Ein Badetag an der kroatischen Küste, ein Vogel aus dem Nichts und plötzlich Blut im Wasser. Was KOSMO-Leser Blasko Papic erlebte, hätte schlimmer kaum enden können.
Ein entspannter Badetag an der kroatischen Küste endete für Blasko Papic mit einer blutigen Verletzung: Rund 20 Meter vom Ufer entfernt wurde er im Meer von einer Krähenscharbe angegriffen – der Schnabel des Vogels traf ihn direkt am linken Auge. Der Vorfall ereignete sich am 16. Juli in Gornja Vala bei Drvenik.
Papic schwamm nach eigenen Angaben in einiger Entfernung zur Küste, als er wahrnahm, dass sich unter der Wasseroberfläche etwas in der Nähe seines Fußes bewegte. Als er den Blick nach unten ins Wasser richtete, schoss plötzlich ein Vogel von unten auf ihn zu. Bei dem Tier handelte es sich laut seiner Beschreibung um einen in Kroatien als „morski vranac“ bekannten Vogel – auf Deutsch: die Krähenscharbe.
Mit geöffnetem Schnabel traf der Vogel Papic unmittelbar am linken Auge. Die Verletzung war so schwer, dass er blutüberströmt ans Ufer schwimmen und danach medizinisch versorgt werden musste. „Glück im Unglück war, dass der Schnabel offen war. Sonst hätte ich mit ziemlicher Sicherheit mein Auge verloren“, schildert Papic den dramatischen Moment gegenüber KOSMO.
Experten rätseln
Dass Krähenscharben Menschen als Beute betrachten, gilt unter Experten als äußerst unwahrscheinlich. Fachleute gehen vielmehr davon aus, dass es sich bei derartigen Angriffen um Abwehrreaktionen einzelner Tiere handelt. Fühlt sich ein Vogel bedrängt oder in Gefahr, kann er sich mit seinem langen, hakenförmigen Schnabel zur Wehr setzen.
Auffällig ist dabei, dass in mehreren bekannten Fällen gezielt die Gesichts- und Augenregion getroffen wurde. Diskutiert wurde auch die These, wonach ein Rückgang der Fischbestände die Vögel aggressiver gegenüber Schwimmern machen könnte – ein wissenschaftlicher Nachweis dafür steht jedoch aus. Wer eine Krähenscharbe beim Fischen beobachtet, sollte dem Tier nicht nachschwimmen und einen ausreichenden Abstand wahren.
Weitere Angriffe
Besonders beunruhigend: Laut Papic soll es bereits am darauffolgenden Tag in derselben Gegend zu sechs weiteren Angriffen auf Urlauber gekommen sein. Gänzlich neu wären solche Vorfälle allerdings nicht. Im Jahr 2021 wurden auf der kroatischen Insel Molat innerhalb weniger Tage vier ähnliche Fälle gemeldet – auch dort traf eine Krähenscharbe einen Schwimmer am linken Auge beziehungsweise Augenlid.
2023 wurde bei Banjole in Istrien ein zwölfjähriger Bub von einem solchen Vogel angegriffen und am unteren Augenlid verletzt.