Baustellen, Sperren und Nachtstopps: Wer diesen Sommer nach Kroatien oder Bosnien fährt, braucht mehr als nur Geduld.
Wer in den kommenden zwei Wochen mit dem Auto von Österreich oder Deutschland in Richtung Kroatien oder Nordbosnien aufbricht, muss sich auf teils erhebliche Verzögerungen einstellen. Besonders kritisch sind derzeit die Strecken südlich von München, die österreichische Tauernautobahn A10, der Karawankentunnel sowie mehrere Autobahnabschnitte in Slowenien und Kroatien. Laut ADAC werden die stärksten Belastungen am Freitagnachmittag bis in den Abend sowie am Samstagvormittag erwartet. Auch der Rückreiseverkehr am Sonntag kann für zusätzliche Staus sorgen – vor allem auf der deutschen A8 Richtung München und Salzburg sowie auf der Tauern- und Karawankenroute.
Ab Montag, dem 27. Juli 2026, beginnt auf der A995 zwischen Unterhaching und dem Autobahnkreuz München-Süd die Hauptphase einer umfassenden Fahrbahnerneuerung. Bis zum 6. September steht in beiden Richtungen jeweils nur ein Fahrstreifen zur Verfügung. In den ersten drei Wochen wird die Fahrbahn in Richtung Salzburg erneuert. Während dieser Zeit sind die Auf- und Abfahrten Taufkirchen-West, Oberhaching und Sauerlach in dieser Fahrtrichtung gesperrt. Die gesamten Bauarbeiten auf der A995 laufen voraussichtlich noch bis Anfang Oktober. Für Reisende aus Deutschland kann die Baustelle bereits zum ersten spürbaren Engpass der Fahrt werden.
Sperren & Baustellen
Auf der österreichischen Tauernautobahn A10 gelten noch bis einschließlich 13. September weitreichende Abfahrtssperren. Wer kein tatsächliches Ziel in Österreich hat, darf zahlreiche Ausfahrten zwischen Puch-Urstein und Zederhaus nicht nutzen. Betroffen sind unter anderem die Anschlussstellen Hallein, Kuchl, Golling, Werfen, Pongau, Eben, Altenmarkt, Flachau, Flachauwinkel und Zederhaus. Wer bei einem Stau den Empfehlungen seines Navigationsgeräts folgt und auf Nebenstraßen ausweichen möchte, kann daher an einer gesperrten Abfahrt landen.
Hinzu kommen an mehreren Samstagen zusätzliche Fahrverbote für Lastkraftwagen und Sattelkraftfahrzeuge mit einem höchstzulässigen Gesamtgewicht von mehr als 7,5 Tonnen. In Richtung Villach gelten diese unter anderem am 25. Juli, 1. August und 8. August jeweils zwischen 7 und 15 Uhr. Für bestimmte Transporte sowie definierten Ziel- und Quellverkehr bestehen allerdings Ausnahmen. Die Maßnahme soll den Ferienreiseverkehr entlasten, kann unmittelbar vor Beginn und nach Ende der Sperrzeiten jedoch zu zusätzlichen Lkw-Kolonnen führen.
Die neue Oströhre des Karawankentunnels wurde am 18. März 2026 symbolisch freigegeben und wenige Tage später für den Verkehr geöffnet. Gleichzeitig begann die umfassende Sanierung der bisherigen Weströhre. Der Verkehr wird daher weiterhin im Gegenverkehr durch nur eine Tunnelröhre geführt. Die vollständige Entlastung des Grenztunnels, die sich viele Reisende erhofft hatten, ist somit noch nicht eingetreten. Der dauerhafte Betrieb mit zwei getrennten Röhren ist erst nach Abschluss der Sanierung vorgesehen. Bei starkem Verkehrsaufkommen, Unfällen oder Pannen können sich auf der österreichischen A11 und der slowenischen A2 rasch lange Fahrzeugkolonnen bilden.
Auch jenseits des Karawankentunnels ist mit Behinderungen zu rechnen. Die slowenische Verkehrszentrale verzeichnet mehrere Baustellen entlang der A2 zwischen dem Karawankenmassiv, Ljubljana und dem kroatischen Grenzübergang Obrežje. Im südöstlichen Abschnitt der A2 Richtung Obrežje laufen Rekonstruktionsarbeiten, deren aktuelle Bauphase voraussichtlich bis zum 23. August andauert. Eingeengte Fahrspuren und veränderte Verkehrsführungen können insbesondere bei hohem Verkehrsaufkommen zu Rückstaus führen.
