Start Gesundheit “Begleiten bis zuletzt”: Hilfreiche Lektüre für Schwerkranke und ihre Angehörigen auf B/K/S
HOSPIZ- UND PALLIATIVBETREUUNG

“Begleiten bis zuletzt”: Hilfreiche Lektüre für Schwerkranke und ihre Angehörigen auf B/K/S

Broschüre "Begleiten bis zuletzt" ("Zbrinjavanje do poslednjeg daha") (FOTO: zVg.)

Der Dachverband Hospiz Österreich, der seit 26 Jahren Menschen mit nicht heilbaren Erkrankungen betreut, bietet die Broschüre „Begleiten bis zuletzt” für die Angehörigen von schwerkranken Menschen nun auch auf Bosnisch/Krotisch/Serbisch an.

Die Pflege und Begleitung eines sterbenden Menschen ist eine große Herausforderung. Angehörige sind oft unsicher und ängstlich, ob sie wohl alles richtig machen. Deswegen ist es wichtig, über Hospiz- und Palliativbetreuung informiert zu sein. Aus diesem Grund ließ der Dachverband Hospiz Österreich die Broschüre für die Angehörigen von schwerkranken Menschen ins B/K/S übersetzen.

„Die Broschüre befasst sich mit den ganz konkreten Fragestellungen, die die Angehörigen haben, z. B. wie Atemnot gelindert werden kann, was man machen soll, wenn Fieber auftritt, was beim Sterben geschieht etc. Es geht um konkrete, kurze Informationen, die sehr nützlich sind. Es ist ganz wichitg, sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Angehörigen, dass sie die Struktur der Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich verstehen können und ich bin froh, dass die Broschüre übersetzt wurde. Sie existiert seit 15 Jahren in Österreich und die Sparkassengruppe finanziert die Druckkosten, damit diese Broschüre kostenlos angeboten werden kann”, erklärt Mag.a Leena Pelttari, MSc, Geschäftsführerin des Dachverbandes.

Hospiz- und Palliativbetreuung hat zum Ziel, die Lebensqualität bei schwerkranken Menschen so gut wie möglich zu verbessern und zu erhalten. „Bildlich gesehen, gibt man den schwerkranken und sterbenden Menschen einen Schutzmantel – man schützt sie und tut alles, um ihre Schmerzen zu lindern. Es gibt wissenschaftliche Studien, die belegen, dass ‘Palliative Care’ das Leben verlängert, auch wenn man auf aggressive Therapien verzichtet, weil man dabei wirklich auf die Lebensqualität eingeht bzw. gleichzeitig die sogenannte kurative und palliative Medizin eingesetzt werden. In Österreich sprechen wir immer von Hospiz und ‘Palliative Care’, weil diese zwei Bereiche eine Einheit bilden”, so Pelttari.

Erfahrungen einer ehrenamtlichen Hospizbegleiterin
Rund 3.600 Personen in Österreich arbeiten ehrenamtlich im Hospiz- und Palliativbereich. Die Aufgaben sind unterschiedlich. Wir sprachen mit Naida Dzaka, einer der ehrenamtlichen HospizbegleiterInnen mit Wurzeln aus Ex-Yu über ihre Erfahrungen. 2015 hat sie die Ausbildung „Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleiterin” absolviert und ist seitdem ambulant in einem interkulturellen Hospizteam tätig.

„Ich habe gemerkt, wie groß das Tabu rund um das Sterben ist und wie viel Ohnmacht es bei allen Beteiligten ausgelöst hat.”

KOSMO: Warum haben Sie sich entschieden, freiwillige Hospizbegleiterin zu werden?
Naida Dzaka: Es gab mehrere Erlebnisse, die mich in die Richtung gebracht haben. Am prägendsten war die Krebserkrankung und der Tod eines Verwandten vor etwa 10 Jahren. Ich habe gemerkt, wie groß das Tabu rund um das Sterben ist und wie viel Ohnmacht es bei allen Beteiligten ausgelöst hat. Ich habe begonnen mich zu fragen, welche Unterstützungsangebote es für solche Situationen gibt und bin auf die Hospiz- und Palliativbetreuung gestoßen. Ich war sehr angetan von dem Ansatz, die Lebensqualität des erkrankten Menschen und seiner Familie in den Mittelpunkt zu stellen und von dem offenen Umgang mit dem Sterben. So wuchs mein Wunsch, mich hier zu engagieren.

