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Jahrestag

7. Oktober: Der Tag, der Israel und Gaza für immer veränderte

7. Oktober: Der Tag, der Israel und Gaza für immer veränderte
FOTO: EPA
6 Min. Lesezeit |

Drei Jahre nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel sind die Folgen des 7. Oktober 2023 noch immer allgegenwärtig. Rund 1.200 Menschen wurden damals getötet und 251 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Der anschließende Krieg verwüstete weite Teile Gazas und forderte Zehntausende palästinensische Todesopfer. Auch in Österreich hat der Konflikt tiefe Spuren hinterlassen.

Am 7. Oktober 2023 begann gegen 6.30 Uhr morgens ein massiver Raketenangriff aus dem Gazastreifen auf Israel. Unter dem Schutz des Beschusses durchbrachen Kämpfer der islamistischen Terrororganisation Hamas und anderer bewaffneter Gruppen die Grenzanlagen und drangen auf israelisches Staatsgebiet vor. Sie griffen Militärstützpunkte, Städte und Ortschaften sowie mehrere Kibbuze nahe dem Gazastreifen an.

Zu den bekanntesten Tatorten wurde das Nova-Musikfestival nahe Re’im. Hunderte Besucher versuchten nach Beginn des Raketenalarms zu fliehen. Bewaffnete Angreifer eröffneten das Feuer auf Festivalbesucher und Menschen auf den umliegenden Straßen. Auch in Orten wie Be’eri, Kfar Aza und Sderot wurden zahlreiche Menschen getötet.

Die Angreifer gingen dabei mit extremer Brutalität gegen die Zivilbevölkerung vor. Auch Kinder und ältere Menschen wurden getötet, verletzt oder verschleppt. Eine unabhängige UN-Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass am 7. Oktober mindestens 40 Kinder getötet wurden, darunter Kleinkinder. In den von der Kommission untersuchten Fällen hätten die Angreifer gewusst, dass sich Kinder an den Tatorten befanden. Manche Kinder mussten die Ermordung ihrer Eltern miterleben, andere wurden anschließend in den Gazastreifen verschleppt.

Die UN-Kommission stellte zudem fest, dass Zivilisten gezielt angegriffen wurden und Hamas sowie weitere bewaffnete palästinensische Gruppen unter anderem für Mord, Folter, grausame und unmenschliche Behandlung sowie Geiselnahmen verantwortlich waren. Ermittler dokumentierten außerdem Muster sexueller Gewalt gegen israelische Frauen. Eine gesonderte UN-Mission kam zu dem Schluss, dass es hinreichende Gründe für die Annahme gibt, dass es am 7. Oktober unter anderem zu Vergewaltigungen und sexualisierter Folter gekommen ist.

Rund 1.200 Tote und 251 Geiseln

Insgesamt wurden bei dem Angriff nach heute gebräuchlichen offiziellen Angaben rund 1.200 Menschen in Israel getötet, darunter zahlreiche Zivilisten. Weitere Tausende wurden verletzt. 251 Menschen wurden in den Gazastreifen verschleppt. Der 7. Oktober gilt als der tödlichste einzelne Angriff in der Geschichte Israels.

Die Entführten wurden über Monate und teilweise Jahre zum zentralen Thema des Krieges. Einige kamen im Zuge von Vereinbarungen zwischen Israel und der Hamas frei, andere wurden tot geborgen oder ihre Leichen übergeben. Der dritte Jahrestag 2026 ist erstmals ein 7. Oktober, an dem sich laut aktuellen Berichten keine israelischen Geiseln mehr im Gazastreifen befinden.

Israels Krieg im Gazastreifen

Israel reagierte auf den Angriff mit einer Kriegserklärung und einer groß angelegten Militäroperation gegen die Hamas im Gazastreifen. Nach massiven Luftangriffen begann Ende Oktober 2023 auch eine Bodenoffensive. Israel erklärte als Ziele die Zerschlagung der militärischen und politischen Strukturen der Hamas sowie die Rückkehr der Geiseln.

Für die palästinensische Bevölkerung hatte der Krieg katastrophale Folgen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen wurden seit Oktober 2023 mehr als 74.000 Palästinenser getötet. Die Zahlen werden von internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen regelmäßig übernommen, lassen sich unter den Bedingungen des Krieges jedoch nicht unabhängig in jedem einzelnen Fall überprüfen.

