Alihodžić: Vom Kriegsflüchtling zum Friedensnobelpreisträger

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Alihodžić: Vom Kriegsflüchtling zum Friedensnobelpreisträger

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Nihad Alihodzic
(FOTO: Facebook)

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Der 44-Jährige feierte in den vergangenen Jahren unglaubliche Erfolge und wurde für viele Menschen zu einer großen Inspiration.

„Im März 1992 gelang es mir, an einem der letzten Tag, an welchen die Straßen durch Pale noch passierbar waren, Vlasenica zu verlassen. Ich durchlebte das mehr oder weniger gleiche Szenario wie auch in Sarajevo und verließ meinen Heimatort einen Tag nachdem die JNA den lokalen Muslimen ein Ultimatum gestellt hatten“, so Alihodžić im Interview für „Radio Sarajevo“.

Das relativ „einfache“ Leben vor dem Krieg tauschte Nihad unfreiwillig gegen ein schweres Flüchtlingsleben in Tuzla, wo er Mitglied der Armee von Bosnien-Herzegowina wurde. Sein Leben änderte sich jedoch nach der Unterzeichnung des Daytoner Abkommens in eine ganz andere Richtung.

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Der Internationaler Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien für Kriegsverbrechen (ICTY) fragte bei beiden Staaten um finanzielle Hilfe für die Deckung der Verteidigungskosten für den bosnischen Kroaten Slobodan Praljak an.

 

Er entschied sich Englisch zu lernen und fand nach dem Kriegsende in Bosnien-Herzegowina einen Job in der US-Basis Demi in Kladanj.

Dieser Arbeitsplatz führte ihn auch gleich zu seiner nächsten Anstellung bei der Internationalen Polizei, wo er sich zusammen mit seiner Frau Tatjana, welche er in der Zwischenzeit kennenlernte, dafür entschied, nach dem gemeinsamen Glück außerhalb der Grenzen Bosnien-Herzegowinas zu suchen.

Nihad zusammen mit seiner Frau Tatjana und den gemeinsamen Kindern.

„Kurz nach der Geburt meines Sohnes Arijan, wurden Gerüchte laut, dass die UN-Mission in B&H beendet wird. Ich hatte Angst um meinen Job. Trotzdem schaffte ich es, in kurzer Zeit Möglichkeiten zu finden, meine Karriere fortzusetzen. Das Schicksal wollte jedoch nicht, dass ich diese Wege einschlage, denn erst bei dem Aufnahmetest für die UN ICTY bekam ich einen Job in Den Haag“, so Alihodžić, welcher mit seiner Ehefrau 2002 Bosnien-Herzegowina verlies.

Auch wenn Nihad in Den Haag sehr viel Erfahrung sammeln konnte, bewogen ihn schlechte Erfahrungen an seinem Arbeitsplatz dazu, zur Organisation für das Verbot von chemischen Waffen (OPCW) zu wechseln, wo er auch weltweiten Ruhm erlang.

„Im September 2013 passierte Syrien. Kurz davor fand der Vorfall, welcher die komplette diplomatische Maschinerie in Gang setzte, in Verbindung mit syrischen chemischen Waffen statt“, erklärte Alihodžić, welcher sich auf die Verwendung des Nervenkampfstoffen Sarin in einem Vorort von Damaskus im August 2013 bezog.

Alihodžić schaffte es zusammen mit seinem OPCW-Team, dass Russland und die USA ein Abkommen über das Verbot von chemischen Waffen unterzeichnen, welches auch kurz darauf vom syrischen Regime angenommen wurde.

Dieser Erfolg war auch der ausschlaggebende Grund, weshalb Nihads Team und die gesamte OPCW der Friedensnobelpreis für ihre Aktivitäten in Syrien verlieren wurde, wobei der Bosnier einer der Ersten Angestellten der Organisation war, welcher offen in den Medien über dieses Thema sprach.

Für sein Engagement wurde Alihodžić auch mit dem Ehrenlegionsorden, einem französischen Verdienstorden ausgezeichnet.

„Ich persönlich bin sehr glücklich, diesen Preis verliehen bekommen zu haben, vor allem da ich aus einem relativ kleinem Land stamme. Ich danke meiner Familie, meiner Frau Tatjana, und all jenen, die mir in all den Jahren beistanden“, so der Bosnier, welcher in seiner Rede daran erinnerte, dass jeder Bürger seines Heimatlandes alles erreichen könne, solange man nur hart genug dafür arbeite.

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