Naida Dzaka: „Mir macht es ganz viel Freude, die Familien in dieser sehr sensiblen Phase und ihren Entwicklungsprozessen zu begleiten und dadurch auch ganz viel für mein eigenes Leben mitzunehmen.” (FOTO: zVg.)

Was sind die größten Herausforderungen für Sie als Hospizbegleiterin in dieser Arbeit?
Eine der größten Herausforderungen für mich ist es, ein gutes Ausmaß von Nähe und Distanz zu finden. Also mich auf die Familien einzulassen und gleichzeitig eine gesunde Distanz zu wahren, damit ich hilfreich sein kann und nachts gut schlafe. Mir macht es ganz viel Freude, die Familien in dieser sehr sensiblen Phase und ihren Entwicklungsprozessen zu begleiten und dadurch auch ganz viel für mein eigenes Leben mitzunehmen.

Und was sind die größten Herausforderungen für PatientInnen und ihre Familien?
Herausfordernd für die erkrankte Person ist es, einen Umgang mit der Erkrankung, den Einschränkungen und dem bevorstehenden Tod zu finden. Ich erinnere mich an einen Patienten, der bis zuletzt die unerschütterliche Hoffnung auf Heilung hatte, ein anderer hatte mit einer Patientenverfügung ganz pragmatisch festgelegt, welche medizinischen Maßnahmen er nicht mehr haben möchte. Da gibt es kein „richtig” oder „falsch”, jede und jeder entscheidet für sich, was sich stimmig anfühlt. Pflegende Angehörige leisten enorm viel und gehen oft über ihre eigene psychische und physische Belastungsgrenze hinaus. Da versuchen wir zu schauen, durch welche Angebote sie entlastet werden können. Und glücklicherweise gibt es auch die schönen Momente: Gute Gespräche, Aussprachen und kleine Wünsche, die erfüllt werden. Ich bin immer wieder ganz berührt von der großen Liebe und Verbundenheit, die in den Familien spürbar wird.

Wie viele PatientInnen haben Sie bisher begleitet?
Ich habe acht erkrankte Personen und deren Familien begleitet. Meine kürzeste Begleitung war ein Besuch bei einer im Sterben liegenden alten Frau im Pflegeheim, meine längste Begleitung ging über zwei Jahre lang und endete damit, dass die erkrankte Frau in einem stabilen Allgemeinzustand aus der Betreuung entlassen werden konnte.

„Die Broschüre ist nicht nur eine hilfreiche Lektüre für Betroffene, sondern auch für jede und jeden, um einen Einblick in dieses Feld zu bekommen.”

Wie viele PatientInnen, die Sie begleitet haben, waren jugoslawischer Herkunft? Und wissen Sie wie viele es generell ungefähr in der palliativen Pflege gibt?
Die Hälfte der Familien war aus dem ehemaligen Jugoslawien. Wobei ich, wie gesagt, in einem interkulturellen Team arbeite und schwerpunktmäßig diese Familien begleite. Was die Studienlage klar zeigt ist, dass MigrantInnen generell Angebote des Gesundheitssystems bislang seltener in Anspruch nehmen.

Heuer wurde die Broschüre „Begleiten bis zuletzt“ auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch übersetzt. Ist die BKS-Community Ihrer Meinung und Erfahrung nach gut genug über Hospiz- und Palliativbetreuung informiert?
Ich glaube keine Community ist gut genug über die Hospiz- und Palliativbetreuung informiert. Betroffene erhalten oft erst im sehr fortgeschrittenen Erkrankungsstadium die entscheidende Information über die Möglichkeiten der Hospiz- und Palliativversorgung und selbst da ist die Zurückhaltung, diese auch in Anspruch zu nehmen, oft groß.

Was erhoffen Sie sich von der übersetzten Broschüre?
Mehr Info für unsere Community und ein Stück weit einen Beitrag zu einem Tabubruch. Die Broschüre ist nicht nur eine hilfreiche Lektüre für Betroffene, sondern auch für jede und jeden, um einen Einblick in dieses Feld zu bekommen. Sie kann auch ein Gesprächsöffner für das Thema Sterben und Tod mit den eigenen Familien und Freunden sein.

Quellen und Links: