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DIE WICHTIGSTEN FRAGEN

Coronavirus: Was wir über die neue Impfung (nicht) wissen

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Symbolbild (FOTO: iStockphoto)

Der Impfstoff von Pfizer/BioNTech wird vermutlich ab 2021 in der EU verabreicht. In Großbritannien haben die ersten Impfungen schon begonnen. Doch einige Fragen zu dem Wirkstoff sind immer noch offen.

Am 8. Dezember 2020 um 7:31 Uhr war es so weit: Die erste Person bekam in Großbritannien die neu zugelassene Corona-Impfung von Pfizer/BioNTech verabreicht: Die 90-jährige Britin Margaret Keenan. Sie fühlte sich „sehr privilegiert“. Hierzulande wird man noch etwas auf die Impfung warten müssen, aber vielleicht ist das auch gut so? Immerhin gibt es noch einige Fragen, die in Bezug auf den Impfstoff noch ungeklärt sind. KOSMO hat für euch zusammengefasst, was wir bisher über die neuartige Corona-Impfung (nicht) wissen.

Wie schnell sind die Geimpften immun?
Vom Impfstoff BNT162b2 von Pfizer/BioNTech müssen zwei Dosen (zu je 30 Milligramm) verabreicht werden, damit die Vakzine schützt – gleiches gilt übrigens auch für die Impfstoffe von Moderna und AstraZeneca. Der Abstand zwischen den beiden Impfungen muss mindestens 40 Tage betragen. Eine Woche nach der zweiten verabreichten Impfdosis sollte die Schutzwirkung da sein. Ob und wie gut der Impfstoff schon vorher schützt, ist bislang nicht bekannt. Daher ist es besonders für gefährdete Menschen wichtig, sich auch nach der ersten Impfdosis zu schützen.

Wie wirksam ist der Impfstoff?
Laut Herstellern verhindert er 95 Prozent der Covid-19-Erkrankungen. Das entspricht einer Wirksamkeit von 95 Prozent. Dies zeigten auch die Studiendaten von über 43.000 Probanden. Unklar ist allerdings noch, „ob nur die Krankheit verhindert wird oder ob auch die Infektion verringert wird“, so BioNTech-Gründer Ugur Sahin in einem Interview mit RTL. Ebenfalls noch offen ist, ob der entwickelte Impfstoff auch verhindert, dass das Virus weitergegeben wird: „Dazu können wir in circa zwei bis sechs Monaten weitere Informationen geben.“

„Es ist noch unklar, ob nur die Krankheit verhindert wird oder ob auch die Infektion verringert wird“

BioNTech-Gründer Ugur Sahin

Wie lange hält der Impfschutz an?
Auch das lässt sich derzeit noch nicht konkret sagen. Insgesamt sollen sowohl die Schutzwirkung als auch eventuelle Nebenwirkungen über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet werden, erklärten die Hersteller. Der Biontech-Chef selbst geht jedoch derzeit davon aus, dass die Impfung etwa ein Jahr gegen das Coronavirus immun hält, wie „FR.de“ schreibt.

Wie funktioniert der Wirkstoff BNT162b2?
BNT162b2 ist ein sogenannter mRNA-Impfstoff. Vakzine dieser Art sind bisher noch nie zum Einsatz gekommen! Sie enthalten genetische Informationen über ein oder mehrere Proteine des Coronavirus, die nur von einigen wenigen Zellen im menschlichen Körper aufgenommen werden kann. Wird der Impfstoff injiziert, so soll das Immunsystem dann für eine begrenzte Zeit selbst (ungefährliches) Virusprotein bilden. Dieses bewirkt dann wiederum – wie bei konventionellen Impfstoffen auch –  den Aufbau des Immunschutzes. Die Kandidaten von unter anderem Moderna und CureVac basieren auf dem gleichen Prinzip.

