Mit großem Auftritt kam McDonald’s nach Bosnien und Herzegowina – und verschwand Jahre später nahezu lautlos wieder. Hinter dem Rückzug des Fast-Food-Konzerns steht ein lokaler Franchise-Nehmer, gegen den sich Vorwürfe, Gerichtsverfahren und wirtschaftliche Probleme häuften.
Als McDonald’s im Juli 2011 sein erstes Restaurant in Sarajevo eröffnete, glich die Veranstaltung eher einem Staatsakt als einer Fast-Food-Premiere. Ein Mitglied des dreiköpfigen Staatspräsidiums von Bosnien und Herzegowina nahm ebenso teil wie hochrangige Vertreter aus Politik und Stadtverwaltung. Die neue Filiale in der zentralen Marschall-Tito-Straße wurde von vielen als Symbol westlicher Normalität wahrgenommen.
In den ersten Wochen bildeten sich lange Warteschlangen, der Andrang war enorm. McDonald’s war in Bosnien angekommen – zumindest äußerlich erfolgreich.
Doch betrieben wurde das Restaurant nicht direkt vom Konzern, sondern vom lokalen Franchise-Unternehmen Gliese 581g, benannt nach einem Exoplaneten. Inhaber des Unternehmens war der Unternehmer Haris S., der sich die McDonald’s-Lizenz für Bosnien gesichert hatte.
Der Bruch mit der Bank
Der Wendepunkt kam mehrere Jahre später. Laut Berichten mehrerer regionaler und internationaler Medien fiel der Raiffeisen Bank auf, dass über einen längeren Zeitraum hinweg Mietzahlungen für das Restaurant ausblieben. In der Folge kam es zu Gerichtsverfahren, in denen die Bank offene Forderungen in Höhe von mehreren hunderttausend Euro geltend machte.
Nach Darstellung der Bank blieben die Zahlungen trotz mehrfacher Mahnungen aus. Gleichzeitig berichteten Medien über einen luxuriösen Lebensstil des Franchise-Nehmers – ein Kontrast, der in der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend Fragen aufwarf. Offizielle Nachweise darüber, wofür Unternehmensgelder konkret verwendet wurden, liegen öffentlich jedoch nicht vor.
Parallel dazu ließ der anfängliche Kundenansturm nach. In Analysen wurde darauf hingewiesen, dass McDonald’s in Bosnien preislich deutlich über lokalen Angeboten lag. Gerade in Sarajevo, wo frisch gegrillte Speisen wie Ćevapi fest zum Alltag gehören, verlor das Konzept zunehmend an Attraktivität.
Politische Verstrickungen
Zusätzlich zu den finanziellen Problemen wurden weitere Vorwürfe laut. Medien berichteten über Unregelmäßigkeiten beim Wasserverbrauch des Restaurants, die Gegenstand interner Prüfungen gewesen sein sollen. Offizielle gerichtliche Feststellungen dazu sind jedoch bislang nicht bekannt.
Für zusätzliche Irritationen sorgte schließlich das politische Engagement des Franchise-Nehmers. Lokale Medien berichteten, dass das Restaurant zeitweise mit politischen Botschaften und Symbolen im Zusammenhang mit der Partei der Demokratischen Aktion (SDA) in Verbindung gebracht wurde. Nach Angaben aus Konzernkreisen widerspricht politische Werbung jedoch den Franchise-Richtlinien von McDonald’s.
Der Konzern selbst äußerte sich öffentlich nicht im Detail zu diesen Vorwürfen. Fest steht jedoch: Die Kombination aus rechtlichen Auseinandersetzungen, wirtschaftlichen Problemen und Reputationsrisiken führte zu einer Eskalation.
Lizenzentzug und leiser Abgang
Ende 2022 zog die McDonald’s-Zentrale die Konsequenzen. Der Konzern entzog dem Franchise-Unternehmen Gliese 581g die Lizenz. In der Folge wurden alle McDonald’s-Restaurants in Bosnien und Herzegowina geschlossen. Eine große Pressekonferenz oder öffentliche Erklärung blieb aus – der Rückzug erfolgte nahezu geräuschlos.
Branchenberichte bestätigten lediglich den Lizenzentzug, ohne sich zu einzelnen Vorwürfen detailliert zu äußern. Für McDonald’s war es das Ende eines über zehnjährigen Engagements im Land.
Nach Medienberichten reichte McDonald’s Schadensersatzklagen gegen den ehemaligen Franchise-Nehmer ein. Die Verfahren sind noch anhängig. Ob und in welcher Höhe Schadenersatz zugesprochen wird, ist offen.