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Betrugsmasche

Fake-Shops aus China fluten Österreich

Fake-Shops aus China fluten Österreich
FOTO: iStock/Shutthiphong Chandaeng
4 Min. Lesezeit |

Täuschend echte Werbeanzeigen und aggressive Billiganbieter aus Asien setzen Österreichs Online-Handel unter Druck. Die Betrugsmasche mit Ghost Stores nimmt bedrohliche Ausmaße an.

Betrügerische Anzeigen aus Asien setzen Österreichs Online-Handel massiv unter Druck. Sogenannte Ghost Stores (nicht existierende Online-Shops) fluten soziale Medien mit täuschend echten Werbeanzeigen und gefährden damit nicht nur Verbraucher, sondern auch etablierte heimische Unternehmen. Parallel dazu verschärfen legitime chinesische Plattformen wie Temu und Shein den Wettbewerbsdruck auf dem österreichischen Markt.

Für getäuschte Kunden entpuppen sich vermeintliche Schnäppchen oft als teure Falle, besonders wenn es um Rücksendungen geht. Kostenlose Retouren bilden einen wesentlichen Pfeiler des Online-Geschäftsmodells. Für österreichische Händler stellt dies eine enorme Herausforderung dar – allein der Hin- und Rückversand eines Blazers nach Berlin kann über 60 Euro verschlingen, was bei ausbleibenden Umsätzen wirtschaftlich untragbar wird.

Die Dimension des Problems verdeutlicht eine aktuelle Untersuchung des österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation: Zwischen Jänner und April 2025 wurden mehr als 3.500 betrügerische Anzeigen über Facebook und Instagram an fast 5,8 Millionen Österreicher ausgespielt. „Diese Shops gibt es gar nicht“, warnte Spartenobmann Rainer Trefelik von der Wirtschaftskammer am Dienstag bei einem Pressegespräch. Die Betrüger geben sich als renommierte österreichische Traditionsunternehmen aus und locken mit angeblichen Totalausverkäufen wegen Geschäftsschließungen.

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Erschüttertes Vertrauen

Die Folgen reichen weit über den unmittelbaren finanziellen Schaden hinaus. „Das ist einfach ein großes Problem, eine Erschütterung des Konsumentenvertrauens“, betont der Wirtschaftskammer-Vertreter. Wenn Verbraucher einmal auf solche Täuschungen hereinfallen, leiden darunter auch seriöse österreichische Traditionsbetriebe, deren Glaubwürdigkeit in Mitleidenschaft gezogen wird. Besonders problematisch gestaltet sich für getäuschte Kunden die Reklamation. „Dann kommt natürlich die große Frage der Retoure. Wie kann ich dieses Produkt dann retournieren?“, erklärt Trefelik die Schwierigkeiten. Die Rücksendung nach China erweist sich nicht nur als kompliziert, sondern auch als kostspielig – wodurch der vermeintliche Preisvorteil schnell ins Gegenteil umschlägt.

Bei Meldung solcher Posts löscht Meta zwar die Anzeige, nicht jedoch das dahinterstehende Profil. „Somit können diese Ghost Stores immer wieder neue Fake-Anzeigen veröffentlichen“, kritisiert Trefelik und fordert ein sofortiges EU-weites Durchgreifen.

Die Erhebungsdaten belegen zudem die angespannte Situation des heimischen Online-Handels: Während die Online-Ausgaben der Österreicher 2024 insgesamt zunahmen, stagnierten die Umsätze bei inländischen Online-Shops. „Wir haben mittlerweile eine Ratio von 37 zu 63. Das heißt, nahezu zwei Drittel der gesamten Online-Ausgaben fließen nicht in den heimischen Online-Handel“, verdeutlicht Handelsexperte Ernst Gittenberger von der Johannes Kepler Universität die besorgniserregende Entwicklung.

Temus Siegeszug

Bemerkenswert ist der rasante Aufstieg legitimer asiatischer Plattformen wie Temu: „2024 haben 41 Prozent bei Temu schon gekauft und das, obwohl Temu erst seit 2 Jahren am Markt ist“, berichtet Handelsexperte Christoph Teller von der Johannes Kepler Universität. Der Anteil der Temu-Nutzer in der österreichischen Bevölkerung wuchs innerhalb eines Jahres von 20 auf 32 Prozent – eine „beispiellose“ Marktdurchdringung. In der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen kaufen inzwischen fast genauso viele Menschen bei asiatischen Plattformen ein wie bei Amazon.

41 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten bei einer asiatischen Plattformen eingekauft zu haben.

Angesichts dieser Entwicklungen fordern Wirtschaftsvertreter strengere Regelungen. WKO-Obmann Trefelik unterstützt die Pläne der EU-Kommission, eine Bearbeitungsgebühr für Pakete aus Drittstaaten einzuführen, um die Flut günstiger Importware einzudämmen.

„Chinesische Plattformen wie Temu und Shein bedienen sich unfairer Praktiken, die ihnen Wettbewerbsvorteile verschaffen. Es ist höchst an der Zeit, dass die EU hier wirksame Maßnahmen setzt“, so Trefelik. Als effektivstes Instrument gegen Fake-Shops betrachtet er den Digital Services Act (EU-Gesetz zur Regulierung digitaler Dienste).

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KO KOSMO-Redaktion
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