Ein niedriger Donaupegel bringt Serbiens Dieselversorgung ins Wanken – und zwingt die Regierung zu ungewöhnlichen Maßnahmen.
Weil der Wasserstand der Donau derzeit außergewöhnlich niedrig ist, kann Serbien im Juli nur einen Bruchteil der geplanten Dieselmengen importieren. Tankschiffe sind bei solchen Bedingungen gezwungen, ihre Ladung erheblich zu reduzieren, da die zulässige Eintauchtiefe der Schiffe begrenzt ist. Laut Energieministerin Dubravka Đedović Handanović wurden bislang lediglich rund 25 Prozent der ursprünglich vorgesehenen Importmengen erreicht.
Als Ausweichlösung kommen Lastwagen und Güterzüge zum Einsatz – doch diese Alternativen sind deutlich kostspieliger und können die entstandene Lücke nicht vollständig schließen.
Operative Reserven freigegeben
Als unmittelbare Reaktion auf die Versorgungsengpässe hat das serbische Energieministerium den Mineralölunternehmen gestattet, ihre operativen Eurodieselreserven zu nutzen. Diese betrieblichen Vorräte sind von den strategischen Staatsreserven klar zu unterscheiden – letztere bleiben unangetastet. Gesetzlich sind die Unternehmen verpflichtet, solche Betriebsreserven vorzuhalten, um kurzfristige Lieferunterbrechungen abfedern zu können.
Sobald sich die Importlage wieder normalisiert, müssen die entnommenen Mengen aufgefüllt werden. Den genauen Zeitrahmen dafür will das Ministerium gemeinsam mit den betroffenen Unternehmen abstimmen.
Auch der staatliche Energiekonzern NIS hat die Möglichkeit, auf Antrag eigene operative Reserven bereitzustellen. Damit sollen jene Unternehmen versorgt werden, die infolge der gesunkenen Importmengen verstärkt auf die Raffinerie in Pančevo angewiesen sind. Nach Angaben der Regierung hat die Bevölkerung bislang keine spürbaren Einschränkungen bei der Treibstoffversorgung erfahren.
Physikalische Grenzen
Hintergrund der Problematik ist die physikalische Einschränkung bei niedrigem Wasserstand: Frachtschiffe dürfen in solchen Situationen weniger tief im Wasser liegen und können daher nur einen Teil ihrer üblichen Kapazität ausschöpfen. Um gleichwertige Transportmengen zu erzielen, wäre eine deutlich höhere Zahl an Fahrten notwendig – was angesichts begrenzter Schiffskapazitäten kaum realisierbar ist und die Kosten zusätzlich in die Höhe treibt.
Der teilweise Umstieg auf Straße und Schiene mildert die Situation zwar ab, reicht aber nicht aus, um den Gesamtbedarf zu decken.
Von einem akuten Treibstoffmangel spricht die Regierung derzeit nicht. Dennoch könnten steigende Transportkosten in Kombination mit einer saisonal erhöhten Nachfrage den Preisdruck verstärken. Eine zentrale Rolle spielt dabei der kontinuierliche Betrieb der Raffinerie in Pančevo, die einen wesentlichen Teil des serbischen Marktes beliefert.
Die Freigabe der Unternehmensreserven ist als Überbrückungsmaßnahme gedacht. Sollte der Pegelstand der Donau jedoch über einen längeren Zeitraum niedrig bleiben, könnten zusätzliche Schritte erforderlich werden.