Österreichische Banken begleiten Milliardenfinanzierungen, eine Wiener Kanzlei arbeitet an Übernahmen mit, ANDRITZ liefert Kraftwerkstechnik. Nach der Wahlniederlage des Vučić-Lagers stellt sich die Frage, wie diese Beziehungen weitergehen. Eine Auswertung öffentlicher Unterlagen zeigt, welche Partner dabei konkrete Bedeutung haben und weshalb auch die Community in Österreich Teil der Geschäftsstrategie ist.
Politische Mehrheiten können sich an einem Wahltag verändern. Wirtschaftliche Verpflichtungen reichen oft wesentlich weiter. Bei Telekom Srbija laufen einzelne Anleiheteile bis 2036. Kraftwerkstechnik soll über Jahrzehnte Strom erzeugen. Mobilfunk- und Fernsehangebote verbinden Menschen in Österreich mit ihrer Herkunftsregion.
Die österreichischen Verbindungen
Hinter diesen Geschäften stehen unterschiedliche Aufgaben: Banken bringen Unternehmen und Investoren zusammen. Kanzleien strukturieren Verträge. Industriebetriebe liefern Maschinen. Telekomunternehmen stellen Netze und Dienste bereit.
Der Wahlausgang allein entscheidet deshalb noch nicht über einen Lieferauftrag oder eine Finanzierung. Relevant wird, welche Unternehmensentscheidungen folgen, ob sich Ansprechpartner ändern und welche Prioritäten neue Verantwortliche setzen.
Die veröffentlichten Unterlagen erlauben dabei einen genaueren Blick als politische Nähebehauptungen. Sie zeigen konkrete Mandate, Eigentümer und Vertragsstrukturen. Beim österreichischen Bankgeschäft mit Addiko lässt sich sogar nachrechnen, welches Gewicht ein serbischer Partner im veröffentlichten Annahmeergebnis hatte.
Wem Telekom gehört
Ein Ausgangspunkt ist Telekom Srbija. Der Konzern gehört mehrheitlich dem serbischen Staat. Die veröffentlichte Eigentümerstruktur weist 58,11 Prozent für die Republik Serbien aus. Weitere 20 Prozent sind eigene Aktien des Unternehmens. Bürger halten 14,95 Prozent, Beschäftigte und ehemalige Beschäftigte 6,94 Prozent.
Die staatliche Mehrheit ist kein persönliches Eigentum Aleksandar Vučićs. Sie eröffnet Einfluss auf Unternehmensorgane: Die Hauptversammlung entscheidet über die Zusammensetzung des Aufsichtsrats. Dieser kontrolliert die Unternehmensführung und bestimmt aus dem Kreis der sieben Exekutivdirektoren den Generaldirektor.
Auf der Unternehmenswebsite werden zum Recherchestand weiterhin Vladimir Lučić als Generaldirektor und Milan Božić als Aufsichtsratsvorsitzender geführt. Lučić bekleidet seine Funktion seit Dezember 2020. Diese Angaben nehmen mögliche Personalentscheidungen nach der Wahl nicht vorweg.
Für internationale Partner zählen die tatsächlichen Beschlüsse der zuständigen Organe. Ein politischer Umbruch und ein Wechsel der Unternehmensführung sind getrennte Vorgänge.
Milliarden mit Laufzeit
Erste Group und Raiffeisen Bank International gehörten im Oktober 2024 zum führenden Bankenkonsortium einer Telekom-Srbija-Anleihe über 900 Millionen US-Dollar. Weitere Beteiligte waren BNP Paribas, Bank of America, Deutsche Bank, MUFG und UniCredit.
Telekom erklärte damals, mit dem Erlös bestehende Schulden refinanzieren zu wollen. Im Mai 2026 folgte eine weitere Anleihetransaktion über umgerechnet rund 1,95 Milliarden Euro. RBI wurde erneut unter den organisierenden Banken genannt, gemeinsam mit acht weiteren internationalen Instituten.
Erste erscheint in der veröffentlichten Konsortialliste dieser zweiten Transaktion nicht. Daraus allein lässt sich kein Rückzug aus anderen Geschäftsbeziehungen ableiten.
