In der Auslage einer Apotheke gegenüber der Post der Republika Srpska sind die Fotos der heurigen Maturanten zu sehen.
Fotogalerien mit Maturanten oder Absolventen höherer Schulen sind in diesem Teil der Welt gang und gebe. Meist werden sie in Versicherungen oder Apotheken aufgehängt- oder gestellt.
Man feiert die jungen Menschen für ihre Leistung – auch im Wissen, dass ein großer Teil von ihnen in den nächsten Jahren nach Deutschland oder Österreich auswandern wird.
Zwei Roma-Kinder betrachten die Fotos neugierig.
Die Chancen der Geschwister stehen schlecht, dass ihre Fotos jemals in einer Apotheke oder in einem anderen Geschäft zu sehen sind.
Bosnjaken, Serben, Kroaten, alle mögen hier willkommen sein, allen mag hier eine Chance auf ein besseres oder zumindest einigermaßen normales Leben offenstehen.
Roma werden auch in dieser Stadt an den Rand gedrängt. Genauso wie in Sarajevo oder Banja Luka. Oder wie in Beograd und Zagreb, von Prishtina ganz zu schweigen.

Die Diskriminierung von Roma zu beenden, wird nur mit langfristigen Programmen gelingen und mit Gesetzen, die sie und Angehörige anderer kleiner Minderheiten wirksam vor Benachteiligungen und Schlimmerem schützen.
Das kann das bosnische Zwischenreich nicht alleine verfügen – vorausgesetzt, es wollte.
Dazu braucht es eine gesamtstaatliche gesetzliche Grundlage.
Die Voraussetzungen sind alles andere als gegeben. Beide Teilstaaten und der Gesamtstaat tolerieren stillschweigend, dass Angehörige der drei konstituierenden Ethnien bis heute täglich kalt vertrieben werden. Angehörige kleinerer Minderheiten sind ihnen erst recht kein Anliegen.
Auch hier ist Brcko Gesamtbosnien unterm Mikroskop.
Balkan Stories, Christoph Baumgarten
Christoph Baumgarten ist Journalist und Balkanreisender aus Leidenschaft. Seit 2015 verbindet er beide Leidenschaften auf seinem Blog Balkan Stories. Dort versucht er, Geschichten zu erzählen, für die es in größeren Medien meist keinen Platz gibt und stellt die Menschen in den Mittelpunkt.
Mehr von Christoph könnt ihr unter balkanstories.net nachlesen.