5.000 Tickets weg, Politiker in Aufruhr – ein Konzert in Frankfurt bringt eine Partei in eine heikle Zwickmühle.
Der kroatische Musiker Marko Perkovic, der unter seinem Künstlernamen Thompson bekannt ist, wird im November in der Frankfurter Jahrhunderthalle auftreten. Das Konzert, für das knapp 5.000 Karten rasch vergriffen waren, hat in politischen Kreisen der Stadt für erhebliche Diskussionen gesorgt. Hintergrund der Aufregung ist die Verwendung rechtsextremer Symbole in Perkovics Liedern, darunter der Ustascha-Gruß „Za dom spremni“ (kroatisch für „Für die Heimat bereit“), der das Konzert ins Visier der Öffentlichkeit gerückt hat.
CDU-Kehrtwende
Zunächst hatte die Frankfurter CDU unmissverständlich die Absage des Auftritts verlangt. CDU-Stadtverordneter Christian Becker verwies auf die „nationalistische und faschistische Symbolik“ bei Thompsons Auftritten und sprach von einem „völlig falschen Signal“. Alle rechtlich möglichen Schritte zur Verhinderung des Konzerts sollten aus seiner Sicht ausgeschöpft werden.
Rechtlich ist ein Verbot allerdings schwer durchsetzbar: Der Gruß „Za dom spremni“ und Ustascha-Symbole sind in Deutschland derzeit nicht ausdrücklich verboten, da sie nicht zu den in § 86a StGB genannten Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gehören. Ein Verbot greift nur bei Symbolen, die direkt einer in Deutschland verbotenen Organisation zugeordnet werden können. Ob der Ustascha-Gruß dem Hitlergruß gleichzustellen ist, wurde von deutschen Gerichten bisher nicht entschieden.
Wenig später vollzog die Partei jedoch eine bemerkenswerte Kehrtwende: CDU-Stadtverordnete Anita Akmadza erklärte nach einem Gespräch mit dem Veranstalter, sie sehe „keinen tragfähigen Grund für eine Absage des Konzerts“. Dieser Sinneswandel löste in Frankfurt am Main Verwirrung aus und warf Fragen nach den Beweggründen auf.
Kroatische Diaspora
Als mögliche Erklärung für den Kurswechsel gelten die engen Verbindungen der Frankfurter CDU zur kroatischen Diaspora in Deutschland. In Frankfurt lebten Ende 2024 insgesamt 15.280 kroatische Staatsangehörige – eine Größenordnung, die die Community zu einer politisch relevanten Gruppe macht. Der Konzertveranstalter, die Agentur Martinovic, steht mit der „Hrvatska Noć“ in Zusammenhang – einer Großveranstaltung für die kroatische Gemeinschaft, an der prominente CDU-Politiker in der Vergangenheit bereits teilgenommen haben.
Uwe Becker, der Antisemitismusbeauftragte Hessens, räumte ein, dass Thompsons Person innerhalb der kroatischen Community unterschiedlich bewertet werde, betonte jedoch zugleich, dass er „Anklänge von Extremismus und der Verherrlichung des Faschismus“ erwarte und damit eine klare Distanzierung von faschistischer Ideologie einfordere.