Frankreich verschärft den Kampf gegen blauen Dunst: Ab Juli gilt ein umfassendes Rauchverbot an öffentlichen Stränden. Doch besonders in Marseille wachsen Zweifel an der Umsetzbarkeit.
Ab dem 1. Juli gilt an Frankreichs öffentlichen Stränden ein umfassendes Rauchverbot. Die Maßnahme erstreckt sich zudem auf Parks, Schulumgebungen, Ausbildungsstätten und Unterkünfte für Minderjährige. Die französische Regierung verfolgt damit gezielt den Schutz junger Menschen, da nach offiziellen Angaben 90 Prozent aller Raucher bereits vor ihrem 18. Lebensjahr mit dem Tabakkonsum beginnen.
In Frankreich existieren bereits zahlreiche Rauchverbote – etwa am Arbeitsplatz, in öffentlichen Verkehrsmitteln und auf Spielplätzen. Wer in Anwesenheit von Kindern im Auto raucht, riskiert Bußgelder bis zu 750 Euro. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 62 Prozent der Bevölkerung die Ausweitung der Verbotszonen befürworten.
Skepsis in Marseille
In Marseille, der einzigen französischen Großstadt mit einem Strand im Stadtgebiet, begegnet man der neuen Regelung allerdings mit erheblicher Skepsis. Dort gilt bereits seit 2021 ein lokales Rauchverbot am Strand, das jedoch weitgehend ignoriert wird. Der Umweltverein Clean my Calanques dokumentierte bei seinem letzten Einsatz mehr als 2.000 Zigarettenstummel an Marseilles Stränden.
„In Sachen Gesetzestreue sind wir hier sicherlich keine Musterschüler“, räumt Celine Albinet, Mitbegründerin der Organisation, ein. Sie stellt zudem die praktische Umsetzbarkeit in Frage: „Wie soll die Polizei Bußgelder verhängen, wenn sie ohnehin schon personell unterbesetzt ist?“
„Die tun wirklich alles, um die Menschen zu schikanieren“, beklagt sich die Rentnerin Simone Torrente am Strand Catalans. „Natürlich sollte man keine Kippen achtlos wegwerfen, besonders wenn Kinder in der Nähe sind. Aber die Leute werden trotzdem weiter am Strand rauchen“, prognostiziert sie.
Christine Juste, Umweltbeauftragte von Marseille, zeigt sich hingegen optimistisch bezüglich der Wirksamkeit der neuen Bestimmung. „Es handelt sich jetzt nicht mehr um eine städtische Verordnung, sondern um ein nationales Gesetz“, betont sie. Zudem sei nun die nationale Polizei für die Durchsetzung zuständig. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 135 Euro.
Gesundheitliche Folgen
Gesundheitsministerin Catherine Vautrin demonstriert Entschlossenheit: „Wo Kinder sind, muss der Tabak verschwinden“, erklärte sie kürzlich in einem Interview. Sie betonte: „Die Freiheit zu rauchen endet dort, wo das Recht der Kinder auf gesunde Luft beginnt.“
Ihr Amtskollege Yannick Neuder, beigeordneter Minister, geriet allerdings zu Jahresbeginn in die Kritik, als er sich zu einem möglichen Rauchverbot in Straßencafés nicht positionieren wollte und forderte, „die Franzosen in Ruhe zu lassen“.
Nach Expertenschätzungen fordert der Tabakkonsum in Frankreich jährlich 75.000 Todesopfer und verursacht volkswirtschaftliche Kosten von 156 Milliarden Euro pro Jahr. Auch Passivrauchen soll jährlich für etwa 5.000 Todesfälle verantwortlich sein.
Die aktuelle Regelung umfasst allerdings weder E-Zigaretten an den genannten Orten noch das Rauchen in Straßencafés. Die Regierung plant jedoch, den zulässigen Nikotingehalt in E-Zigaretten zu reduzieren und das Angebot an Geschmacksrichtungen einzuschränken.
Bereits im Februar hatte Frankreich als zweites EU-Land nach Belgien Einweg-E-Zigaretten verboten, die mit süßen Aromen, aggressiver Werbung und vergleichsweise niedrigen Preisen besonders auf Jugendliche abzielen.
Erfahrungen aus anderen Urlaubsländern
Frankreich ist nicht das erste europäische Land, das zum Rauchverbot an Stränden greift. In Spanien und Italien gelten bereits seit mehreren Jahren entsprechende Verbote, die laut Behörden durchaus Wirkung zeigen. Studien belegen einen deutlichen Rückgang der weggeworfenen Zigarettenstummel an den betroffenen Küstenabschnitten, besonders in touristisch stark frequentierten Regionen.
Allerdings variiert die Einhaltung der Verbote stark je nach lokaler Kontrolldichte und Akzeptanz in der Bevölkerung. Die Erfahrungen dieser Länder zeigen, dass die konsequente Durchsetzung entscheidend für den Erfolg solcher Maßnahmen ist.
Tatsächlich hatten vor dem neuen landesweiten Gesetz bereits zahlreiche französische Gemeinden, insbesondere an der Côte d’Azur und in der Bretagne, lokale Rauchverbote an Stränden eingeführt. Laut Behördenangaben führten diese Maßnahmen bereits zu einer spürbaren Reduktion von Zigarettenabfällen und einer höheren Sensibilisierung für Nichtraucherschutz. Die nun einheitliche Regelung soll diese positiven Effekte landesweit verstärken.