Traumstrände, Straßenküche und ein Leben zum halben Preis – Vietnam lockt als Auswandererparadies. Die Studie einer Fachorganisation bestätigt, was viele längst vermuten.
Vietnam zum günstigsten Auswanderungsland 2025 gekürt
Endlose Sandstrände, quirlige Straßenmärkte und ein Leben für weniger als die Hälfte der europäischen Kosten – Vietnam hat sich zum attraktivsten Ziel für Auswanderer entwickelt. Eine aktuelle Studie der Organisation William Russell kürte das südostasiatische Land zum kostengünstigsten Auswanderungsziel für 2025.
Die Zahlen sprechen für sich: Eine Einzimmerwohnung ist bereits ab 310 Euro monatlich zu haben, für eine Dreizimmerwohnung werden durchschnittlich 690 Euro fällig. Besonders günstig lebt es sich in der Küstenstadt Da Nang, die mit ihren Stränden und einem lebendigen Nachtleben lockt. Insgesamt liegen die Lebenshaltungskosten in Vietnam rund 59 Prozent unter jenen in Großbritannien.
„Vietnam bietet alles, was für ein qualitativ hochwertiges Leben notwendig ist“, erklärt ein Sprecher von William Russell. „Von sonnigen Stränden bis zu pulsierenden Metropolen, exzellenter Küche und gastfreundlichen Einheimischen – es ist eines der wenigen Länder, die wirklich von sich behaupten können, das komplette Paket zu bieten.“
Auf dem zweiten Platz der günstigsten Auswanderungsländer landete Bolivien. In der Hauptstadt La Paz kostet eine Einzimmerwohnung durchschnittlich 332 Euro, eine Dreizimmerwohnung 609 Euro. „Bolivien verbindet Abenteuergeist mit modernem Komfort. Die Städte liegen inmitten beeindruckender Berglandschaften und üppiger Dschungelgebiete. Auswanderer können hier für wenige Euro täglich luxuriös leben“, so die Studie.
Den dritten Platz belegt Georgien, das Experten als „moderne Gesellschaft ohne hohen Preis“ beschreiben. Während die Hauptstadt Tiflis durch neue Direktflüge immer stärker mit Europa vernetzt wird, gilt Kutaisi als preiswerteste Stadt des Landes. Eine zentral gelegene Wohnung ist dort bereits für 447 Euro monatlich zu haben.
Indien folgt auf Rang vier, wo eine Dreizimmerwohnung für durchschnittlich 373 Euro monatlich zu mieten ist. „In Indien reicht das Budget deutlich weiter und ermöglicht selbst in den Megastädten einen luxuriösen Lebensstil“, betont der Sprecher. Allerdings sei das Leben dort nicht für jeden geeignet: „Man muss sich an die indische Lebensweise gewöhnen, was für sensible Gemüter herausfordernd sein kann.“
Kambodscha komplettiert die Top 5 der günstigsten Auswanderungsländer. Eine zentral gelegene Einzimmerwohnung kostet dort durchschnittlich 349 Euro pro Monat. „Mit dem Entstehen moderner Wohnkomplexe in ganz Kambodscha und besonders in den Küstenregionen können Auswanderer eine stetig steigende Lebensqualität erwarten – ohne dass ihr Bankkonto darunter leidet“, heißt es in der Studie.
Als preiswertester Ort gilt die Hauptstadt Phnom Penh.
Vietnams Naturschätze
Vietnam überzeugt jedoch nicht nur mit niedrigen Kosten. Das Land erstreckt sich über mehr als 3.000 Kilometer Küste mit traumhaften Stränden – von belebten Touristenorten wie Nha Trang bis zu versteckten Buchten auf der Insel Phu Quoc. Die Wassertemperaturen sind ganzjährig angenehm, und frische Fischgerichte gehören zum kulinarischen Alltag.
Die vietnamesische Küche spielt sich hauptsächlich auf der Straße ab. Legendäre Spezialitäten wie Pho (Rindersuppe mit Nudeln), Bun Cha (Schweinefleisch mit Reisnudeln) und Banh Mi (Baguette-Sandwich mit lokalen Zutaten) werden auf einfachen Plastikstühlen am Straßenrand serviert – und schmecken hervorragend. Dazu kommt die ausgeprägte Kaffeekultur: Vietnam zählt zu den größten Kaffeeproduzenten weltweit, und der berühmte Eiskaffee mit Kondensmilch (cà phê sữa đá) ist nicht nur Energiespender, sondern auch kulturelles Symbol.
Kulturell bietet das Land eine faszinierende Vielfalt. Mehr als 50 ethnische Minderheiten leben neben der vietnamesischen Mehrheitsbevölkerung (Kinh) – von Bergvölkern im Norden bis zu Gemeinschaften an der kambodschanischen Grenze. Jede Gruppe pflegt ihre eigenen Sprachen, Trachten und Bräuche.
Das Verkehrsbild wird von Motorrollern dominiert – allein über 50 Millionen sind in Städten wie Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi unterwegs. Für Fußgänger gilt beim Überqueren der Straße eine einfache Regel: gleichmäßig geradeaus gehen und die Richtung nicht ändern – die Fahrer passen sich an.
Kultur und Alltag
Zu den Naturwundern des Landes zählt die Ha-Long-Bucht mit mehr als 1.600 Kalksteininseln, die aus dem Meer ragen. Das UNESCO-Welterbe gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Südostasiens.
Die vietnamesische Gesellschaft ist stark kollektivistisch geprägt. Mehrere Generationen leben oft unter einem Dach, und der Respekt vor älteren Menschen sowie familiären Verpflichtungen ist tief verwurzelt. Gleichzeitig ist die Bevölkerung sehr jung – mehr als die Hälfte der Vietnamesen ist unter 35 Jahre alt. Dies spiegelt sich in der rasanten Entwicklung des Landes wider, besonders in den Bereichen Technologie, Bildung und Start-up-Kultur.
Der wichtigste Feiertag ist Tet, das vietnamesische Neujahrsfest, das je nach Mondkalender im Jänner oder Februar gefeiert wird. In dieser Zeit steht das öffentliche Leben still, Familien kommen zusammen, und Häuser werden festlich mit Blumen und Laternen geschmückt.
Architektonisch präsentiert sich Vietnam als Schmelztiegel östlicher und westlicher Einflüsse. Die französische Kolonialvergangenheit hat ihre Spuren in Form von prächtigen Gebäuden, Baguettes und Kaffeekultur hinterlassen, während buddhistische Pagoden, konfuzianische Tempel und traditionelle Märkte das asiatische Erbe bewahren – oft im selben Stadtviertel.