Die am 18. Mai 2026 ausgegebene Finanzierung bestand aus drei Teilen:
| Volumen | Jährlicher Zinskupon | Fälligkeit |
|---|---|---|
| 1,35 Milliarden US-Dollar | 7,25 Prozent | 2031 |
| 500 Millionen Euro | 6,75 Prozent | 2033 |
| 300 Millionen Euro | 7,125 Prozent | 2036 |
Als Zweck wurden die Refinanzierung bestehender Schulden und längere Finanzierungslaufzeiten genannt. Eine mögliche neue Unternehmensführung übernimmt somit Verantwortung für bereits vereinbarte Verpflichtungen.
Die Milliardenbeträge sind nicht mit dem eigenen Risiko österreichischer Banken gleichzusetzen. Organisierende Institute begleiten die Platzierung bei Investoren. Welche Anleihebestände oder anderen Forderungen sie später selbst halten, geht aus den Konsortiallisten nicht hervor. Refinanzierungen dürfen außerdem nicht einfach als zusätzliche Verschuldung zusammengerechnet werden.
Die Personen dahinter
Die veröffentlichten Beratungsmandate machen weitere Verbindungen nachvollziehbar. Bei der Anleihe von 2024 leitete Radivoje Petrikić, Partner bei CMS in Wien und Managing Partner von CMS Belgrad, gemeinsam mit der Finanzrechtsexpertin Milica Popović die lokale Beratung des Bankenkonsortiums.
CMS unterstützte die Banken bei serbischen Rechtsfragen. Die internationale Beratung übernahm King & Spalding. Telekom Srbija wurde auf Unternehmensseite von Gecić Law und Clifford Chance begleitet.
Bei der Finanzierung von 2026 führten Bogdan Gecić und Miloš Petaković das Team von Gecić Law. Internationale Unternehmensberaterin war Cadwalader, Wickersham & Taft. King & Spalding beriet erneut die Banken.
Diese Rollen erklären, wer welche Seite unterstützte. Zu den veröffentlichten Aufgaben gehörten Vertragsstrukturierung, Unternehmensbeschlüsse, Offenlegungsfragen und Rechtsgutachten.
Auch A1 griff auf dieses regionale Fachwissen zurück. CMS betreute 2023 die serbischen Aspekte der Ausgliederung des A1-Funkmastgeschäfts in EuroTeleSites. Das gesamte Portfolio umfasste rund 12.900 Standorte in sechs Ländern, darunter Österreich und Serbien. Das Team wurde von Petrikić und Marija Tešić geleitet.
Wiederkehrende Berater zeigen einen spezialisierten Markt. Eine politische Verbindung oder ein Interessenkonflikt ergibt sich daraus nicht.
Fernsehen als Geschäft
Eine weitere österreichische Beteiligung betrifft den Erwerb von TV-Geschäften und Sportrechten durch Telekom Srbija im Jahr 2025. Das Kanzleinetzwerk TerraLex nennt die Wiener Kanzlei Fellner Wratzfeld & Partner als Mitwirkende. Federführend war Gecić Law; beteiligt war außerdem unter anderem LALIVE.
Das vereinbarte Paket umfasste NetTV Plus, Satelliten-TV-Geschäfte in Serbien und Nordmazedonien sowie bestimmte Sport-Klub-Rechte und weitere Vermögenswerte für Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Nordmazedonien.
Die häufig genannte Summe von 1,5 Milliarden Euro bezeichnet den gemeinsamen Unternehmenswert mehrerer Verkäufe durch United Group. Dazu gehörte SBB, das an e& PPF Telecom ging. Der Betrag ist somit kein veröffentlichter alleiniger Kaufpreis des Telekom-Pakets.
United Group bestätigte am 2. April 2025 den Abschluss der Verkäufe von SBB, NetTV Plus und den betreffenden Sportrechten. Der Verkäufer erklärte zugleich, seine wesentlichen Medienangebote in Serbien weiterhin zu besitzen und zu betreiben.
Welchen rechtlichen Teil des Telekom-Erwerbs Fellner Wratzfeld & Partner betreute, erläutert die veröffentlichte Mandatsbeschreibung nicht im Detail.
Die Community als Markt
Warum der Konzern in Fernsehangebote investiert, erklärt eine veröffentlichte Aussage seiner Strategie- und Digitalverantwortlichen Natali Delić. In einer Kundenfallstudie des Softwareunternehmens SAS beschreibt sie die weltweit verstreute Diaspora aus dem ehemaligen Jugoslawien ausdrücklich als wirtschaftliche Chance.
Ihr dort dargestellter Gedanke: Menschen im Ausland suchen Inhalte, die sie mit ihrer Herkunftsregion verbinden. Daraus ergeben sich Möglichkeiten für Wachstum außerhalb der Heimatmärkte.
Die Community ist damit ausdrücklich Teil einer internationalen Geschäftsstrategie. Das erklärt die wirtschaftliche Verbindung zwischen Fernsehinhalten, Auslandsangeboten und Vertrieb. Die SAS-Veröffentlichung ist eine kommerzielle Kundenfallstudie, kein unabhängig geführtes Interview.
In Österreich wird die Strategie durch MTEL Austria konkret. Das Unternehmen bietet Mobilfunk, Internet und Fernsehen an. Es gehört über MTEL Global zur Telekom-Srbija-Gruppe. Die veröffentlichte Struktur von MTEL Global weist 59 Prozent für Telekom Srbija und 41 Prozent für m:tel Banja Luka aus.
MTEL nutzt das österreichische A1-Mobilfunknetz. In der Leistungsbeschreibung vom 17. Oktober 2025 für „Surf & Stream“ bezeichnet sich MTEL außerdem als Wiederverkäufer eines A1-DSL-Produkts.
Während A1 und Telekom Srbija in Serbien konkurrieren, arbeiten sie über die österreichische MTEL-Gesellschaft auf einer anderen Ebene zusammen. Für Kunden zählen dabei konkrete Tarifbedingungen, Roaming-Einheiten und TV-Rechte. Aus dem Wahlausgang allein ergibt sich keine Änderung dieser Angebote.
Ein Paket mit Gewicht
Besonders konkret lässt sich die Bedeutung eines serbischen Partners beim RBI-Übernahmeangebot für die Wiener Addiko Bank zeigen. Die Alta Group des Unternehmers Davor Macura war Addiko-Aktionärin und zugleich Vertragspartnerin von RBI im Zusammenhang mit dem Angebot.
Zum Ende der regulären Annahmefrist am 29. Juli 2026 veröffentlichte RBI Annahmeerklärungen für insgesamt 10.831.435 Aktien. Darin enthalten waren 1.878.167 Aktien von Alta. Die Gesamtzahl entsprach 56,16 Prozent der vom Angebot erfassten Aktien und lag über der erforderlichen Mindestschwelle von mehr als 55 Prozent.
KOSMO hat diese Angaben nachgerechnet: Zieht man Altas Paket ab, bleiben 8.953.268 Aktien. Bezogen auf die 19.286.828 angebotsgegenständlichen Aktien sind das rund 46,42 Prozent.
Die übrigen Annahmen allein lagen damit zu diesem Stichtag rechnerisch unter der Schwelle. Altas Bedeutung für das veröffentlichte Ergebnis lässt sich folglich konkret beziffern. Die Rechnung beschreibt den damaligen Stand und ist keine Aussage darüber, welche alternativen Entwicklungen ohne Alta möglich gewesen wären.
Die Vereinbarungen sahen zudem vor, nach erfolgreicher Übernahme Addiko-Tochterbanken in Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro an Alta zu verkaufen. Betroffen waren Belgrad, Sarajevo, Banja Luka und Podgorica. Die österreichische Bank sowie die Tochtergesellschaften in Kroatien und Slowenien wollte RBI behalten.
Alta sollte somit Aktien in das Angebot einliefern und bei einer späteren Aufteilung selbst Bankgesellschaften erwerben. Diese geplanten Verkäufe benötigen die jeweils erforderlichen Freigaben.
Die veröffentlichte Nachfrist des Übernahmeangebots läuft bis 3. November 2026. Die Ergebnisveröffentlichung nennt ausstehende Vollzugsbedingungen und den 14. Mai 2027 als spätesten Termin für deren Erfüllung. Angenommene Aktien und ein tatsächlich vollzogener Erwerb sind zu unterscheiden.
Wiederkehrende Kanzleien
Auch beim Addiko-Vorhaben arbeitete Gecić Law für Alta. Hinzu kamen Latham & Watkins als federführende EU-Rechtsberater und Fellner Wratzfeld & Partner als österreichische Rechtsberater.
Damit lässt sich eine konkrete Überschneidung dokumentieren: Gecić Law berät Telekom bei Finanzierungen und Alta beim Geschäft mit RBI. RBI organisiert Telekom-Anleihen und verfolgt das Addiko-Angebot. Die Wiener Kanzlei begegnet uns bei der Telekom-TV-Transaktion und auf Altas Seite beim Addiko-Vorhaben.
