Ein geleaktes Telefonat, gegenseitige Drohungen und ein blockierter EU-Beitritt: Der Westbalkan steht unter Hochspannung.
Ungarn hat die EU-Beitrittsverhandlungen für die Ukraine und Moldau blockiert. Als zentralen Grund dafür nennt Peter Magyar, seit Mai 2026 ungarischer Ministerpräsident, den Westbalkan – eine Haltung, die weithin als unmissverständliches Signal an Serbien gewertet wird.
In Serbien mobilisiert derweil Aleksandar Vucevec die Bevölkerung: Er rief zu einer großen Volksversammlung in Belgrad auf, bei der die aktuelle politische Lage im Land erörtert werden soll.
Brisantes Telefonat
Aus Bosnien-Herzegowina sorgt unterdessen eine Veröffentlichung des Portals „Srpski glasnik“ für Aufsehen: Das Medium hat ein Telefongespräch zwischen Milorad Dodik und Bakir Izetbegovic publik gemacht, das von gegenseitigen Beschuldigungen, Beleidigungen und Drohungen durchzogen ist. Dodik wirft Izetbegovic vor, Pläne zu verfolgen, ihn gewaltsam aus dem Weg zu räumen. Izetbegovic weist das als haltlos zurück.
Der Disput berührt auch grundlegende Fragen – etwa die Auslegung des Dayton-Abkommens von 1995 und die Rolle der Justiz im Land. Das sieben Minuten lange Gespräch beginnt mit Dodiks Vorwurf, Izetbegovic drohe ihm damit, ihn „mit Gewalt zu beseitigen“. Izetbegovic entgegnet, er meine damit ausschließlich rechtliche Mittel – sprich: die Justiz.
Gegenseitige Beschuldigungen
Im weiteren Verlauf überhäufen sich die beiden Politiker gegenseitig mit Anschuldigungen, wobei Izetbegovic Dodik als „Schädling“ bezeichnet, während Dodik ihn als „nützlichen Idioten“ tituliert. Ausgelöst wurde die Eskalation durch einen Auftritt Izetbegovics im Föderalen Fernsehen, in dem er erklärte, Dodiks Situation müsse „mit einer gewissen Gewalt“ gelöst werden.
Dodik reagierte zunächst in den sozialen Medien auf diese Aussage – und griff schließlich zum Telefon, um Izetbegovic direkt zu konfrontieren.