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AMS streicht Notstandshilfe, weil Arbeitsloser um 12 Euro nicht arbeiten wollte

(FOTOS: iStockphotos)

Ein arbeitsloser Mann weigerte sich als Dachdeckerhelfer um unter 12 Euro brutto die Stunde zu arbeiten. Dies teilte die Firma umgehend AMS mit. Nun wird ihm das AMS-Geld gestrichen.

Der 56-jährige Mann ist Dachdeckerhelfer und arbeitete die letzten zehn Jahre als Steiger. „Bis Dezember 2021 arbeitete ich für eine Wiener Leihfirma, stand täglich um 5 Uhr auf und kam um 18 Uhr heim. Ich bekam 13,99 Euro brutto pro Stunde, also zwischen 1.800 und 2.200 Euro netto im Monat. Die Monatskarte St. Pölten-Wien kostete auch über 180 Euro. Ich war zufrieden, würde sofort wieder dort arbeiten. Nur derzeit benötigt die Firma kein Personal.“, erzählt er mit einem Kopfschütteln.

Der Mann hatte im Februar eine schwere Operation im Krankenhaus. Außerdem leidet er an leichten psychischen Problemen, sowie Schlafstörungen. „Aber ich will arbeiten für eine halbwegs faire Entlohnung“, sagt er.

Aktuell bezieht er 33,88 Euro Taggeld (Notstandshilfe), also rund 1.000 Euro im Monat. Zuletzt bekam der 56-Jährige gleich zwei Jobangebote als Dachdeckerhelfer, die ihn nicht besonders erfreuten. „Für 11,17 Euro brutto in der Stunde sollte ich arbeiten. Dabei ist der Kollektiv weit höher. Ich verstehe nicht, warum das AMS dieses Lohndumping auch noch forciert.“

Er „bewarb“ sich, wies aber auf die niedrige Entlohnung, die Inflation und die Teuerungswelle hin. Mit 29. April stelle das AMS St. Pölten seine Geldleistung ein: „Durch ihr unangemessenes Bewerbungsschreiben haben Sie eine mögliche Arbeitsstelle vereitelt.“

In diesem Fall hat das AMS recht: „Bezahlt wurde in diesem konkreten Stellenangebot nach dem Arbeitskräfteüberlasser-Kollektivvertag und nicht nach dem Dachdecker-KV“, erklärt ein AMS-Experte.

„Wo soll das hinführen?“

„Ich soll für knapp 1.400 Euro netto um 5 Uhr aufstehen, mir eine Monatskarte kaufen – und das bei der jetzigen Situation – wo soll das noch hinführen?“, sagt er fassungslos.

Eine AMS-Sprecherin rät: „Der besagte Herr soll mit dem zuständigen AMS Kontakt aufnehmen, soll die Unterlagen vollständig nachreichen, dann fließt auch wieder Geld. Keine Kontaktaufnahme oder Schmollen wäre jetzt der falsche Weg.“

Quelle: Heute-Artikel