Große Teile des dicht besiedelten Küstengebiets wurden zerstört oder schwer beschädigt. Millionen Menschen mussten ihre Häuser zeitweise oder dauerhaft verlassen. Trotz des im Oktober 2025 vereinbarten Waffenstillstands ist die Gewalt nicht vollständig beendet.

1,7 Millionen Menschen weiterhin vertrieben

Die humanitäre Situation bleibt auch drei Jahre nach Beginn des Krieges äußerst angespannt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation waren Ende September 2026 noch immer rund 1,7 Millionen Menschen innerhalb des Gazastreifens vertrieben.

Auch die medizinische Versorgung ist weiterhin massiv eingeschränkt. Von den ursprünglich 36 Krankenhäusern im Gazastreifen waren zuletzt nur 19 zumindest teilweise funktionsfähig – kein einziges vollständig. Medikamente, medizinisches Gerät, Treibstoff und Diagnosemöglichkeiten fehlen vielerorts. Mehr als zwei Millionen Menschen sind weiterhin auf humanitäre Unterstützung angewiesen.

Selbst seit der im Oktober 2025 verkündeten Waffenruhe gab es weitere Tote. Nach Angaben des UNO-Nothilfebüros OCHA wurden zwischen dem Beginn der Waffenruhe und Ende September 2026 mehr als 1.400 weitere palästinensische Todesfälle gemeldet.

Dritter Jahrestag in Israel

Am heutigen 7. Oktober erinnert Israel mit Gedenkveranstaltungen an die Opfer des Angriffs. Angehörige, Überlebende und Vertreter des Staates versammeln sich unter anderem an Orten, die 2023 zum Schauplatz der Massaker wurden. Auch auf dem Gelände des Nova-Festivals wird der Getöteten gedacht.

Der Angriff beschäftigt Israel auch politisch weiterhin. Die Frage, wie es der Hamas gelingen konnte, die stark gesicherte Grenze zu überwinden und stundenlang zahlreiche Orte anzugreifen, ist bis heute Teil einer heftigen innenpolitischen Debatte. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und seine Regierung stehen wegen der Sicherheitsversäumnisse vom 7. Oktober weiterhin unter Druck.

Österreich: Rekord bei antisemitischen Vorfällen

Auch in Österreich sind die gesellschaftlichen Auswirkungen des 7. Oktober und des Gaza-Krieges deutlich spürbar. Die Antisemitismus-Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde Wien registrierte im Jahr 2025 1.532 antisemitische Vorfälle – so viele wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Das entspricht im Durchschnitt mehr als vier gemeldeten Vorfällen pro Tag.

Bereits 2024 waren 1.520 Fälle verzeichnet worden. Zum Vergleich: 2023 waren es 1.147 gewesen, wobei die Zahl unmittelbar nach dem 7. Oktober massiv nach oben gegangen war. Laut IKG entfielen 2025 rund 77 Prozent der registrierten Fälle auf israelbezogenen Antisemitismus.

Der Antisemitismusforscher Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes sieht seit dem Terrorangriff zudem eine stärkere Täter-Opfer-Umkehr. Gegenüber ORF.at verwies er darauf, dass israelbezogener Antisemitismus bei neuen Eskalationen des Nahostkonflikts immer wieder sichtbarer werde. Gleichzeitig betont der Experte, dass konkrete Kritik an politischen Entscheidungen oder am Vorgehen der israelischen Regierung von antisemitischen Ressentiments unterschieden werden müsse.

Gedenken im Wiener Stadttempel

Bereits am Dienstagabend wurde in Wien an den dritten Jahrestag des Angriffs erinnert. Israels Botschafter David Roet gedachte gemeinsam mit Mitgliedern der jüdischen und israelischen Gemeinschaft im Wiener Stadttempel der Opfer.

Bei der Veranstaltung berichtete auch Os Davidian über seine Erlebnisse vom 7. Oktober. Davidian hatte sich während des Hamas-Angriffs in das Gebiet rund um das Nova-Festival begeben und nach Angaben des ORF unter Lebensgefahr rund 120 Menschen in Sicherheit gebracht.

Drei Jahre nach dem 7. Oktober stehen damit weiterhin zwei traumatische Realitäten nebeneinander: der Terrorangriff auf Israel mit rund 1.200 Toten und Hunderten Verschleppten sowie die verheerenden Folgen des anschließenden Krieges für die palästinensische Bevölkerung im Gazastreifen. Eine politische Lösung des Konflikts ist auch drei Jahre später nicht in Sicht.

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KO KOSMO-Redaktion
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