Verlorene Stichwahl, verstrichene Frist, ungültige Pässe: Flavio Bolsonaro soll mit einem anderen Dokument das Land verlassen haben.
Flavio Bolsonaro (45) hat Brasilien Berichten zufolge in Richtung USA verlassen. Ein Vertrauter bestätigte gegenüber Reuters entsprechende Meldungen. Während gegen ihn wegen Geldwäsche ermittelt wird, wurde ihm und seiner Familie laut US-Außenministerium ein US-Visum erteilt.
Am Sonntag musste sich Flavio Bolsonaro in der Stichwahl Luiz Inacio Lula da Silva (81) geschlagen geben. Einen Tag später gab er an, die Polizei habe ihn auf Anordnung eines Obersten Richters aufgefordert, seine Pässe abzugeben. Die dafür gesetzte Frist von 24 Stunden ließ er verstreichen, danach wurden seine brasilianischen Dokumente für ungültig erklärt.
Alexandre de Moraes ordnete an, dass Flávio Bolsonaro seine brasilianischen gewöhnlichen und diplomatischen Pässe annullieren lassen und innerhalb von 24 Stunden alle Pässe anderer Staatsangehörigkeiten bei der Polizei abgeben müsse; nachdem Bolsonaro die Frist nicht eingehalten hatte, annullierte die Bundespolizei die Pässe und kündigte an, Moraes über den Verstoß zu informieren.
Ausreise in die USA
Aus US-Kreisen hieß es, Bolsonaro befinde sich an Bord einer Maschine mit Ziel USA. Am Dienstag bestätigte das US-Außenministerium, dass Bolsonaro und seine Familie ein US-Visum erhalten. Berichten zufolge soll er für die Ausreise einen italienischen Pass verwendet haben.
In einem Video hatte Bolsonaro zuvor erklärt: „Ich habe nie daran gedacht, das Land zu verlassen.“ Kurz darauf gab es Hinweise, dass er Brasilien verlassen haben soll. Ein Vertrauter bestätigte Reuters entsprechende Medienberichte.
Geldwäsche-Ermittlungen
Gegen Flavio Bolsonaro laufen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche. Im Visier der Ermittler steht auch sein befreundeter Anwalt Willer Tomaz (44). Im Zentrum der Untersuchungen stehen dessen Unternehmen sowie das Geschäft mit Online-Sportwetten.
Bei der Auswertung von Daten des Anwalts stieß die brasilianische Bundespolizei auf E-Mails, wonach Bolsonaro als „Master-User“ eines Bankkontos der Firma Alcazar Holdings geführt wurde, die Tomaz gehört. Laut Polizeibericht hätte der „Master-User“ weitreichenden Zugriff auf das Konto gehabt.
Auch sein Vater Jair Bolsonaro (71) war nach der Wahlniederlage 2022 in die USA gereist und später zurückgekehrt.