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GESUNDHEIT

Dr. Petrović: „Asthma-Spray hilft nicht allen Corona-Patienten“

Dr. Miloš Petrović arbeitete ein Jahr in der Covid-Abteilung der Klinik Wien-Hietzing. (FOTO: zVg.)

Die Impfung – eine Glaubensfrage

Bei vielen Menschen ist ein Misstrauen spürbar und sie lehnen die Impfung ab. Wie erklären Sie sich das?
Ich verstehe Menschen, die zu 100 Prozent für die Impfung sind, aber auch die, die dagegen sind. Heute sind über das Internet viele Informationen für alle verfügbar, wahre ebenso wie falsche, und das weckt bei einigen Menschen Zweifel und Angst. Es gibt auch Impfgegner, die häufig Begriffe vermischen und starrköpfige Kampagnen gegen alle Formen der Immunisierung führen. Ich treffe in der Praxis auf Menschen, die nicht gegen Impfungen sind, sondern nur warten möchten, um zu sehen, wie es damit weitergeht. Leider führt all das zu einer Verringerung der Chancen, die Pandemie zu besiegen. Von der Geschwindigkeit der Impfungen hängt auch das Ende des Lockdowns ab, in dem wir schon zu lange leben und der für uns alle sehr anstrengend ist. Dennoch verstehe ich die Verwirrung der Menschen, die über die Medien mit widersprüchlichen Informationen bombardiert werden.

Angeblich verursachen die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson&Johnson Thrombosen. Halten Sie sie für gesundheitsschädlich?
Das Problem ist, dass sich die Politik in Dinge eingemischt hat, mit denen sie sich gar nicht beschäftigen sollte, weil sie ein Thema für Fachleute sind. Leider werden die Empfehlungen der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) nicht in allen Mitgliedsländern der EU einheitlich umgesetzt. Infolgedessen kommt es zu politischen Entscheidungen, die mit Medizin nichts zu tun haben. AstraZeneca hat der EU keine hinreichende Menge an Impfstoffen geliefert, weil Großbritannien das Vierfache dafür gezahlt hat, und das hat zu politischen Reaktionen geführt. Es ist logisch, dass die Menschen sich fragen, welche Impfstoffe gut sind und welche nicht. Aber Tatsache ist, dass alle Vakzinen die Testphase drei durchlaufen haben. Man muss allerdings auch offen sagen, dass alle gewisse Nebenwirkungen haben. Und es kann auch jedes Medikament, dass wir regelmäßig einnehmen, Begleitbeschwerden auslösen. Thrombosen sind in 15 Fällen unter einer Million geimpfter Personen aufgetreten. In Fällen aktiver Corona treten sie 1.600-mal häufiger auf!

„Die Politik mischt sich in Dinge ein, mit de-nen sie sich gar nicht beschäftigen sollte.”

Dr. Miloš Petrović

Ist die Angst vor den mRNA-Impfstoffen, von denen behauptet wird, sie könnten die DNA der Geimpften verändern, berechtigt?
Das ist ausgeschlossen, denn mRNA kann absolut nicht in unsere DNA gelangen, das ist unmöglich! Die Veränderung des genetischen Codes durch eine mRNA-Impfung ist einfach unmöglich, das ist auch nicht ihr Sinn. Die Menschen fürchten sich vor der neuen Generation der mRNA-Impfungen, weil sie neu sind. Aber man muss wissen, dass schon über zehn Jahre lang an ihnen gearbeitet wird und dass sie nicht im letzten halben Jahr entstanden sind. Die Arbeit an ihnen wurde beschleunigt, aber sie haben alle Tests durchlaufen und sind sicher.

Die Regierung hat den Kauf des russischen Impfstoffs SputnikV angekündigt, aber die EMA gibt ihm kein grünes Licht. Wie denken Sie darüber?
Als Arzt könnte ich nicht sagen, ob es da um Geopolitik geht, wie oft behauptet wird. Dieser Vektorimpfstoff wird in vielen Ländern verwendet, Millionen Menschen haben ihn bereits erhalten und bisher sind keine großen Nebenwirkungen aufgetreten. In der Zeitschrift The Lancet, die sozusagen die Bibel unter den medizinischen Zeitschriften ist, wurde viel über SputnikV geschrieben und es wurde festgestellt, dass die Wirksamkeit der Vakzine 91,6 % beträgt. Das ist glaubwürdig und ich hoffe, dass der russische Impfstoff bald auch in der EU eingesetzt wird.

