Eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung hat die im vergangenen Jahr von US-Präsident Donald Trump aufgestellte Behauptung über einen angeblichen Zusammenhang zwischen Paracetamol-Einnahme während der Schwangerschaft und Autismus klar widerlegt. Trump hatte im September von einem „meteorhaften Anstieg“ von Autismusfällen gesprochen und das Schmerzmittel als mögliche Ursache genannt.
Studie widerlegt Zusammenhang
Ein internationales Forscherteam hat nun in einer in der Fachzeitschrift „The Lancet Obstetrics, Gynaecology and Women’s Health“ veröffentlichten Studie sämtliche verfügbaren wissenschaftlichen Daten zu diesem Thema ausgewertet. Die Wissenschaftler durchforsteten systematisch Forschungsdatenbanken nach allen relevanten Untersuchungen, die Risikoabschätzungen für Autismus, ADHS und geistige Behinderungen im Zusammenhang mit Paracetamol-Einnahme während der Schwangerschaft enthielten.
In die Analyse flossen nur Studien ein, die Schwangerschaften mit und ohne Paracetamol-Exposition verglichen und dabei validierte Fragebögen oder medizinische Aufzeichnungen zu den gesundheitlichen Folgen heranzogen.
Umfassende Datenanalyse
Die Wissenschaftler bezogen insgesamt 43 Studien in ihre systematische Überprüfung ein, wobei 17 davon in eine Meta-Analyse einflossen – ein Verfahren, bei dem Ergebnisse aus mehreren Studien systematisch kombiniert werden. Besonders aussagekräftig waren dabei die sogenannten Geschwistervergleichsstudien, die Kinder derselben Mutter verglichen, wobei die Mutter in einer Schwangerschaft Paracetamol einnahm und in einer anderen nicht.
Das Ergebnis ist eindeutig: Die Forscher fanden keinen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft und einem erhöhten Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS oder geistige Behinderungen. „Die aktuellen Beweise deuten nicht auf einen klinisch bedeutsamen Anstieg der Wahrscheinlichkeit dieser Entwicklungsstörungen bei Kindern hin“, so das Fazit der Studienautoren.
Experteneinschätzungen
Professorin Asma Khalil, Hauptautorin der Studie und Fachärztin für Geburtshilfe und fetale Medizin am St. George’s Hospital in London, betont die Bedeutung dieser Erkenntnisse: „Wir fanden keinen klinisch relevanten Anstieg des Risikos für Autismus, ADHS oder geistige Behinderung bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft Paracetamol einnahmen.“ Sie unterstreicht: „Das ist die wichtige Botschaft an die Millionen von Schwangeren: Paracetamol ist in der Schwangerschaft sicher anzuwenden.“
Auch Gráinne McAlonan, Professorin für translationale Neurowissenschaften am King’s College London, begrüßt die Ergebnisse: „Werdende Mütter brauchen nicht den Stress, sich zu fragen, ob das am häufigsten gegen Kopfschmerzen eingesetzte Medikament weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit ihres Kindes haben könnte.“ Sie hebt die methodische Qualität der Untersuchung hervor: „Diese gründliche und klare Studie ging die Frage an, indem sie sowohl eine umfangreiche systematische Überprüfung der Literatur als auch eine Meta-Analyse geeigneter Studien durchführte.“
Experten hoffen nun, dass diese aktuelle Studie die Debatte um die Sicherheit von Paracetamol während der Schwangerschaft endgültig zum Abschluss bringen wird.
Die wissenschaftliche Evidenz spricht klar gegen einen Zusammenhang zwischen der Einnahme des Schmerzmittels und einem erhöhten Autismusrisiko.