Eine neue Corona-Variante verbreitet sich fünf Jahre nach Pandemiebeginn und sorgt für steigende Infektionszahlen. Der Omikron-Nachkomme LP.8.1 gewinnt in Asien und Europa zunehmend an Bedeutung und weckt Bedenken wegen seiner Fähigkeit, die Immunabwehr zu umgehen.
Die Variante zeigt eine starke humorale Immunflucht, kann also die durch Impfungen oder frühere Infektionen aufgebaute Antikörperantwort unterlaufen. Die Weltgesundheitsorganisation hat LP.8.1 als „Variant Under Monitoring“ (zu Deutsch: Variante unter Beobachtung) klassifiziert.
In Österreich wurde LP.8.1 erstmals im Juli 2024 im Abwasser nachgewiesen. Zwischen März und April 2025 entwickelte sich die Variante laut European Medicines Agency (Europäische Arzneimittel-Agentur) in verschiedenen Weltregionen – darunter USA, Großbritannien und Europa – zur vorherrschenden Viruslinie. Abwasserdaten zeigen, dass sie seit April 2025 auch in Österreich dominiert. Im Sentinelsystem (Überwachungssystem mit ausgewählten Arztpraxen) erfolgt bisher keine spezifische Testung auf LP.8.1.
„Es gibt derzeit keine epidemische Entwicklung in Österreich“, erklärt MedUni-Wien-Virologin Monika Redlberger-Fritz gegenüber „Heute“. Aktuell beobachte man dort nur „entsprechend der aktuellen Saison sporadische Fälle“.
Globale Ausbreitung
Der italienische Infektiologe Matteo Bassetti erläutert auf „X“: „In Singapur, Hongkong, China und Thailand ist es in den letzten Wochen zu einem deutlichen Anstieg der Covid-Fälle gekommen.“ Die Erklärung für diesen Anstieg? Eine neue Variante, die der Immunität entgeht und auf einen Rückgang der durch Impfungen und frühere Infektionen gebildeten Antikörper trifft.“ Allerdings verlaufen die Erkrankungen überwiegend mild, was auch die WHO in ihrer Einschätzung bestätigt.
Die Symptome unterscheiden sich nach bisherigen Erkenntnissen nicht wesentlich von anderen Omikron-Subvarianten. Ein Grund für den milderen Verlauf könnte sein, dass LP.8.1 von JN.1 abstammt und damit zu den Nachkommen der „FLiRT“- und „FLuQE“-Familien gehört – wie auch die bekannten Varianten KP.3 und KP.3.1.1.
Diese konnten durch zwei Mutationen im Spike-Protein die Immunabwehr leichter umgehen, schneller in Zellen eindringen und sich rascher vermehren, was im vergangenen Sommer zum Anstieg der Infektionswelle beigetragen hatte.
Impfstoffanpassung
Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat inzwischen eine Anpassung der Impfstoffe für die kommende Saison speziell an LP.8.1 empfohlen. Damit sollen vor allem Risikogruppen wie ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem besser geschützt werden.
Studien deuten darauf hin, dass die neuen Mutationen von LP.8.1 die Wirksamkeit bisheriger Impfstoffe beeinträchtigen könnten.
Die EMA betont die Notwendigkeit rechtzeitiger Impfstoffanpassungen, um eine effektive Immunisierung in der nächsten Saison sicherzustellen.