Der Motorradhersteller KTM aus dem Innviertel mit Firmenzentrale in Mattighofen im Bezirk Braunau hat Insolvenz angemeldet. Für Hunderte Mitarbeiter bedeutet dies den Verlust ihrer Arbeitsplätze. Die Ungewissheit über die berufliche Zukunft belastet die Betroffenen zusätzlich. Zuletzt wurden die Beschäftigten darüber informiert, dass die traditionelle Sommerpause vom August in den Juli vorverlegt wird.
Finanzielle Misere
Die Krise bei KTM verschärft sich weiter, nachdem die Muttergesellschaft Pierer Mobility beschlossen hat, ihre Fahrradsparte vollständig aufzugeben. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung identifizierte Gottfried Neumeister, der sowohl der KTM AG als auch der Pierer Mobility AG als Vorstandsvorsitzender vorsteht, das Fahrradgeschäft als wesentlichen Faktor für die finanzielle Misere. „Das Fahrradgeschäft ist ganz klar mit ein Grund, warum es zu dieser schwierigen finanziellen Lage gekommen ist. Hier wurden über die letzten zwei Jahre an die 400 Millionen Euro Verluste finanziert.“ Diese Verluste hätten zu massiven Liquiditätsabflüssen geführt.
Die Produktion wurde bereits Ende des Vorjahres eingestellt, wobei E-Bikes noch bis April hergestellt wurden.
Die Lage beim traditionsreichen Hersteller aus dem Innviertel ist ernst: Derzeit befindet sich die Pierer Mobility AG in finalen Verhandlungen zur Sicherung der benötigten 600 Millionen Euro für ihre Sanierungspläne. Von diesem Finanzierungspaket hängt letztlich der Fortbestand der gesamten Unternehmensgruppe ab. Im Rahmen des bereits eingeleiteten Sparkurses hat der Konzern etwa 1850 Stellen bis März 2025 gestrichen, weitere 220 Arbeitsplätze sollen noch im laufenden Geschäftsjahr wegfallen.
Ausverkauf läuft
Die Lagerbestände werden nun schrittweise verkauft. Die Bikes&Wheels-Standorte in Wels und Vöcklabruck werden geschlossen. An diesen Standorten sowie in der Filiale in Linz können Kunden noch bis Ende Mai von erheblichen Preisnachlässen profitieren. Fahrräder werden mit Zubehörpaketen zu Rabatten von bis zu 60 Prozent angeboten. Bei einzelnen Zubehörteilen reichen die Preisreduzierungen sogar bis zu 80 Prozent.
Der Verkaufsstandort in Linz bleibt vorerst bestehen. Die Pierer-Gruppe konzentriert ihre verbliebenen Aktivitäten mittlerweile auf zwei Standorte: Munderfing in Österreich und Murrieta in Kalifornien. Mehrere internationale Niederlassungen in Deutschland, Großbritannien und Südafrika wurden bereits geschlossen.