Anđeo nestajanja‘ sein dritter Roman, der die Geschichte Zagrebs durch weite Teile des 20. Jahrhunderts erzählt und dabei insbesondere die Kriegs- und Nachkriegszeit in den Blick nimmt.
Neben seinem literarischen Werk verfasste Snajder regelmäßig Zeitungskolumnen und Essays.