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Studie

Diabetesmedikament Ozempic soll zu schwerem Sehverlust führen

(FOTO: iStock/Douglas Cliff)
(FOTO: iStock/Douglas Cliff)

In einer aktuellen Untersuchung wird vor den möglichen Risiken eines beliebten Diabetesmedikaments gewarnt. Semaglutid, bekannt unter den Handelsnamen Ozempic und WeGovy, könnte laut dieser Studie die Gefahr einer speziellen Augenerkrankung erhöhen.

Eine Gruppe von Medizinern an der Augenklinik der Harvard Medical School hat während des vergangenen Sommers eine besorgniserregende Entdeckung gemacht. Eine auffällig hohe Anzahl von Patienten, die alle das Medikament Semaglutid nutzten, litten unter einer seltenen Augenkrankheit. Dabei handelt es sich um eine nicht-arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (Naion). Diese Erkrankung führt typischerweise zu einem unerwarteten, möglicherweise bleibenden Sehverlust auf einem Auge, verursacht durch den gestörten Blutfluss zum Sehnerv.

Umfassende Datenanalyse

Vor dem Hintergrund dieser Beobachtungen untersuchten Forscher unter der Leitung von Jimena Tatiana Hathaway zahlreiche Patientendaten: Im Zeitraum zwischen dem 1. Dezember 2017 und dem 30. November 2023 wurden 16.827 Fälle ausgewertet, darunter sowohl Semaglutid-Anwender als auch Personen, die andere Medikamente erhielten. Von der untersuchten Gruppe waren 710 Personen an Typ-2-Diabetes und 979 an Übergewicht oder Fettleibigkeit erkrankt. Die Studienergebnisse, publiziert im Fachjournal „Jama Ophthalmology“, offenbarten ein deutlich erhöhtes Naion-Risiko bei Personen, die Semaglutid nahmen: 8,9 Prozent bei Diabetikern im Vergleich zu 1,8 Prozent bei der Einnahme anderer Medikamente. Bei den übergewichtigen Patienten war das Risiko mit 6,7 Prozent in der Semaglutid-Gruppe sogar höher als die 0,8 Prozent in der Vergleichsgruppe.

Weitere Forschung nötigt

Während die Forscher selbst darauf hinweisen, dass ihre Ergebnisse lediglich auf einen möglichen Zusammenhang deuten und keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen, unterstreicht auch Graham McGeown von der Queen’s University Belfast die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen. Angesichts der steigenden Verbreitung von Semaglutid sei es essentiell, diese potenziellen Risiken gründlich zu erforschen.

Hersteller Novo Nordisk skeptisch

Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk, Hersteller der Medikamente Ozempic und WeGovy, zeigt sich von den Studienergebnissen bislang unbeeindruckt. Eine direkte Verbindung zwischen Semaglutid und der Augenerkrankung sei durch die aktuelle Studie nicht belegt. Dennoch versichert das Unternehmen, Berichte über Nebenwirkungen ernst zu nehmen und sorgfältig zu prüfen.