Mit welchen Nebenwirkungen muss man rechnen?
LautPfizer/BioNTech würden alle Altersgruppen den Impfstoff ähnlich gut vertragen und er würde überall ähnlich gut funktionieren. Bisher seien zudem keine ernsten Nebenwirkungen – also lebensbedrohliche Folgen, die eine Spitalbehandlung notwendig machen oder zu dauerhaften Beeinträchtigungen führen – aufgetreten: „Die einzigen unerwünschten Nebenwirkungen 3. Grades (schwerwiegend) nach der ersten oder zweiten Dosis waren Müdigkeit (bei 3,8 Prozent der Probanden) und Kopfschmerzen (bei 2 Prozent der Teilnehmer)“, heißt es.

Vor allem leichte bis moderate Nebenwirkungen, wie man sie auch von bekannten Impfungen kennt, seien vorgekommen. Dazu zählen etwa: Rötungen und Schmerzen an der Einstichstelle, Gelenk- oder Muskelschmerzen und Fieber. Auch Schüttelfrost, Müdigkeit und Erschöpfung kamen vor. Die Effekte waren aber alle von kurzer Dauer, so die Hersteller.

Die Aussagen basieren auf den Beobachtungen von mindestens zwei Monaten, in denen die Impfstoff-Probanden begleitet wurden. Aufgrund von Statistiken geht man davon aus, dass fast alle Nebenwirkungen von Impfungen in den ersten sechs Wochen auftreten. Ob es bei dieser Corona-Impfung Langzeitnebenwirkungen gibt, kann man derzeit noch nicht sagen, denn dafür sei sie einfach noch zu neu.

Welche Risiken birgt die mRNA-Methode?
Keine. Die verwendete Methode kommt zwar tatsächlich das allererste mal in einem Impfstoff zur Anwendung, doch sie stützt sich auf 20 Jahre Grundlagenforschung. Zudem wird schon lange an der Methode geforscht – zur Vorbeugung viraler oder bakterieller Infektionskrankheiten und für die Behandlung von Krebserkrankungen. Mit letzterem hat BioNTech schon jahrelange Erfahrung.

Viele Kritiker äußerten jedoch die Angst, der Impfstoff könnte ins genetische System des Menschen eingreifen, sprich eine „Genmanipulation“ durch die Impfung stattfinden. Diese ist jedoch laut Experten wie Carlos Guzmán vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig nicht gerechtfertigt. Auch der Immunologie-Professors Carsten Watzl von der Technischen Universität Dortmund bekräftigte gegenüber dem ZDF: Eine Genmanipulation durch den Impfstoff von BioNTech und Pfizer ist „ganz sicherlich nicht der Fall“.

Der BioNTech-Gründer hat sich selbst noch nicht impfen lassen. Ein schlechtes Zeichen?
Nein. Das ist nur noch nicht möglich, denn: „Wir haben ja noch keine Zulassung in Deutschland“, wo das Unternehmen seinen Sitz hat, so BioNTech-Gründer Sahin. „Daher darf ich noch keinen Impfstoff nehmen. Sobald das aber möglich ist, würde ich das natürlich gerne machen.“ Falls die deutschen Impfstoffempfehlungen es zulassen würden, würde man auch gerne die BioNTech-Mitarbeiter impfen lassen, „weil sie systemrelevante Arbeit leisten“.

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Ist die Impfung der Anfang vom Ende der Pandemie?
Es ist zumindest ein erster großer Schritt in die Richtung. Doch Experten rechnen nicht vor Ende 2021mit einem Ende der Pandemie. Auch Sahin geht von einer Rückkehr zur Normalität frühestens im Winter 2021 aus. Dafür sei es jedoch „absolut essenziell“ vor dem Herbst eine hohe Impfquote zu erreichen. Das braucht neben der Bereitschaft der Menschen auch ausreichend Dosen Impfstoff, die nicht nur produziert, sondern auch verteilt und ausgeliefert werden müssen. Das alles kostet Zeit und birgt auch immer das Risiko von Rückschlägen.

Und das Impfen an sich braucht natürlich auch seine Zeit: „Wenn man etwa pro Tag 100.000 Menschen impfen würde, braucht man 150 Tage, um 15 Millionen Menschen zu impfen“, so Thomas Mertens, Virologe und Vorsitzender der Ständigen Impfkommission in Deutschland, gegenüber deutschen Medien.

Quellen und Links: