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KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL

Den Haag: Verschwörungstheorien und ungeklärte Tode

Kriegsverbrechertribunal in Den Haag
(FOTO: Wikimedia Commons/ICTY staff)

Der bosnisch-kroatische General Slobodan Praljak war der Dreizehnte, für dessen Tod der der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) auf die eine oder andere Weise „schuld“ sei – dies behaupten zumindest Haag-Gegner und Verschwörungstheoretiker.

Seit Praljaks Gift-Selbstmord ist das Kriegsverbrechertribunal von Den Haag wieder in aller Munde. Der General vergifte sich demonstrativ und vor den Augen der Weltöffentlichkeit mit Zyankali, nachdem ihn der Richter zu 20 Jahren Haft verurteilte. Dies war jedoch nicht der einzige dubiose Todesfall, welcher in Verbindung mit dem Tribunal steht.

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„Dieser Vorfall war bereits das zweite Mal, dass verbotene Substanzen in das Tribunal gelangten“, so Florence Hartmann, welche mit dieser Aussage auf Slobodan Milošević verwies.

 

Während knapp zwei Jahrzehnten Arbeit, verlor das ICTY alle zwei Jahre einen Angeklagten bzw. Verurteilten. Noch viel höher fällt diese Zahl aus, wenn man die „Tode aus ungeklärten Umständen“, die einigen wichtigen Zeugen wiederfahren sind, miteinberechnet.

Milan Babić
Am 5. März 2006 nahm sich der politische Anführer der nicht anerkannten Republik Serbische Krajina (1991 -1995) in der Zelle das Leben. Der Selbstmord wurde zwar vonseiten des ICTY bestätigt, jedoch wurde die Todesursache niemals offiziell veröffentlicht. Damals berichtete die New York Times, dass er sich mit seinem eigenen Ledergurt erhängt haben soll.

WEITERE FÄLLE: Auch um Slavko Dokmanović, Milan Kovačević, Zdravko Tolimir, Ljubiša Beara, Mile Mrkić, Goran Hadžić, Đorđe Đukić und Miomir Talić und deren Tode ranken sich ebenso Gerüchte und Theorien, dass der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien auf die eine oder andere Weise direkt mitgewirkt haben soll.

 

Vlajko Stojiljković
Der ehemalige Innenminister Serbiens wurde für Verbrechen gegen die Menschlichkeit beschuldigt und noch bevor er sich dem Gericht in Den Haag stellen musste, schoss er sich am 11. April 2002 vor dem damaligen Gebäude des Parlaments der Republik Jugoslawien in Belgrad selbst in den Kopf.

Dies tat er Stojiljković nachdem ein Gesetzt zur verpflichtenden Kooperation mit dem Tribunal in Den Haag verabschiedet wurde. Zwei Tage darauf verstarb er in Belgrad.

Bereits einige Stunden nach dem Miloševićs Ableben tauchten zahlreiche Verschwörungstheorien auf. (FOTO: zVg.)

Slobodan Milošević
Die Liste der Toten ist zwar lang, jedoch ranken sich um keinen anderen Tod mehr Gerüchte und Verschwörungstheorien als um jenen des ehemaligen Präsidenten Jugoslawiens Slobodan Milošević.

Noch bevor er verurteilt werden konnte, verstarb er am 11. März 2006 an einem Herzinfarkt, da er die verschriebenen Medikamente nicht regulär eingenommen und Selbstmedikation betrieben haben soll.

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Angeblich soll Milošević zwei Tage vor seinem Ableben einen Brief an das russische Außenministerium geschrieben haben. Darin behauptet er, dass in seinem Blut Antibiotikarückstände gefunden wurden, obwohl er nie welche eingenommen hätte. Gleichzeitig sollen die nachgewiesenen Antibiotikarückstände die Wirkung seiner Medikamente zur Stärkung des Herzmuskels neutralisiert haben.
Bereits einige Stunden nach dem Ableben Miloševićs tauchten zahlreiche Verschwörungstheorien auf.

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So erklärte der Toxikologe Donald Uges in einem Interview mit Reuters, Milošević könnte das Antibiotikum absichtlich genommen haben, um aus Gesundheitsgründen vom ICTY nach Moskau freigelassen zu werden, wo er bestimmt die Freiheit bekommen hätte.

Allerdings gibt es auch Gegentheorien, welche behaupten, dass das Tribunal Milošević selbst getötet habe, nachdem klargeworden sei, dass Indizien für einen Schuldspruch nicht ausreichen würden.

Zeugen verstarben „plötzlich“
Gleich 19 wichtige Zeugen im Fall des früheren kosovarischen Feldkommandeurs und heutigen Premiers Ramush Haradinaj verstarben unerwartet. Einige von ihnen wurden sogar ermordet, obwohl unter dem Zeugenschutzprogramm des ICTY standen.

Haradinaj musste sich für Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vor Gericht verantworten und wurde schließlich – zum Missfallen seiner Gegner – in allen Anklagepunkten freigesprochen.

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Slobodan Praljaks Selbstmord vor den Augen der Öffentlichkeit im Den Haager Gerichtssaal sorgte für eine Welle an unterschiedlichen Reaktionen. Nicht nur die Balkanregion, sondern auch international wurde die Selbstvergiftung des Generals heftig kommentiert.

 

Ein weiterer Zeuge, allerdings im Fall Ratko Mladić, wurde am 22. Oktober 2015 tot in seinem Hotelzimmer in Den Haag aufgefunden. Dušan Dunjić sei ein Schlüsselzeuge für die Verteidigung des Befehlshabers der bosnischen Serben gewesen und verstarb an genau jenem Tag, an welchem er vor Gericht aussagen musste. Ein gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker und Haag-Gegner.

Während das Tribunal offiziell verlautbarte, dass Dunjić an einem natürlichen Tode starb, beteuerten die Anwälte, dass er bei bester Gesundheit gewesen sei.

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