Ungewöhnlicher Fund in Osttirol: Eine tropische Riesenzecke wurde auf einem Pferd entdeckt. Experten untersuchen nun, ob der bis zu zwei Zentimeter große Blutsauger gefährliche Erreger trägt.
In Österreich wurde die erste Hyalomma-Riesenzecke des Jahres bereits im Mai in der Steiermark entdeckt und als Mitbringsel aus Kroatien identifiziert. Nun melden Experten einen weiteren Fund in Osttirol: Auf einem Pferd in der Gemeinde Lavant wurde ein Exemplar der Art Hyalomma marginatum entdeckt. Die Besitzerin des Tieres schickte den Blutsauger zur Untersuchung an das Infektionslabor von Facharzt Gernot Walder in Außervillgraten, wo die Identifikation als Riesenzecke bestätigt wurde.
Laut aktuellen Daten der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) wurden im Rahmen des österreichweiten Zeckenmonitorings im Jahr 2024 insgesamt 11 Funde der tropischen Zeckenart Hyalomma marginatum bestätigt. Dabei handelt es sich ausschließlich um eingeschleppte Einzelfälle – ein dauerhaftes Vorkommen konnte bisher nicht nachgewiesen werden.
Die genaue Herkunft des Tieres und sein Potenzial als Krankheitsüberträger werden derzeit noch untersucht. „Die Zecke wird derzeit genau untersucht, um sie taxonomisch exakt einzuordnen, allfällige Krankheitserreger zu identifizieren und eventuelle Aufschlüsse über ihre Herkunft zu erhalten“, erklärt Dr. Gernot Walder. Bei dem steirischen Exemplar vom Mai wurden zwar keine Erreger des gefährlichen Krim-Kongo-Hämorrhagischen-Fiebers nachgewiesen, jedoch Rickettsien (Bakterien) – Bakterien, die fieberhafte Infektionen auslösen können.
Gefährliche Krankheitserreger
Das Krim-Kongo-Fieber manifestiert sich durch hohes Fieber, Muskelschmerzen, Schwindel, Lichtscheue, Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und in schweren Fällen durch Blutungen. Eine Impfung existiert nicht; die Behandlung beschränkt sich auf die Bekämpfung der Symptome und bei schweren Verläufen auf die Sicherung der Vitalfunktionen. Die Sterblichkeitsrate liegt zwischen 5 und 30 Prozent.
Infektionen mit Rickettsien können zum Zeckenbissfieber oder Fleckfieber führen. Typische Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen, Hautausschlag sowie ein absterbender Hautbereich an der Einstichstelle, der als Eschar (schwarzer Schorf) bezeichnet wird. Auch hier gibt es keine vorbeugende Impfung, jedoch lassen sich Rickettsiosen mit dem Antibiotikum Doxycyclin behandeln. Ohne Therapie enden diese Infektionen in 40 Prozent der Fälle tödlich.
Das Forschungsteam um Walder untersucht aktuell das betroffene Gebiet in Tirol, um festzustellen, ob es sich um ein eingeschlepptes Exemplar oder einen neu etablierten Naturherd handelt. „Bisher wurde keine weitere Zecke der Gattung Hyalomma nachgewiesen, die Wetterbedingungen waren aber für Zeckennachweise in den letzten Tagen ungünstig“, so der Facharzt. Die Felduntersuchungen werden bei besseren Wetterbedingungen fortgesetzt, wobei Walder anmerkt: „Aufgrund der klimatischen Gegebenheiten ist die Existenz eines lokalen Standvorkommens aber wenig wahrscheinlich“.
Verbreitung und Merkmale
Die Hyalomma-Zecken sind laut Walder vorwiegend in trockenen Steppen- und Buschgebieten des Mittelmeer- und Schwarzmeerraums heimisch. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich bis in den Süden Russlands, Turkmenistan und Pakistan. In Europa konzentrieren sich die größten Vorkommen auf den Balkan, von Bosnien und Serbien südwärts. Auch in Norditalien – im Friaul, Veneto, Trentino und im Tessin – erreichen Naturherde bereits den Alpenrand.
In Österreich wurden bislang ausschließlich eingeschleppte Exemplare gefunden, die hauptsächlich durch Personen- und Güterverkehr, gelegentlich auch durch Zugvögel ins Land gelangen. Die Spinnentiere erreichen eine Größe von bis zu 6,5 Millimetern, im vollgesogenen Zustand sogar bis zu zwei Zentimetern. Charakteristisch sind ihre gestreiften Beine, mit denen sie sich vergleichsweise schnell fortbewegen können.
Europaweit steht die Hyalomma unter Beobachtung, da sie Fleckfieber durch Rickettsia aeschlimanni sowie das Krim-Kongo-Fieber übertragen kann. Ob die in Lavant gefundene Riesenzecke Krankheitserreger in sich trägt, werden weitere Untersuchungen zeigen.
Die in Medien kursierende Bezeichnung als „laufende Riesenzecke, die ihre Opfer verfolgt“ relativiert der Facharzt: „Fakt ist, dass die Hyalomma Erschütterungen im Boden wahrnimmt und sich über längere Strecken darauf hinbewegt. Das geschieht mit Geschwindigkeiten von weniger als 1 km/h – das reicht für äsendes Wild, aber ein Wanderer zieht da locker von dannen.“
Wer eine verdächtige Zecke findet, sollte den Fund umgehend dokumentieren (Ort, Datum, Wirt) und das Tier schonend entfernen. Die Zecke darf weder thermisch noch chemisch behandelt oder zerdrückt werden, sondern sollte in einem verschließbaren Behälter aufbewahrt werden.
Zeckenfunde können außerdem über die MONZEC-App gemeldet werden.