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40 Patienten klagen

Chemotherapie elf Jahre lang umsonst – Frau hatte nie Krebs

Chemotherapie elf Jahre lang umsonst – Frau hatte nie Krebs
FOTO: iStock
3 Min. Lesezeit |

Elf Jahre Chemotherapie – für eine Krankheit, die nie existierte. Ein britischer Arzt und ein System, das versagte.

Becky Jones ist 34 Jahre alt – und hat elf davon damit verbracht, eine Krankheit zu bekämpfen, die sie nie hatte. Statt an einem unheilbaren Hirntumor litt sie an einer entzündlichen Gehirnerkrankung, die mit Steroiden behandelbar gewesen wäre. Was folgte, war eine der erschütterndsten Fehldiagnosen der jüngeren britischen Medizingeschichte.

Als Jones 21 Jahre alt war, stellte Professor Ian Brown am University Hospitals Coventry and Warwickshire NHS Trust in Coventry die Diagnose: Glioblastom Grad vier – eine der aggressivsten Formen von Hirnkrebs, in der Regel mit wenigen Monaten Überlebenszeit. Die Diagnose fiel, noch bevor die Ergebnisse der Biopsie überhaupt vorlagen. Auf dieser Grundlage wurde Jones mit dem Chemotherapeutikum Temozolomid behandelt – einem Präparat, das laut medizinischen Leitlinien für maximal sechs Monate verschrieben werden sollte. Jones nahm es elf Jahre lang.

Falsche Diagnose

„Man sagte mir immer wieder, ohne die Chemotherapie würde ich sterben“, schilderte sie später. Die Behandlung bestimmte ihr gesamtes Erwachsenenleben: körperliche Einschränkungen, soziale Isolation, familiäre Einbußen. Ein Leben im Schatten einer Diagnose, die schlicht falsch war.

Im Mai 2025 erfuhr Jones von unabhängigen Fachleuten die Wahrheit: Sie hatte nie Krebs. Was tatsächlich vorlag, war eine sogenannte tumeföse Demyelinisierung – eine entzündliche Erkrankung des Gehirns, die auf Steroide anspricht. „Ich hatte nie einen Hirntumor. Ich wurde falsch diagnostiziert und habe den Großteil meines Erwachsenenlebens diese Behandlung durchgemacht – völlig grundlos“, sagte Jones.

Systemisches Versagen

Jones ist mit ihrem Schicksal nicht allein. Mehr als 40 weitere Patienten, die ebenfalls unter der Behandlung durch Professor Brown standen, haben inzwischen rechtliche Schritte gegen den NHS Trust eingeleitet. Der University Hospitals Coventry and Warwickshire NHS Trust hatte das Royal College of Physicians mit einer unabhängigen Überprüfung einer repräsentativen Gruppe von Patienten beauftragt, die zwischen 2017 und 2023 mehr als zwölf Zyklen Temozolomid erhielten. Nach eigenen Angaben hat der Trust alle Betroffenen mit Temozolomid-Therapie Ende 2023 überprüft und kontaktiert.

Die Untersuchung des Royal College of Physicians kam zu einem vernichtenden Urteil: Das Versagen des medizinischen Personals sei eklatant gewesen, Medikamente seien ohne ausreichende klinische Grundlage verabreicht worden. Die Prüfer sprachen von einem „Verrat am Vertrauen der Patienten“. Inzwischen hat der NHS Trust eingeräumt, dass im Zusammenhang mit der langjährigen Temozolomid-Behandlung von Patienten unter der Verantwortung von Professor Ian Brown eine Haftung besteht.

Fiona Tinsley, die Anwältin von Jones, war bei der Bekanntgabe der Ergebnisse selbst zu Tränen gerührt. „Als wir es erfuhren, hatten alle Tränen in den Augen“, sagte sie. Jones selbst stellt nicht nur die Fehler des einzelnen Arztes in den Mittelpunkt ihrer Kritik: „Es geht nicht nur darum, was er getan hat, sondern auch darum, wie man ihn so lange allein hat handeln lassen.“

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KO KOSMO-Redaktion
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