Diese Mandate betreffen eigenständige Geschäfte. Sie belegen weder gemeinsame Geldflüsse zwischen den Transaktionen noch politische Steuerung. Ihr Erkenntniswert liegt darin, die tatsächlichen wirtschaftlichen Rollen sichtbar zu machen.
Turbinen mit Zukunft
Ein anderer Wirtschaftszweig führt zum österreichischen Technologiekonzern ANDRITZ. Dieser veröffentlichte am 26. März 2026 einen Auftrag für zehn Turbinen zur Modernisierung der Vlasinske-Wasserkraftwerke. Der Wert liegt im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Auftraggeber ist Energotehnika Južna Bačka. Die vier Kraftwerke am Fluss Vrla besitzen eine installierte Gesamtleistung von rund 130 Megawatt. Die Modernisierung soll weitere acht Megawatt ermöglichen.
ANDRITZ entwickelt und fertigt vier Pelton- und sechs Francis-Turbinen samt Ausrüstung, überwacht die Installation und übernimmt die Inbetriebnahme. Während der Arbeiten soll weiterhin Strom erzeugt werden können.
Das Vorhaben gehört zum Modernisierungsprogramm des staatlichen Energieversorgers EPS und wird unter anderem durch einen EBRD-Kredit unterstützt. Der unmittelbare Vertragspartner von ANDRITZ ist jedoch der Auftragnehmer Južna Bačka.
Dessen Eigentümerstruktur ist international: Die ungarische MVM-Gruppe erhöhte ihre Beteiligung am 30. September 2025 von 33,4 auf 60 Prozent. Der mit Maneks vereinbarte Erwerb betraf Južna Bačka und Elektromontaža Kraljevo. MVM war bereits 2022 als Minderheitsgesellschafter eingestiegen.
Hier treffen somit ein serbischer Kraftwerksbetreiber, ein Auftragnehmer mit ungarischem Mehrheitseigentümer und ein österreichischer Techniklieferant aufeinander. Für den Ablauf zählen ihre konkreten Verpflichtungen, Zahlungsvereinbarungen und technischen Abnahmen.
Was die Wahl verändert
Die Beispiele zeigen, weshalb sich die wirtschaftlichen Folgen des politischen Umbruchs erst an Entscheidungen ablesen lassen. Serbien benötigt weiterhin Kommunikation, Finanzierung und Energieversorgung. Gleichzeitig können neue Verantwortliche andere Investitionsprioritäten setzen oder einzelne Vorhaben überprüfen.
Für die genannten österreichischen Unternehmen ist durch die ausgewerteten Unterlagen keine wegen des Wahlausgangs beschlossene Vertragsauflösung oder besondere Geschäftsprüfung belegt. Solche Entwicklungen bleiben Möglichkeiten, keine bestätigten Tatsachen.
Bei bestehenden Verträgen zählen die vereinbarten Bedingungen. Über neue Geschäfte können Unternehmen gesondert entscheiden. Verlässlichere Vergaben und nachvollziehbare Unternehmensführung könnten zusätzliche Planungssicherheit schaffen. Voraussetzung wären tatsächlich umgesetzte Veränderungen.
Eine neue politische Mehrheit ist außerdem nicht automatisch ein vertraglich definierter Kontrollwechsel. Ob besondere Kündigungs- oder Zustimmungsklauseln relevant werden, lässt sich nur anhand der jeweiligen Vereinbarung feststellen.
Was Bestand hat
Die Unterlagen zeigen Geschäftsbeziehungen, die deutlich über einzelne politische Amtszeiten hinausreichen. Ihre Bedeutung wird an konkreten Punkten sichtbar: Finanzierung bis 2036, ein serbisches Aktienpaket mit rechnerisch erheblichem Gewicht für ein österreichisches Übernahmeangebot und eine ausdrücklich auf die Diaspora ausgerichtete Telekomstrategie.
Österreichische Unternehmen leisten in diesen Beziehungen konkrete Arbeit. Ob sie unter veränderten politischen Bedingungen neue Möglichkeiten finden oder ihre Zusammenarbeit anpassen, hängt von den folgenden Entscheidungen ab.
Nach Vučićs Niederlage ist deshalb die wirtschaftlich entscheidende Frage: Welche Partner liefern verlässlich, welche Projekte tragen sich und unter welchen Bedingungen werden neue Verträge geschlossen?