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Barisic: “Euch zeig ich’s! Jetzt erst recht!”

KOSMO im Gespräch mit dem ehemaligen Fußballspieler Zoran Barisic.
KOSMO im Gespräch mit dem Sportdirektor und Interimstrainer Zoran Barisic.

Wir sprachen mit dem ehemaligen Fußballspieler Zoran Barisic über die Fußball-WM, SK Rapid, seine Position als Sportdirektor und über die Entscheidung, welchen Fußballspieler aus Serbien oder Kroatien er sofort verpflichten würde.

KOSMO: Vor fast genau 6 Jahren wurdest Du unter dem damaligen Präsidenten Michael Krammer entlassen. Als Interimstrainer hast Du Rapid wieder auf die Erfolgsspur geführt und 10 Punkte in vier Spielen geholt. Wie sieht Deine Gefühlswelt diesbezüglich aus?

Zoran Barisic: Momentan sehr positiv. Speziell nach dem Vaduz-Spiel war es schon so, dass es nicht nur mir schlecht gegangen ist sondern jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin. Nach dem Trainerwechsel und dem Ried-Spiel haben wir uns dann dazu entschlossen, dass ich bis auf weiteres auch als Trainer eingesetzt werde. Da habe ich mitbekommen, dass auch sehr viel auf mich abgeladen wird. Ich habe ein oder zwei Wochen gebraucht, bis ich meine Mentalität wieder gefunden habe – gleichbedeutend mit: “Euch zeig ich’s! Jetzt erst recht!“. Das hat mich angetrieben, zusammen mit meinem Umfeld und meinen engsten Mitarbeitern. Zusätzlich dazu, wie sich die Mannschaft dann – in weiterer Folge – entwickelt hat.

In welcher Rolle fühlst Du Dich wohler: als Trainer oder als Sportdirektor?

Zoran Barisic: Das was ich mache, mache ich mit 100-prozentiger Leidenschaft. Wenn es beides ist, dann mach ich beides mit 100-prozentiger Leidenschaft. Es macht mir natürlich auch sehr viel Spaß mit den Jungs auf dem Platz zu stehen. Vor allem dann wenn ich merke, es gibt Fortschritte in der Entwicklung des Teams und Weiterentwicklungen bei einzelner Spielern. Das ist natürlich etwas, was einen schneller befriedigt als beispielsweise ein guter Transfer. Grundsätzlich ist es wichtig, dass man etwas mit voller Leidenschaft durchzieht.

KOSMO im Gespräch mit dem ehemaligen Fußballspieler Zoran Barisic.
Uns verbindet eine langjährige Freundschaft – Voin Mihajlovic (KOSMO)

Als Sportdirektor bist Du in der Vergangenheit oft in der Kritik gestanden. Verstehst Du diese und wie ordnest Du Deine bisherigen Leistungen ein?

Zoran Barisic: Ich lese jetzt nicht unbedingt Kritiken die auf mich bezogen sind. Das eine sind die Medien. Ich denke, da sind wir auf einem sehr verständnisvollem Level. Das andere sind die Foren-Schreiber oder “Sniper”, wie ich sie nenne. Die Dir von hinten in den Rücken schießen, ohne dass Du Dich wehren kannst. Gegen die kann man, leider Gottes, nichts machen. Wir leben einfach in dieser modernen Welt mit diesen sozialen Möglichkeiten, die jeder einzelne Bürger für sich in Anspruch nehmen kann – auch um negativ zu sein. Ob mich das berührt oder nicht spielt eher weniger eine Rolle. Natürlich tut es weh, aber wenn ich mal selber reflektiere was gut und was schlecht ist: das wichtigste im Sinne des Clubs ist, immer bestmöglich gehandelt zu haben. Das gab ich mit 100-prozentiger Sicherheit. Auch was die Transferaktivitäten betrifft. Wenn man bedenkt, dass wir zwei Jahre Pandemie gehabt haben – da waren mindestens vier Transferfenster geschlossen – und trotzdem haben wir enorme Transfererlöse generiert. Auf internationaler Ebene spür ich schon deutlich, dass Rapid ein Verein ist, dem man sehr viel Aufmerksamkeit schenkt. Weil wir uns den Ruf erarbeitet haben, dass wir Spieler sehr gut weiterentwickeln können.

Bereut Yusuf Demir seinen Wechsel? Habt ihr noch Kontakt?

Zoran Barisic: Mit seinen Beratern stehe ich schon in Kontakt. Ich denke, das war ein kurzfristiges Angebot und auch eine kurzfristige Entscheidung. Ich glaube auch, dass sein Vater stark auf ihn eingewirkt hat. Meiner Meinung nach hätte er noch da bleiben sollen. Er war auf einem sehr guten Weg. Anderseits versteh ich es, denn wer weiß, wann so ein Angebot wieder kommt.

Laut Medienberichten gilt Alexander Wrabetz als sicherer Kandidat für den Präsidentschaftsposten und Du als neuer Cheftrainer. Kannst Du das bestätigen?

Zoran Barisic: Wir warten erstmal den 26. November ab. Dann wird das Präsidium gewählt. Danach wird man sich darüber unterhalten, wie die Positionen besetzt werden. Eine Doppelfunktion bis zum Sommer kann ich mir aber vorstellen.

Du bist in Österreich geboren. Trotzdem schlägt ein halbes Balkanherz in Dir. Wie siehst Du Serbien und Kroatien bei der Weltmeisterschaft?

Zoran Barisic: Ich hoffe, dass sie im Finale aufeinander treffen (lacht). Realistisch gesehen wird es interessant – es ist alles drinnen. Man kennt ja die Mentalität aus Ex-Jugoslawien und die sind nicht so leicht zu besiegen. Ein kleines Fünkchen Hoffnung hab ich schon, dass das Finale “Serbien gegen Kroatien” lautet.

Hypothetische Frage – Welche Spieler aus Serbien und Kroatien würdest Du sofort verpflichten?

Zoran Barisic: Nur einen? Und Geld ist egal? (lacht) Wenn ich Geld machen wollen würde: Vlahović und Gvardiol.

Bist Du auch Fan eines Balkan-Clubs oder gehört Dein ganzes Fußballherz Rapid?

Zoran Barisic: Ich bin Sympathisant von Partizan Belgrad, weil mein Vater Partizan-Anhänger ist. Ich bin ein Grobar. (Anmerkung der Redaktion: Grobari sind die organisierte Fangruppe des serbischen Fußballvereins Partizan Belgrad.)

Angenommen Du bekommst Anfragen von österreichischen, serbischen und kroatischen Fußballverbänden als Cheftrainer für sie zu arbeiten. Für wen entscheidest Du Dich?

Zoran Barisic: Österreich, weil ich Österreicher bin.

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