Steigende Energiepreise in Europa – doch serbische Haushalte sollen vorerst verschont bleiben. Ein Versprechen mit Bedingungen.
Privathaushalte in Serbien müssen vorerst keine höheren Gasrechnungen befürchten. Das versicherte Dusan Bajatovic, Generaldirektor des staatlichen Energieversorgers Srbijagas, am Montag in einem Interview mit dem serbischen Rundfunk RTS. Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der die Energiepreise auf den internationalen Märkten wieder spürbar anziehen. Bajatovic zufolge haben sich die Gaspreise an europäischen Börsen seit April um knapp 30 Prozent verteuert.
Volle Speicher
Hinsichtlich der Versorgungslage für den kommenden Winter zeigte sich der Srbijagas-Chef zuversichtlich. Im Speicher Banatski Dvor seien derzeit rund 482 Millionen Kubikmeter Gas eingelagert, was einer Auslastung von etwa 93 Prozent der kommerziell nutzbaren serbischen Kapazitäten entspreche. Russland habe Serbien darüber hinaus einen Teil seiner eigenen Speicherkapazitäten im gemeinsamen Lager überlassen. Ergänzend dazu speichert Serbien Gas auch in Ungarn ein, wo täglich zwischen einer Million und 1,2 Millionen Kubikmeter zusätzlich eingespeist werden.
Russland bleibt ein zentraler Pfeiler der serbischen Gasversorgung. Der Bezugspreis orientiert sich dabei nicht allein an den kurzfristigen europäischen Börsennotierungen, sondern ist teilweise an die Ölpreisentwicklung gekoppelt. Bajatovic geht davon aus, dass der bestehende Liefervertrag mit Russland auch für die nächsten Quartale fortgeschrieben wird. Sollten die Beschaffungskosten dennoch steigen, sollen Privathaushalte davon nach seiner Darstellung nicht belastet werden. Für Industriebetriebe könnte die Situation hingegen anders aussehen, da ein Teil der Unternehmen seinen Gasbedarf zu marktüblichen Preisen deckt.
Teure Alternativen
Serbien hat inzwischen auch Zugang zu Gas aus Aserbaidschan sowie über Leitungsverbindungen durch Bulgarien, Griechenland und die Türkei. Über europäische Netzinfrastrukturen ist zudem Flüssiggas erreichbar, das über Importterminals angeliefert wird. Diese Bezugsquellen sind laut Bajatovic allerdings erheblich kostenintensiver als das vertraglich vereinbarte russische Gas. Serbien sei zwar weder bei den verfügbaren Mengen noch bei den Transportkapazitäten akut gefährdet, doch die eigentliche Herausforderung liege darin, die Preise auf einem wettbewerbsfähigen Niveau zu halten.
Bei der Aussage des Srbijagas-Direktors handelt es sich um eine politische und unternehmerische Zusage, nicht um eine gesetzlich verankerte Preisgarantie. Veränderte geopolitische Rahmenbedingungen, ein deutlicher Anstieg der Ölpreise, Schwierigkeiten bei Lieferverträgen oder neue Sanktionsmaßnahmen könnten die bisherige Kalkulation ins Wanken bringen. Auch staatliche Subventionen und die Haushaltslage des Landes beeinflussen letztlich die Endpreise für Verbraucher. Für Angehörige der Diaspora, die Immobilien in Serbien besitzen oder Familienmitglieder bei den Heizkosten finanziell unterstützen, ist die Ankündigung dennoch ein relevantes Signal. Nach aktuellem Stand sollen die Gaspreise für Privathaushalte zunächst unverändert bleiben.
Ob diese Zusage über den gesamten Winter Bestand haben wird, bleibt von der weiteren Entwicklung auf den internationalen Energiemärkten und dem Ausgang der noch ausstehenden Lieferverhandlungen abhängig.