CITAT

Es heißt, dass bald auch Kinder geimpft werden können, obwohl das noch vor einigen Monaten als ausgeschlossen galt. Können wir auf die Sicherheit unserer Jüngsten vertrauen?
In Amerika wird derzeit eine Studie durchgeführt, die die Wirksamkeit des Impfstoffs von Biontech/Pfizer bei Kindern im Alter unter zwölf Jahren zeigen soll. Leider sind die Mutationen des Virus ein Problem. Der britische Stamm hat dazu geführt, dass in dem Krankenhaus, in dem ich gearbeitet habe, viele Patienten im Alter zwischen 30 und 40 liegen, und der Jüngste, der verstorben ist, war nur 23 Jahre alt und hatte keine Vorerkrankungen. Wie Sie sich erinnern, waren die meisten Erkrankten der ersten und zweiten Welle älter als 70 Jahre! All das zeigt, dass unsere Kinder durch das mutierte Virus, das sich auch in der älteren Bevölkerung leichter ausbereitet, in Gefahr geraten sind. Wir könnten also in die Situation geraten, dass die Impfung, die wir bekommen haben, nicht mehr wirksam ist.

Wie lange hält der Impfschutz an?
Das weiß leider noch niemand. Die Impfstoffproduzenten untersuchen derzeit die Wirkungsdauer. Eine Immunitiät besteht mit Sicherheit, auch wenn sie mit der Zeit nachlässt. Und wenn man dann Corona bekommt, dann sind das sehr leichte Fälle. Ich habe nicht gehört, dass irgendein Patient damit im Krankenhaus gelandet ist. Schon das bedeutet viel, denn der Unterschied zwischen den häuslichen Bedingungen und der Intensivpflege ist groß. Das ist besonders wichtig, seitdem die mutierten Virusstämme aus Großbritannien und Südafrika aufgetreten sind.

Die meisten Erkrankten in der ersten und zweiten Welle waren älter als 70. Die neuen Virus-Mutationen stellen aber eine größere Gefahr für Jugendliche und Kinder.

Und wie lange halten sich die Antikörper, die infolge einer Infektion entstanden sind, im Organismus?
Studien zeigen, dass die Antikörper nach einer überstandenen Erkrankung sechs bis acht Monate im Organismus bleiben. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, in denen Menschen zwei- oder dreimal Corona bekommen, aber das sind extreme Fälle, die durch das Immunsystem bedingt sind. Die Empfehlung ist, sich nach Ablauf der genannten Zeitdauer impfen zu lassen. Es reicht dann jedoch eine Dosis.

Was raten Sie Patienten, die positiv auf Corona getestet werden?
Ich würde allen raten, ein Pulsoximeter zu kaufen, das man in jeder Apotheke bekommt, und die Sauerstoffsättigung im Blut zu messen. Wenn der Wert unter 92 % fällt, ist das ein Zeichen, dass Corona in die Lunge gelangt ist und dass man einen Arzt aufsuchen muss. Ansonsten sind Ruhe, viel Entspannung und Schlaf sehr wichtig und man sollte auch ab dem ersten Tag der Erkrankung Vitamintabletten einnehmen. Einige Studien haben keine besonders hilfreiche Wirkung des Vitamins D gezeigt, aber ich empfehle es meinen Patienten immer. Wichtig ist zu wissen, dass nach der überstandenen Erkrankung das Post-Covid-Syndrom auftreten kann. Das bedeutet, dass die Patienten wochen- oder sogar monatelang müde und kaum belastbar sind und unter Kurzatmigkeit leiden.

Kontakt:
Dr. Miloš Petrović
Brünner Strasse 219/A1, Top 10
1210 Wien
Telefon: 01 8906080

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