Mehr Bewerber als Stellen – Wiens Schulen erleben eine Premiere. Doch nicht überall kehrt Aufbruchsstimmung ein.
Zum Start des neuen Schuljahres in Wien zeichnet sich im Bereich der Lehrerversorgung eine unerwartete Trendwende ab: Erstmals seit Jahren übersteigt die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber für Lehramtsstellen die Zahl der tatsächlich offenen Positionen. Gleichzeitig hält die Kritik an der Personalsituation in den städtischen Kindergärten unvermindert an.
Mit dem Schulstart am Montag werden rund 19.000 Taferlklassler in Wien eingeschult. Dass sich mehr Lehrkräfte beworben haben als Stellen zu vergeben sind, wertet Bildungsstadträtin Bettina Emmerling von den NEOS als deutliches Signal: Der Lehrerberuf sei wieder attraktiver geworden, vermutet Emmerling. Die Rekrutierung neuer Lehrkräfte werde darüber hinaus laufend fortgesetzt.
Neue Deutschförderung
Die Stadt Wien setzt auch bei der Deutschförderung auf neue Impulse. Durch den Ausbau entsprechender Förderprogramme sowie das Ende des Familiennachzugs erwartet man eine Reduktion der Zahl außerordentlicher Schülerinnen und Schüler, also jener Kinder, die dem Unterricht aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse nicht vollständig folgen können. Konkrete Zahlen sollen nach dem offiziellen Schulbeginn vorliegen. Geplant sind unter anderem verpflichtende Deutschkurse sowie gezielte Unterstützungsmaßnahmen für besonders belastete Schulstandorte.
Kritik am Kindergarten
Deutlich weniger optimistisch fällt die Bilanz im Kindergartenbereich aus. Die younion-Kindergartengewerkschaft übt scharfe Kritik an der aktuellen Personalsituation. Schon jetzt fehlen 900 Pädagogen in den städtischen Bildungseinrichtungen, kritisiert Vorsitzender Manfred Obermüller, der neben mehr Personal auch eine leistungsgerechte Entlohnung einfordert.
ÖVP-Bildungssprecher Harald Zierfuß schlägt in dieselbe Kerbe: Nach wie vor funktioniere die Deutschförderung in Wiens Kindergärten überhaupt nicht, so Zierfuß. Die Grünen wiederum vermissen ausreichende Unterstützung für Kinder mit Behinderung. Die Bildungssprecher Julia Malle und Felix Stadler halten fest: Die Probleme an Wiens Schulen und Kindergärten würden schlicht zu mutlos angegangen.