Der polnische E-Commerce-Riese Allegro trennt sich von seinen verlustbringenden Geschäften in Kroatien und Slowenien. Die bekannten Online-Plattformen Mimovrste und Mall.hr gehen an die deutsche Investmentgesellschaft Mutares, die auf die Sanierung kriselnder Unternehmen spezialisiert ist. Mit diesem Schritt zieht sich Allegro aus einem Teil seiner früheren Expansionsstrategie zurück.
Die betroffenen Online-Shops in beiden Ländern hatten zwar beachtliche Umsätze erzielt, schrieben jedoch kontinuierlich rote Zahlen. Diese anhaltende Unprofitabilität gab letztlich den Ausschlag für Allegros Entscheidung, sich aus diesen Märkten zurückzuziehen. Der Verkauf ist Teil einer größeren strategischen Neuausrichtung des polnischen Konzerns, der künftig verstärkt auf profitable und etablierte Märkte setzen will – allen voran auf den heimischen polnischen Markt, wo das Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung innehat.
Gescheiterte Expansion
Die internationale Expansion durch die Übernahme der Mall Group entpuppte sich für Allegro als kostspieliger und komplexer als ursprünglich kalkuliert. Besonders in kleineren Märkten mit intensivem Wettbewerb und hohen logistischen Kosten blieb der erhoffte Erfolg aus.
⇢ Österreichischer Weltmarktführer für Lenkradbezüge vor dem Aus – 27 Millionen Schulden
Statt weiterhin Verluste zu finanzieren, entschied sich das Management für eine Verschlankung des Geschäftsmodells, eine Entlastung der Bilanz und eine Konzentration des Kapitals auf rentablere Geschäftsbereiche.
Mit dem Verkauf des „Mall South“-Segments beendet Allegro ein Kapitel seiner regionalen Expansionsstrategie, während Mutares nun vor der Herausforderung steht, aus denselben Geschäften eine Erfolgsgeschichte zu machen.
Mutares‘ Strategie
Der neue Eigentümer Mutares ist kein klassisches Handels- oder Technologieunternehmen, sondern ein auf Restrukturierungen spezialisierter Investmentfonds mit Sitz in München. Das Geschäftsmodell des Unternehmens besteht darin, defizitäre Firmen, nicht zum Kerngeschäft gehörende Unternehmensteile großer Konzerne oder Firmen in Umbruch- und Krisensituationen zu übernehmen.
Mutares setzt dabei auf eine konsequente operative Restrukturierung: Kostensenkungen, Managementwechsel, Fokussierung auf gewinnbringende Segmente und Neuorganisation des operativen Geschäfts. Nach erfolgreicher Stabilisierung werden die sanierten Unternehmen typischerweise nach einigen Jahren weiterverkauft oder – bei nachhaltiger Profitabilität – im Portfolio behalten.
Der börsennotierte Münchner Investor verwaltet derzeit zahlreiche Unternehmen in Europa und weltweit mit einem Gesamtportfolioumsatz von über fünf Milliarden Euro pro Jahr und mehreren zehntausend Beschäftigten.
Der Einstieg in die kroatischen und slowenischen Märkte durch die Übernahme von Mimovrste und Mall.hr entspricht dem typischen Investitionsprofil von Mutares: bekannte Marken mit hohem Umsatz, aber mangelnder Rentabilität – genau die Art von Herausforderung, auf die der Restrukturierungsspezialist spezialisiert ist.