Ein russischer Angriff nahe Kiew fordert Dutzende Todesopfer – und enthüllt ein brisantes Versäumnis auf ukrainischer Seite.
Bei einem russischen Luftangriff auf das Dorf Myla, rund fünf Kilometer von Kiew entfernt, sind am Freitagabend mindestens 37 Menschen ums Leben gekommen. Dutzende weitere wurden verletzt. Die ukrainischen Behörden haben Ermittlungen wegen des Verdachts auf dienstliche Fahrlässigkeit eingeleitet.
Der Angriff traf ein Unternehmensgelände in Myla und löste nach Angaben des Kiewer Regionalgouverneurs Tymur Tkatschenko ein Feuer aus, das in der Folge weitere Explosionen nach sich zog. Die Schäden an der umliegenden Infrastruktur sind erheblich: Ein Wohnblock, ein Altersheim sowie eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die wichtigste Westausfahrt aus Kiew musste auf einem langen Streckenabschnitt vollständig gesperrt werden.
Munitionsdepot im Fokus
Nach ukrainischen Angaben befand sich auf dem getroffenen Gelände ein Munitionsdepot, in dem große Mengen an Granaten, Minen und Drohnen gelagert waren. Präsident Wolodymyr Selenskyj machte deutlich, dass diese Waffen dort nichts zu suchen gehabt hätten, und forderte Konsequenzen: „Diejenigen, die das zugelassen haben, müssen dafür zur Rechenschaft gezogen werden.“ Nach ukrainischen Vorschriften darf Munition nicht in der Nähe von Wohnhäusern oder anderen Wohngebäuden gelagert werden. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob die Lagerung des Kriegsgeräts an diesem Ort überhaupt zulässig war.
Weitere Angriffe
Der Angriff auf Myla war nicht das einzige Ereignis des Tages: In der Region Odessa kam bei einem weiteren russischen Angriff eine Person ums Leben, mehrere wurden verletzt. Gleichzeitig führten ukrainische Streitkräfte Angriffe auf Ziele in der russischen Region Belgorod sowie auf der Krim durch, wobei es ebenfalls Opfer gab. Premier Serhij Koreckyj verwies auf eine Reihe vergleichbarer Vorfälle in der Vergangenheit und zog eine scharfe Bilanz: „Im fünften Kriegsjahr werden ein und dieselben Fehler begangen, das ist kriminelle Fahrlässigkeit.“