Die Ratingagentur Moody’s hat den Ausblick für Österreich von „stabil“ auf „negativ“ herabgestuft, wie Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) am Samstag über Bluesky (Social-Media-Plattform) mitteilte. Das Rating Aa1 wurde jedoch bestätigt. Als Grund für die Verschlechterung des Ausblicks nennt Moody’s eine anhaltende Schwächung der österreichischen Finanzkraft, die auf eine geringere Wirksamkeit der Finanzpolitik hindeutet als bisher angenommen.
In ihrer Jänner-Bewertung prognostizierte Moody’s noch ein Haushaltsdefizit von 3 Prozent und einen schrittweisen Anstieg der Staatsverschuldung auf 83 Prozent des BIP bis 2030. Die aktuellen Berechnungen der Ratingagentur gehen nun von einem deutlich stärkeren Anstieg auf 88,4 Prozent des BIP aus – ein historischer Höchstwert für Österreich. Laut Prognose werden 2030 nur die USA und Kanada eine höhere Schuldenquote aufweisen.
Für das laufende Jahr rechnet Moody’s mit einem minimalen Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent in Österreich, während für das kommende Jahr nach zwei Rezessionsjahren ein Wachstum von 1 Prozent erwartet wird.
Verschlechterte Prognosen
Im Vergleich zur Einschätzung vom Jänner 2025 haben sich die Aussichten für die Haushalts- und Schuldenkennzahlen verschlechtert. Die Basisprognose geht mittelfristig von einer kontinuierlich steigenden Staatsverschuldung aus. Da die geplanten Konsolidierungsmaßnahmen möglicherweise nicht die erwarteten Ergebnisse liefern, fordert Moody’s eine entschlossenere Haushaltskonsolidierung.
Zusätzliche Risikofaktoren sind potenziell höhere alterungsbedingte Ausgaben und Zinskosten. Zwar könnte eine höhere Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer und die Nettozuwanderung von durchschnittlich 0,6 Prozent der Bevölkerung die demografischen Herausforderungen abfedern, doch die Zinszahlungen werden im Verhältnis zu den Einnahmen voraussichtlich von 2,9 Prozent im Vorjahr auf 3,4 Prozent ansteigen.
Ein weiterer Belastungsfaktor könnte der Druck anderer EU-Staaten sein, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Die Regierung plant bereits, diese von derzeit 1 Prozent des BIP im Jahr 2024 auf 2 Prozent bis 2032 zu verdoppeln.
Rating-Vergleich bei anderen Agenturen
Während Moody’s als einzige der drei großen Ratingagenturen den Ausblick für Österreich verschlechterte, bestätigen S&P und Fitch ihre Bewertungen mit stabilem Ausblick. S&P hält das AA+ Rating mit stabilem Ausblick aufrecht, Fitch bewertet Österreich ebenfalls mit AA und stabilem Ausblick. Damit bleibt die Alpenrepublik bei allen drei Agenturen in der zweithöchsten Ratingstufe.
Marterbauers Reaktion
Trotz der negativen Aussichten betont Moody’s die wettbewerbsfähige und wohlhabende Wirtschaft Österreichs sowie die grundsätzlich gute Schuldentragfähigkeit, die das Aa1-Rating rechtfertigen. Allerdings mahnt die Agentur, das schwache Wirtschaftswachstum, die Staatsverschuldung und die moderate Anfälligkeit für geopolitische Risiken nicht zu unterschätzen.
Finanzminister Marterbauer zeigte sich von der Herabstufung nicht überrascht. Er verwies darauf, dass bei der letzten Bewertung im Jänner das volle Ausmaß der Budgetprobleme in Österreich noch nicht bekannt gewesen sei. Mit den bereits beschlossenen Budget-Sanierungspaketen werde die Bundesregierung das Land wieder auf einen soliden Kurs bringen: „Wir werden den Konsolidierungsplan strikt umsetzen.“
Das im Frühjahr 2025 beschlossene Budget-Sanierungspaket der Bundesregierung sieht eine schrittweise Reduktion der Neuverschuldung, Einsparungen bei Verwaltungsausgaben und eine Reform der Pensionsfinanzierung vor. Laut Finanzministerium sollen diese Maßnahmen bis 2028 zu einer Rückführung des Defizits auf unter 2 Prozent des BIP führen.
Marterbauer betonte zudem, dass die Ratingagentur S&P kürzlich das AA+ Rating Österreichs mit stabilem Ausblick bestätigt habe.
„Als Finanzminister habe ich ein strenges Auge auf den Budgetkurs der Republik. Ich bin zuversichtlich, dass uns die Budgetsanierung gelingt. Dann werden sich auch die Ratings wieder verbessern“, so Marterbauer.