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Reportage

Boxen ist ein ritterlicher Sport

Boxen ist ein ritterlicher Sport
FOTO: Igor Ripak
10 Min. Lesezeit |

Im Boxen gibt es keine Gewalt

In der Öffentlichkeit herrscht oft die Meinung, dass Jungen, die sich für Boxen entscheiden, dazu neigen, „harte Kerle“ zu werden. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus.

„Natürlich gibt es solche Fälle, aber das ist nicht die Regel. Lebhafte Kinder lernen durch das Training, dass Prügeleien auf der Straße nicht der richtige Weg sind. Andererseits kommen auch Jungen zu uns, die schwächlich und zurückhaltend sind, sogar Komplexe haben. Durch die Arbeit mit dem Trainer werden sie stärker und gewinnen das notwendige Selbstvertrauen. Die Veränderungen, die wir bereits nach den ersten Trainingseinheiten beobachten, sind unglaublich. Wir bringen allen Kindern faires Verhalten bei und ich bin sehr stolz auf die Ergebnisse.“

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„Der Boxverband organisiert Programme in ganz Österreich, bei denen spezialisierte Trainer mit Kindern arbeiten,“ erklärt Igor Miketić. FOTO: Igor Ripak

„Ihre Hände können eine tödliche Waffe“

Wir sind Zeugen zunehmender Gewalt in der Familie, auf der Straße, aber auch unter Kindern und Jugendlichen. Boxer sind stark und beherrschen die richtige Technik, daher stellt sich die Frage, ob sie sich immer an den Ehrenkodex halten. „Das sind Einzelfälle. Seit ich an der Spitze des Nationalverbands stehe, gab es keinen Vorfall oder Probleme mit dem Gesetz. Boxer sind sich ihrer körperlichen Fähigkeiten und der Tatsache bewusst, dass ihre Hände eine tödliche Waffe sein können. Sie wissen, dass sie sich selbst sehr schaden würden, wenn sie jemandem auch nur die kleinste Verletzung zufügen würden. Sollte es jedoch zu einem solchen Vorfall kommen, würde der Boxer aus dem Verein und dem Nationalteam ausgeschlossen werden.“

Der Boxverband organisiert Programme in ganz Österreich, bei denen spezialisierte Trainer mit Kindern arbeiten. Die Kinder werden stärker, körperlich widerstandsfähiger und geistig gesund.

„Ich betone, dass die Kinder den Trainer wie einen Elternteil respektieren, was die Akzeptanz von Autorität und die Entwicklung von Respekt fördert, die für das spätere Leben notwendig sind. Wenn Kinder früh mit dem Training beginnen und im Boxsport bleiben, haben sie meist gute Voraussetzungen für eine ernsthafte Karriere. Da Boxen in Österreich nicht ausreichend medial gefördert wird, gibt es auf internationaler Ebene eine Verzögerung von etwa zehn Jahren. Viele derjenigen, die sich für Boxen anmelden, haben einen Migrationshintergrund, sodass uns oft Sportler mit österreichischer Staatsbürgerschaft fehlen, was eine Voraussetzung für den Aufbau einer internationalen Karriere im nationalen Team ist. Zum Beispiel haben wir in einem Club mit 60 Mitgliedern Vertreter aus 33 Nationen. Boxen überwindet sogar Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen, die stark verfeindet sind.“

Weltbekannte Profiboxer

Mohammad Ali gewann eine olympische Goldmedaille und war im Profiboxen dreimaliger Weltmeister im Schwergewicht.

Joe Frazier war ein amerikanischer Boxer, der sowohl olympischer Sieger als auch Weltmeister im Profiboxen war.

Mike Tyson wurde im Alter von 20 Jahren zum ersten Mal Weltmeister im Profiboxen, insgesamt gewann er den Titel dreimal und verteidigte ihn neunmal.

Wir stellen Ihnen die Champions vor

Unter den österreichischen Boxlegenden sind Edip Sekowitsch (geb. Šeković) und Hans Orsolics in Erinnerung geblieben. Eine echte Boxikone ist Marcos Nader, der Europameister im Profiboxen war. Unter den Frauen sind Eva Vorarberger, Weltmeisterin im Profiboxen, und Michaela Kotaskova, zuerst österreichische, dann Weltmeisterin im Profiboxen, die bekanntesten.

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Marcos Nader, europäischer Meister im Profiboxen. FOTO: Igor Ripak

Marcos Nader (34), Boxclub „Bounce“ Wien

„Ich begann im Alter von acht Jahren täglich zu boxen. Im olympischen, also im Amateurboxen, hatte ich 120 Kämpfe mit viel Erfolg. Mit 18 Jahren wurde ich Profiboxer und bereits mit 21 Jahren Europameister. Insgesamt habe ich 29 Profikämpfe bestritten, von denen ich drei verloren, einen unentschieden geboxt und 25 gewonnen habe. Nächstes Jahr im März steht mein letzter Kampf an, danach werde ich meine aktive Boxkarriere beenden. Natürlich werde ich meinem Lieblingssport treu bleiben und zusammen mit meinem Bruder den BC ‘Bounce’ weiterentwickeln. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass wir immer mehr Mädchen haben, die bis zum zwölften Lebensjahr körperlich stärker und besser koordiniert sind als die Jungen. Frauen können genauso gut boxen wie Männer und das gilt auch für Fußball. Ein Drittel unserer Mitglieder sind Mädchen, was uns sehr stolz macht.“

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Sewo Burushyan, zweifacher österreichischer Meister: „Ich möchte im professionellen Boxen antreten, das viel anspruchsvoller ist als das sogenannte Amateurboxen, da die Kämpfe länger dauern.” FOTO: Igor Ripak

Sewo Burushyan (19), Boxclub „Bounce“ Wien

„Ich wurde in Österreich geboren und liebe Boxen seit meiner Kindheit. Mit dem Training habe ich im Alter von elf Jahren begonnen. Zum BC ‘Bounce’ kam ich mit zwölf Jahren und glaubte von Anfang an fest an mich, ich wusste, dass ich eine Karriere machen würde, weil ich entschlossen auf mein Ziel zuging. Ich schaffte es bis ins Nationalteam, dem Boxer im Alter von 18 bis über 30 Jahren angehören. Ich kämpfe im Leichtgewicht (bis 60 kg) und habe bisher viele Medaillen gewonnen, wobei das Wichtigste ist, dass ich zweifacher österreichischer Meister bin und bald auf ein drittes Gold hoffe. Beim internationalen Boxturnier in Schwerin (Deutschland) habe ich 2023 den ersten Platz belegt. Ich möchte mich auch im Profiboxen versuchen, das weitaus anspruchsvoller ist als das sogenannte Amateurboxen, da die Kämpfe über mehrere Runden gehen. Ich bin sehr diszipliniert und halte mich an die sportlichen Regeln und Ratschläge meiner Trainer. Das letzte Mal hatte ich in der Grundschule einen Konflikt, aber seitdem ich boxe, hatte ich nie das Bedürfnis, auf Provokationen zu reagieren. Rechtlich gesehen werden meine Hände als Waffen betrachtet, deshalb möchte ich sie auch nur im Sport einsetzen.“

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VM Vera M.
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