Ein historisch niedriger Donaupegel legt bei Opatovac die Überreste eines 1937 gesunkenen Schiffs frei – ein alter Zeitungsbericht könnte nun bei der Identifizierung helfen.
Der außergewöhnlich niedrige Wasserstand der Donau hat bei Opatovac in Ostkroatien ein lange verborgenes Wrack deutlich sichtbar gemacht. Die Überreste befinden sich im Donauabschnitt zwischen Vukovar und Ilok, im Gemeindegebiet von Lovas. Die Gemeinde veröffentlichte Aufnahmen des aus dem Flussbett ragenden Wracks und versucht nun gemeinsam mit Einwohnern und historisch Interessierten herauszufinden, um welches Schiff es sich handelt.
Hinweis aus dem Jahr 1937
Einen möglichen Hinweis auf die Herkunft des Wracks lieferte ein Einwohner von Opatovac. Er stieß auf einen Zeitungsbericht aus dem Jahr 1937, in dem ein Schiffsunglück an nahezu derselben Stelle beschrieben wird.
Dem historischen Artikel zufolge schleppte das ungarische Frachtschiff „Fulton“ damals einen Kahn einer österreichischen Dampfschifffahrtsgesellschaft in Richtung Novi Sad. Der Schleppkahn trug die Kennnummer 5722 und war mit einer Kohlenmenge beladen, die laut dem Bericht dem Fassungsvermögen von rund 50 Eisenbahnwaggons entsprach.
In der Nähe von Opatovac sank der Kahn aus bislang ungeklärter Ursache. Eine Untersuchung durch Vertreter der Schifffahrtsgesellschaft und der damaligen Hafenbehörde in Vukovar kam zu dem Ergebnis, dass der Kahn und seine Ladung vollständig verloren waren. Lediglich das Heck soll noch aus dem Wasser geragt haben.
Diese Beschreibung weist auffällige Ähnlichkeiten mit dem nun sichtbaren Wrack auf. Eine abschließende Bestätigung, dass es sich tatsächlich um den 1937 gesunkenen Schleppkahn mit der Kennnummer 5722 handelt, liegt bislang jedoch nicht vor.
Die Bürgermeisterin der Gemeinde Lovas, Lea Vidić, erklärte, dass vor allem das Heck des Wracks inzwischen deutlich aus dem Flussbett herausrage. Einige Bewohner hätten bereits vor rund 15 Jahren schwache Umrisse im Wasser erkannt. In der derzeitigen Deutlichkeit sei das Wrack jedoch seit Jahrzehnten nicht mehr zu sehen gewesen.
Historischer Tiefstand bei Batina
Möglich wurde der Anblick durch den extrem niedrigen Pegelstand der Donau. An der Messstation Batina wurden am 19. Juli minus 108 Zentimeter registriert. Damit wurde der bisherige Tiefstwert von minus 84 Zentimetern aus dem Jahr 2022 um 24 Zentimeter unterschritten.
Am Morgen des 20. Juli lag der Wasserstand wieder bei minus 99 Zentimetern. Im Laufe des Nachmittags stieg der automatische Messwert weiter auf rund minus 95 Zentimeter. Bei dem Wert von minus 108 Zentimetern handelt es sich um einen Rekord an der Messstation Batina – nicht zwangsläufig um den niedrigsten Wasserstand entlang der gesamten Donau.
Sollte der Pegel erneut sinken, könnten weitere Teile des Wracks sichtbar werden. Die Gemeinde hofft, die außergewöhnliche Situation nutzen zu können, um die Überreste genauer zu dokumentieren. Ob das Wrack tatsächlich mit dem Unglück aus dem Jahr 1937 in Verbindung steht, müssten weitere historische und technische Untersuchungen klären.
Der niedrige Wasserstand hat zugleich praktische Folgen. Frachtschiffe müssen ihren Tiefgang reduzieren und können dadurch weniger Ladung transportieren. Auch die Wasserentnahme für landwirtschaftliche Bewässerungsanlagen kann erschwert werden.
Der geringere Durchfluss und die stärkere Erwärmung des flachen Wassers können außerdem Fische und andere Teile des Ökosystems belasten. Besonders in länger anhaltenden Hitzeperioden kann sich die Situation weiter verschärfen.
Wichtig ist dabei eine klare Unterscheidung: Nicht das ungarische Schiff „Fulton“ soll gesunken sein. Es diente lediglich als Zugfahrzeug. Bei dem nun sichtbaren Wrack dürfte es sich – sofern der historische Bericht tatsächlich zu diesem Fund gehört – um den mit Kohle beladenen Schleppkahn einer österreichischen Dampfschifffahrtsgesellschaft handeln.