Ein Dorf, 650 Einwohner – und Tausende Touristen täglich. Varenna am Comer See zieht jetzt klare Grenzen.
Seit Anfang Juli gelten im pittoresken Varenna am Ostufer des Comer Sees verbindliche Vorschriften für Urlauber: Wer sich abseits von Stränden oder Bootsanlegern in Badebekleidung oder mit nacktem Oberkörper in der Öffentlichkeit zeigt, muss mit einem Bußgeld zwischen 50 und 200 Euro rechnen. Die Regelung betrifft den Besuch von Geschäften, Gaststätten, Kirchen sowie den gesamten Ortskern. Laut dem italienischen Portal „comozero“ sind die neuen Vorschriften seit Monatsbeginn in Kraft.
Das Dorf zählt gerade einmal 650 Einwohner, wird in den Sommermonaten jedoch von einem Vielfachen an Besuchern regelrecht geflutet. Jährlich empfängt Varenna Hunderttausende Besucher. Die verwinkelten Gassen des historischen Fischerortes stoßen in der Hochsaison regelmäßig an ihre Kapazitätsgrenzen. Bürgermeister Mauro Manzoni betont, dass internationale Gäste willkommen seien, die Lebensqualität der ansässigen Bevölkerung jedoch nicht dauerhaft darunter leiden dürfe.
Neue Gruppenregeln
Neben der Kleiderordnung hat die Gemeinde auch den Umgang mit organisierten Reisegruppen neu geregelt. Gruppen dürfen künftig maximal 25 Personen umfassen, damit die engen Straßen nicht blockiert werden. Auf Gehwegen sind sie verpflichtet, andere Nutzer des öffentlichen Raums nicht zu behindern.
Der Gemeinderat hat die Möglichkeit, für organisierte Gruppen verbindliche Routen festzulegen. Verstöße gehen zulasten des Reiseleiters, der mit Geldbußen zwischen 100 und 400 Euro rechnen muss. Ausgenommen von diesen Regelungen sind Schulklassen auf Exkursionen sowie Oratorien (kirchliche Jugendeinrichtungen).
Wer wiederholt gegen die Vorschriften verstößt, riskiert ein Berufsverbot innerhalb der Gemeindegrenzen von drei bis zwölf Monaten.
Darüber hinaus ist der Einsatz von Lautsprechern durch Fremdenführer im Ortszentrum untersagt, um die Lärmbelastung für die Bevölkerung zu begrenzen.