Die israelische Armee hat nach Darstellung der Gesundheitsorganisation PMRS (Palestinian Medical Relief Society) deren zentrales Versorgungszentrum in Gaza-Stadt vollständig zerstört. Das sechsstöckige Gebäude im Stadtteil Tal al-Hawa sei nach einer vorherigen Evakuierungsaufforderung komplett dem Erdboden gleichgemacht worden, erklärte die Organisation am Dienstag.
In der nun zerstörten Einrichtung wurden zuvor essenzielle medizinische Dienste wie Blutspenden, Laboruntersuchungen, Traumaversorgung sowie die Behandlung von Krebspatienten und chronisch Kranken angeboten.
Weitere Angriffe
Zwei weitere Gesundheitszentren der Organisation wurden ebenfalls angegriffen. Ein Zentrum wurde beschädigt und von israelischen Streitkräften umzingelt, während ein drittes bei einem separaten Militäreinsatz vollständig zerstört wurde. Von israelischer Seite gab es zunächst keine Stellungnahme zu den Vorfällen.
Dramatische Lage des Gesundheitssystems
Die Zerstörung weiterer medizinischer Einrichtungen verschärft die bereits katastrophale Situation im Gazastreifen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte, dass seit Oktober 2023 insgesamt 492 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen im Gazastreifen verzeichnet wurden. Aktuell sind nur noch 17 von ursprünglich 36 Krankenhäusern zumindest teilweise funktionsfähig, während die übrigen 19 außer Betrieb sind.
Militärische Begründung
Das Militär hat im Verlauf des Gaza-Krieges wiederholt Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen bombardiert und argumentiert, die Hamas nutze diese für militärische Zwecke – was deren völkerrechtlichen Schutzstatus aufheben könnte.
Allerdings blieb das israelische Militär in vielen Fällen konkrete oder überzeugende Nachweise für eine signifikante Hamas-Präsenz in den attackierten Gesundheitseinrichtungen schuldig. Internationale Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen und das Internationale Rote Kreuz haben wiederholt die gezielte Beschädigung und Zerstörung medizinischer Einrichtungen dokumentiert und kritisiert.