Jedes Jahr, pünktlich zum Sommer, wird die U4 zur Baustellenlinie. Die grüne Strecke zwischen Schottenring und Friedensbrücke ist seit 28. Juni bis in den Herbst gesperrt – Grund: die über 120 Jahre alte Tunnelinfrastruktur muss dringend saniert werden.
Die heutige U4 basiert auf einer historischen Stadtbahnstrecke, die zwischen 1898 und 1901 errichtet wurde. Diese über 100 Jahre alte Infrastruktur erfordert umfangreiche Instandhaltungsarbeiten – von Gleisen über Tunnelträger bis zu Weichen.
Genau diese Gründe legen den Fahrplan lahm: Tunnelträger unter dem Franz‑Josefs‑Kai, Stahlbetonstützen und Tunneldecken müssen generalüberholt werden – das ist nur möglich, wenn man den Betrieb komplett einstellt.
Das Projekt „NEU4“
Unter dem Titel NEU4 investieren Stadt Wien und Wiener Linien mehr als 300 Millionen Euro, um die alte Strecke grundlegend zu sanieren. Die umfangreichen Maßnahmen im Überblick:
- Ausbau und Erneuerung von Gleisen, Weichen und Tunneldecken
- Erneuerung von Stellwerken und Wendeanlagen
- Modernisierung historischer Otto‑Wagner‑Stationen
- Wiedermontage von Aufzügen, Kabelarbeiten und mehr
Dabei arbeiten die Wiener Linien meist nachts. Doch bei den großen Sanierungsabschnitten – wie auf der offenen Strecke – bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die U4 mittelfristig zu sperren.
Sperre zwischen Schottenring & Friedensbrücke
Aktuell – vom 28. Juni bis etwa 1. September – wird erstmals der Abschnitt Schottenring–Friedensbrücke gesperrt. Damit wird die Linie in zwei Hälften getrennt, dazu gibt es verstärkten Ersatzverkehr: die Straßenbahnlinien E4, D, und 71 übernehmen den Anschluss. Der Grund: „beengte Platzverhältnisse im Tunnel“ und der Bedarf an zeitlich abgestimmten Bauphasen.
Warum gerade die U4?
- Alter & Konstruktion: Die U4 zeichnet sich durch ihre historische Bausubstanz aus – Weichen, Tunnel, Tragwerke – das macht sie zur anfälligsten Linie im Netz.
- Verzahnte Projekte: Modernisierung und Parallelprojekte – etwa die U2-Verlängerung oder Pilgramgasse‑Umbau – verlangen koordinierte Sperren, die nur im Hochsommer möglich sind.
- Geringere Nutzerzahlen: Weniger Pendler in den Ferien macht den Sommer für Bauarbeiten zur idealen Zeit.
Die Wiener Linien kombinieren Ersatztramlinien, Pendelbusse und zusätzliche Züge, um das Ausfallgebiet zu überbrücken. Trotzdem bleibt Geduld gefragt: Umwege und längere Fahrzeiten gehören zum Baustellen-Sommer dazu.
Blick in die Zukunft
Nach dem heurigen Sommer endet NEU4 offiziell nicht – denn es stehen noch Bahnsteigsanierungen (z. B. bei Wien Mitte) und zusätzliche Gleisarbeiten an. Aber das Großprojekt neigt sich dem Ende zu; 2026/27 soll die U4 in deutlich verbesserter Verfassung sein. Danach bleibt die Linie jedoch im Alltag durch kleinere, gezielte Projekte begleitet.