Auf der kroatischen A2 zwischen Macelj und Zagreb ist der Verkehr derzeit auf zwei Abschnitten eingeschränkt: zwischen Krapina und Đurmanec sowie zwischen Trakošćan und Đurmanec. Unmittelbar nach der Einreise aus Slowenien kann es dort zu Staubildung kommen, weil der Fahrzeugstrom vom Grenzübergang Gruškovje–Macelj direkt auf die verengten Streckenabschnitte trifft. Eine weitere Engstelle befindet sich am Autobahnknoten Zagreb-West bei Jankomir. Aus Richtung Macelj, Bregana und Lipovac werden bestimmte Verbindungen ins Stadtgebiet von Zagreb einspurig geführt. Diese Verkehrsregelung soll nach aktuellem Stand bis Ende 2026 bestehen bleiben.
Route Nordbosnien
Für Reisende nach Nordbosnien ist insbesondere die Nacht von Samstag, dem 25. Juli, auf Sonntag, den 26. Juli, von Bedeutung. Zwischen 22 und 4 Uhr wird der Verkehr im Bereich der Autobahnknoten Slavonski Brod-West und Slavonski Brod-Ost mehrfach kurzzeitig angehalten. Die einzelnen Unterbrechungen sollen jeweils nicht länger als 15 Minuten dauern. In Kombination mit dem Ferienreiseverkehr können daraus jedoch deutlich längere Wartezeiten entstehen. Betroffen sind unter anderem Reisende zu den Grenzübergängen Slavonski Brod–Bosanski Brod und Orašje.
Auch auf der kroatischen A5 Richtung Svilaj sind in derselben Nacht Verkehrsbehinderungen angekündigt. Auf den Abschnitten Đakovo–Sredanci und Sredanci–Svilaj soll der Verkehr ebenfalls mehrfach für jeweils höchstens 15 Minuten gestoppt werden. Wer über den Grenzübergang Svilaj nach Bosnien und Herzegowina fährt, sollte daher zusätzliche Zeit einplanen.
Eine wesentliche Änderung betrifft alle, die nach Banja Luka oder in die Region Bosanska Gradiška unterwegs sind. Der bisherige Grenzübergang Stara Gradiška–Gradiška ist wegen eines beschädigten Brückenbauwerks in beiden Richtungen gesperrt. Der Verkehr wird über den neuen Grenzübergang Gornji Varoš–Gradiška und die neue Save-Brücke geführt, die seit Mai 2026 für den Verkehr geöffnet ist. Reisende sollten überprüfen, ob ihr Navigationsgerät weiterhin die gesperrte alte Brücke als Route vorschlägt.
Nach Angaben des bosnischen Automobilclubs BIHAMK bildeten sich am 23. Juli unter anderem am Grenzübergang Orašje längere Fahrzeugkolonnen. Auch an weiteren Übergängen kam es zeitweise zu erhöhtem Verkehrsaufkommen. An zahlreichen anderen bosnischen Grenzübergängen lagen die Wartezeiten zu diesem Zeitpunkt überwiegend unter 30 Minuten. Bei diesen Angaben handelt es sich jedoch nur um Momentaufnahmen, die sich an Ferienwochenenden innerhalb kurzer Zeit deutlich verändern können.
Der Kroatische Automobilclub HAK warnt, dass an mehreren Grenzübergängen zu Bosnien und Herzegowina, Serbien und Montenegro Wartezeiten von mehreren Stunden möglich sind. Zusätzliche Verzögerungen können durch das europäische Einreise- und Ausreisesystem EES entstehen. Betroffen sind vor allem Nicht-EU-Staatsangehörige, die für einen Kurzaufenthalt in den Schengenraum ein- oder ausreisen. Für EU-Bürger sowie bestimmte Inhaber von Aufenthaltskarten oder Aufenthaltstiteln gilt das System nicht. Vor allem bei der erstmaligen elektronischen Erfassung können die Kontrollen länger dauern.